Besucherzentrum im Wetterpark

Hartnäckige Durchleuchtung

Offenbach - Das im Bau befindliche Besucherzentrum des Wetterparks steht unter politischer Beobachtung. Selbst die Koalition hat nun Zweifel wegen der Folgekosten. OSG-Chef Matthias Müller hält dagegen. Von Matthias Dahmer

Dass ein städtisches Bauprojekt in Zeiten von Schutzschirm-Pflichten und Milliardendefizit unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit steht, darf nicht verwundern. Wenn dann noch Zweifel an Sinn und Notwendigkeit des Vorhabens hinzukommen, kann’s schon mal politischen Ärger geben. So geschehen mit dem Besucherzentrum des Wetterparks, das sich derzeit im Bau befindet. Während die oppositionelle CDU die mehr als eine Million Euro teure Einrichtung schon von Anfang an für ein überdimensioniertes Prestigeobjekt hält, gibt es offenbar auch bei der Rathaus-Koalition mittlerweile Bauchschmerzen.

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Weniger wegen der Baukosten. Die werden zwar auch in Teilen von SPD, Grünen und Freien Wählern für zu hoch befunden. Weil die Summe aber mit dem Verkaufserlös für das Gelände des künftigen Polizeipräsidiums gedeckt werden soll, welche die Stadt im Moment freilich noch vorfinanziert, schluckte man die Kröte relativ geräusch- und klaglos. Zumal man sich dem Argument beugt, mit dem Baufortschritt seien längst Fakten geschaffen. Aktuell geht es den Koalitionären um die Folgekosten fürs neue Besucherzentrum. Sie haben deshalb in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments eine Magistratsvorlage zu Unterhaltung und Management des Zentrums wegen Beratungsbedarfs abgesetzt.

Wie zu hören war, musste sich Matthias Müller, städtischer Pressesprecher und Chef der für den Wetterpark zuständigen Offenbacher Stadtinformation Gesellschaft (OSG), den bohrenden Fragen der Parlamentarier stellen. Unserer Zeitung vorliegende Unterlagen zeigen, dass es eine zwar komplizierte, unterm Strich aber verkraftbare Rechnung aufzumachen gilt: So ist der Kostenschätzung für die Jahre 2015 bis 2019 zunächst einmal zu entnehmen, dass die Stadt jährlich zwischen 11 800 und 12 800 Euro fürs Besucherzentrum aufbringen muss.

Die OSG kostet der Betrieb der neuen Einrichtung pro Jahr zwischen 86.000 und 90.000 Euro, denen Einnahmen von konstant 47.500 Euro (20.000 Euro Zuschuss Regionalpark, 10.000 Euro Erlöse aus Verkauf und Führungen, 17.500 Euro, welche die Stadt schon jetzt für den Wetterpark zahlt) gegenüberstehen. Weiterhin ist in Abzug zu bringen eine halbe Personalstelle für den Wetterpark, die auch bisher schon durch die OSG finanziert wurde. Am Ende stehen für die städtische Geselschaft deshalb Mehrkosten fürs Besucherzentrum, die zwischen 13.900 Euro 2015 und 18.200 Euro im Jahre 2019 liegen.

Matthias Müller, den die finanzielle Durchleuchtung seines Lieblingsprojekts hörbar nervt, betont, die Mehrkosten seien problemlos durch die von der OSG erzielten Erlöse bei der Vermarktung der städtischen Werbeflächen zu decken, die in diesem Jahr bei 280.000 Euro gelegen hätten. Zudem habe die OSG ihre Personalkosten gesenkt und werde ihre Geschäftsfelder umstrukturieren, so dass ein noch positiveres Ergebnis durchaus möglich sei. Zu der Frage, ob dadurch der unter „Einnahmen“ verbuchte jährliche städtische Zuschuss über 17 500 Euro an die OSG entfallen kann, wollte sich Müller nicht äußern.

Das Besucherzentrum des Wetterparks, ist er sich sicher, werde ein Schmuckstück für die Stadt Offenbach und eine „seriös kalkulierte Erfolgsgeschichte“.

Führung durch den Wetterpark

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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