Kooperationen angepeilt

Betrieb der GOAB bis Jahresende gesichert

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Das Recyclingzentrum, in dem auch Kühlschränke zerlegt werden, trägt sich nicht mehr.

Offenbach - Der Betrieb der Gemeinnützigen Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB), bei der ein vorläufiges Insolvenzverfahren läuft, ist bis zum Jahresende gesichert. Von Matthias Dahmer

Zugleich sieht die Insolvenzverwalterin gute Chancen, dass bestimmte Betriebe der GOAB Käufer finden oder mit Unternehmen kooperieren. Sie habe die Zusage der Bundesagentur für Arbeit, dass sie den Betrieb der GOAB für die nächsten drei Monate vorfinanzieren könne, sagte Insolvenzverwalterin Petra Heidenfelder gestern bei einer Pressekonferenz. Die eigentliche Insolvenz, die bislang eine vorläufige ist, werde voraussichtlich Ende November, Anfang Dezember eröffnet. Bis dahin stehen für die erfahrene Sanierungsexpertin Gespräche unter anderem mit der Arbeitsagentur, der Mainarbeit, der Nassauischen Heimstätte und dem Sozialministerium, aber auch mit Unternehmen aus der Region an, mit denen man möglicherweise kooperieren kann. Außerdem muss mit dem Betriebsrat ein Sozialplan erarbeitet werden.

Kümmert sich um die Zukunft der GOAB: Insolvenzverwalterin Petra Heidenfelder.

Der Zeitrahmen sei sehr eng gesteckt, in den nächsten acht Wochen müsse das alles auf die Beine gestellt werden, so Petra Heidenfelder. „Zunächst geht es aber darum, dass der Betrieb der GOAB in ruhigen Bahnen weiterlaufen kann und die vorhandenen Aufträge abgearbeitet werden.“ Zu einer Gesamtbewertung der GOAB, mit ihren aktuell 205 Mitarbeitern in zwölf Einzelbetrieben sei es noch zu früh, sagte die 53-Jährige, die erst Ende der Woche zur Insolvenzverwalterin berufen wurde. Immerhin: Beim Recyclingzentrum ist sie guter Hoffnung, die Sparte verkaufen zu können. Auch der städtische ESO habe daran weiter Interesse. Was die hoch gelobte Ausbildungswerkstatt angeht, wertet sie die in Aussicht gestellte finanzielle Beteiligung der IHK als „sehr, sehr positives Signal“. Zudem gebe es Überlegungen, dass die Arbeitsagentur der GOAB mehr Auszubildende zuweist.

Zwölf Kleininsolvenzen

Befragt nach den Gründen für die Pleite der gemeinnützigen Gesellschaft, hält sich die Insolvenzverwalterin zurück. Es sei nicht schnell genug auf das sich abzeichnende Ausbleiben öffentlicher Gelder reagiert worden, die über viele Jahre geflossen seien. Möglichweise habe man aber auch wegen der Personalstruktur nicht schnell genug reagieren können. Ob Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafter schneller hätten handeln können, wolle sie nicht bewerten, das bringe im Übrigen auch nichts. „Wir schauen jetzt nach vorn.“

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GOAB vor der Insolvenz

Das Besondere an diesem Insolvenzfall sei, sagt die Juristin, dass es sich unter dem Mantel der GOAB um zwölf Betriebsstätten und Projekte handele. „Wir haben da eigentlich zwölf Kleininsolvenzen.“ Hinzu kommt für Petra Heidenfelder die soziale Komponente. Die GOAB sei kein normales Unternehmen, sondern habe auch einen gesellschaftlichen Auftrag. „An diese Insolvenz kann man nicht nur unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten herangehen.“ Zumal die Berufschancen für die Mitarbeiter schwieriger seien als die von Beschäftigen anderer Firmen.

Die vorläufige Insolvenz ist für Heidenfelder auch ein „Ausrufezeichen“ dahingehend, dass sich alle Beteiligten Gedanken über die Zukunft der GOAB machen. Die Beschäftigten hätten bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag die Bereitschaft erkennen lassen, „an einem Strang zu ziehen“. Die Saniererin versprach einen engen Schulterschluss mit der Geschäftsführung des Unternehmens und dem Aufsichtsrat unter Vorsitz von Stadtrat Felix Schwenke.

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