Besucherzentrum im Wetterpark

Theoretisch durchfinanziert

Offenbach - Beim geplanten Besucherzentrum im Wetterpark befürchtet die CDU: Es wird Geld ausgegeben, das noch nicht da ist.

Das Warten auf den Neubau des Polizeipräsidiums, für den dem Land mittlerweile zum dritten Mal die Kaufoption aufs längst freigeräumte Grundstück am Buchhügel verlängert wurde, hat ärgerliche finanzielle Nebenaspekte. Auf einen möglicherweise gewichtigen, weil kostensparenden, wird die CDU nicht müde hinzuweisen: Sie fordert, bei den Planungen fürs neue Besucherzentrum des Wetterparks, das aus dem Verkaufserlös fürs künftige Präsidiumsareal finanziert werden soll, einen Gang herunter zu schalten.

Die Stadt freute sich vor kurzem in einer Mitteilung über den Baubeginn fürs Zentrum noch in diesem Jahr. Roland Walter, Vize-Fraktionschef der Union, kann diese Freude nicht teilen. Für ihn wird bei dem mit mehr als 900.000 Euro veranschlagten Neubau Geld ausgegeben, welches Stadt beziehungsweise Stadtwerke noch gar nicht haben.

Walter: „Erst wenn der Verkauf des Grundstücks unter Dach und Fach und der Kaufpreis geflossen ist, kann überhaupt über die Verwendung dieser Gelder nachgedacht werden. Dies gebietet schon die kaufmännische Seriosität.“ Der Unionspolitiker, der das Besucherzentrum ohnehin für ein „überdimensioniertes Prestigeobjekt“ hält, regt an, das Vorhaben noch einmal zu überdenken. Er hat deshalb bereits im November eine umfangreiche Anfrage an den Magistrat gerichtet, deren Beantwortung einen aktuellen Sachstand der inzwischen zahlreichen Beschlüsse zum Wetterpark liefern soll.

Führung durch den Wetterpark

Auf dem Papier ist das Bauprojekt Besucherzentrum durchfinanziert: 10,35 Millionen Euro, das wurde im Kaufvertrag mit dem Land festgelegt, ist das insgesamt 5,2 Hektar große Gelände am Buchhügel wert. Im Vorgriff auf den Deal mit dem Land haben die mit der Freiräumung beauftragten Stadtwerke das Areal für sechs Millionen der Stadt abgekauft. Die verbleibenden 4,3 Millionen sind das Budget der Stadtwerke für die Freiräumung; in dem Betrag sind die Baukosten für das Besucherzentrum enthalten. Selbst wenn das Land Hessen doch noch abspringen sollte, sind diese 4,3 Millionen Euro laut Vertrag von ihm zu tragen.

Was die künftigen Betriebskosten des Besucherzentrums angeht, hat die CDU ebenfalls Zweifel, ob die Rechnung der Stadt aufgeht. Noch im Sommer 2012 sei eine Unterdeckung von 42.000 Euro prognostiziert worden, so Walter.

Stadtsprecher Matthias Müller, zugleich Chef der für den Betrieb des Zentrums zuständigen Offenbacher Stadtinformations-Gesellschaft (OSG), hält dem andere Zahlen entgegen: Die Regionalpark GmbH bezuschusse mit 20 000 Euro pro Jahr. Zudem könnte mit den OSG-Gewinnen, die voraussichtlich bei mehr als 300.000 Euro jährlich lägen, das Defizit ausgeglichen werden.

mad

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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