„Betrieb weiter professionalisieren“

Offenbach - Offenbach hat 24 allgemeinbildende und drei berufliche Schulen. Dementsprechend breit gefächert ist die Nachmittagsbetreuung. Seit dem Schuljahr 2010/11 bietet sie jede allgemeinbildende Offenbacher Schule in unterschiedlicher Form an. Von Veronika Szeherova

Beinahe jeder zweite Schüler nutzt die Ganztagsangebote. Das Konzept variiert je nach Einrichtung, Schulform, Klassenzug – und finanziellen Möglichkeiten. Oft sind es Eltern, die die Betreuung nach Unterrichtsende übernehmen. „Das ehrenamtliche Engagement der Eltern stößt an die Grenzen. Wir müssen den Ganztagsbtrieb weiter professionalisieren“, blickt Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß voraus.

An den Grundschulen Humboldt- und Anne-Frank-Schule wird das Betreuungsangebot durch die Fördervereine aufrechterhalten. Geld vom Schulamt gibt es nicht. Die anderen Grundschulen profitieren ebenfalls von der Arbeit ihrer Fördervereine, erhalten aber auch Zuschüsse vom hessischen Kultusministerium. Diese werden entweder als Geldsumme (45 000 Euro im Jahr) oder als zusätzliche Lehrerstelle ausgezahlt. Die Uhlandschule und fünf weitere Grundschulen beteiligen sich am Projekt „Ganztagsklassen“ in Kooperation mit dem Eigenbetrieb Kindertagesstätten (EKO), für das die Stadt jährlich 2,5 Millionen Euro investiert. Der Schultag einzelner Klassen dauert dabei bis 17 Uhr. Unterricht, Entspannung und Freizeit wechseln sich ab. Hausaufgaben gibt es nicht mehr. „Es ist vernünftig und entspricht dem Bedarf, dass man echte Ganztagsschule zunächst in einzelnen Klassenzügen einrichtet“, sagt Weiß.

Um auch an den weiterführenden Schulen Nachmittagsangebote zu realisieren, müssen Voraussetzungen wie Caféteria und Mediathek erfüllt sein. Die Stadt hat im Jahr 2007 ein 250 Millionen Euro umfassendes Schulbau- und Sanierungsprogramm gestartet. Bis 2017 sollten an allen Schulen die baulichen Voraussetzungen für die Ganztagsfähigkeit geschaffen sein. „Diesen Zeitraum werden wir leider nicht einhalten können“, so Weiß. Vor allem an den beruflichen Schulen seien noch viele Arbeiten fällig.

Offenbach „schon überdurchschnittlich weit“

18 Schulen bieten pädagogische Mittagsbetreuung an als Einstieg in die „echte“ Ganztagsarbeit. Dazu gehört ein verpflichtendes Mittagessen und variable Angebote wie Sport, Hausaufgabenhilfe und Förderung. Was so positiv klingt, scheitere aber oft an der Realität. So beobachtete Gerda Günther von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beim jüngsten Treffen des Kreisverbands Offenbach-Stadt, dass viele Eltern von der „unzureichend finanzierten und mit unausgebildeten Hilfskräften arbeitenden Ganztagsschule enttäuscht sind.“

Schiller-, Friedrich-Ebert-, und Fröbelschule mit insgesamt 1 260 Schülern sind Offenbachs drei „echte Ganztagsschulen“ der Sekundarstufe I mit Angeboten von 7.30 bis 17 Uhr, freitags bis 14 Uhr. Daneben gibt es fünf „Modell-Ganztagsschulen“ (Bach-, Edith-Stein-, Geschwister-Scholl-, Ernst-Reuter-, Mathildenschule) – eine Besonderheit in Offenbach, die durch Kooperation mit dem Jugendamt zustande kommt. 2011 standen dafür 276 500 Euro zur Verfügung. In Absprache zwischen Schulen und Jugendamt wird Nachmittagsbetreuung etwa mit Musik-, Sport- und Lernhilfeangeboten entwickelt.

An Bach-, Ernst-Reuter- und Mathildenschule läuft zusätzlich das Projekt KUS (Kooperatives und schülerzentriertes Ganztagsschulprojekt Offenbach). Die Stadt finanziert dort ab nächstem Schuljahr zwei beziehungsweise drei Stellen für Sozialpädagogen.

Nach Weiß’ Ansicht ist Offenbach beim Thema Ganztagsschule „schon überdurchschnittlich weit gekommen. Das haben wir auch den zahlreichen Fördervereinen und freien Trägern zu verdanken.“ Mit dem Angebot reagiere die Stadt auch auf eine besondere pädagogische Herausforderung: Die Hälfte der Schüler hat Migrationshintergrund.

Rubriklistenbild: © Dieter Schütz/pixelio.de

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