Betriebsrat: Es gibt derzeit viel Pulverdampf

Holger Renke

Offenbach ‐ Holger Renke, Betriebsratsvorsitzender am Klinikum in Offenbach, denkt laut nach: „Ja - über die Trennung von Besitz und Betrieb, also der Schuldenschnitt, ist schon diskutiert worden.

Wir wären dann das erste kommunale Krankenhaus in Deutschland mit so einer Regelung.“ Was wäre wenn ...: „Natürlich müsste der Regierungspräsident in Darmstadt zustimmen - aber dann könnte man in Offenbach loslegen, man hätte Zeit gewonnen, um die innerbetrieblichen Strukturen am Klinikum zu ändern, um bessere Ergebnisse zu erzielen“, so Renke. Unsanft katapultiert sich der Betriebsratsvorsitzende beim Gespräch mit unserer Zeitung dann aber eilends in die Realität zurück: „Klar, an dem eigentlichen Übel ändert sich auch dann nichts. Denn der Schuldenberg des Klinikums, inzwischen sind es (so Renke) 275 Millionen Euro, bleibt der Stadt Offenbach erhalten. Welche Therapie hilft dem schwer kranken Krankenhaus? Peter Schulte-Holtey fragte bei Holger Renke nach:

Bleibt jetzt nur der Weg in die Insolvenz?

Formal ist eine Insolvenz natürlich möglich. Allerdings sind die damit verbundenen Risiken sehr hoch und vor allem liegen die Bürgschaften für die bestehenden Kredite weiter bei der Stadt Offenbach.

Was schlagen Sie dann vor?

Wir werden den jetzt vorgelegten Plan der Geschäftsführerin kritisch begleiten. Auch wir glauben, dass die Neuorganisation im OP-Bereich entscheidend sein wird. Vieles liegt im Argen, wir haben Optimierungspotenzial in der Ausnutzung der Operationseinheiten. Wichtig ist auch der Vorstoß, die Chefärzte mehr in die lokale Ärzteschaft einzubinden - sie brauchen bessere Kontakte. Was mich erzürnt: Schon vor vier Jahren haben wir durch ein Gutachten mit Zahlen aus dem Krankenhaus herausgefunden, dass überdurchschnittlich viele Patienten in Offenbach und der Umgebung von den örtlichen Medizinern nicht ins Stadtkrankenhaus, sondern in Frankfurter Kliniken überwiesen wurden. Doch darauf hat die damalige Geschäftsführung nicht reagiert. Jetzt bringt Frau Mecke-Bilz das Thema wieder auf die Tagesordnung.

Apropos Chefärzte: Einige sind ja anscheinend in heftigste Diskussionen mit der Geschäftsführung und den Beratern von McKinsey verwickelt ...

Es gibt derzeit viel Pulverdampf, lange Zahlenreihen werden vorgelegt. Es bleibt dabei, dass auch die Chefärzte die Aufgabe haben, mehr Patienten ins Krankenhaus zu bekommen. Und natürlich sollte hinterfragt werden, ob einzelne Chefarztverträge nicht zu langfristig abgeschlossen wurden - und ob wir am Klinikum wirklich vier medizinische und vier chirurgische Kliniken benötigen.

Stichwort Personalabbau. Was sagen Sie den 2700 Mitarbeitern?

Derzeit ist ein Sanierungstarifvertrag kein Thema. Und wir begrüßen es, dass nicht nach dem Sensenprinzip vorgegangen wird. In den nächsten drei Jahren sollen noch etwa 210 Stellen wegfallen, ohne betriebsbedingte Kündigungen. Wir werden Anfang 2012 mit der Geschäftsleitung weiter über eine Betriebsvereinbarung verhandeln, die interessierten Kolleginnen und Kollegen, die Möglichkeit eines vorzeitigen Ausscheidens ermöglicht. Ganz wichtig sind Mindeststandards bei den Abfindungen. Mit Hilfe eines moderneren EDV-Systems und durch Organisationsveränderungen kann es im Klinikum gelingen, eine durch den Stellenabbau drohende weitere Arbeitszeitverdichtung zu verhindern. Als Betriebsrat werden wir alle Maßnahmen genau unter die Lupe nehmen.

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