Vandalismus und Versicherungsbetrug

Großbetrug in Offenbacher Autohaus

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Offenbach - Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen leitende Angestellte der BMW-Filiale am Offenbacher Spessartring. Der Vorwurf: Betrug im großen Stil. Von Ralf Enders

Sie sollen durch fingierte Beschädigungen an hunderten Autos das Mutterunternehmen BMW Group und dessen Versicherungen um einen Millionenbetrag geprellt haben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Presseerklärung gestern mitteilten, richtet sich der Vorwurf bislang gegen fünf Mitarbeiter des Autohauses, die vorwiegend in leitenden Positionen tätig waren. Die Offenbacher Filiale, die zur BMW-Niederlassung Frankfurt gehört, sei gestern auf der Suche nach Beweisen gründlich durchsucht worden. Auch in den Privathäusern und -wohnungen der fünf Beschuldigten hätten die Ermittler nach Unterlagen gesucht. Was dabei herausgekommen sei, stehe allerdings noch nicht fest. Die Auswertung, so Polizeisprecher Henry Faltin, werde noch einige Zeit dauern.

Fast den ganzen Tag befragte die Polizei gestern die Mitarbeiter am Spessartring, die in zwei Schichten arbeiten. Ob dabei weitere Verdächtige ins Visier geraten sind, konnte Faltin noch nicht sagen. Auch was die Ermittlungen ursrpünglich ausgelöst hat und wie man den vermeintlichen Betrügern auf die Schliche gekommen ist, wollen die Ermittler noch nicht mitteilen.

Schaden von 500.000 Euro bei Versicherungen

Der Betrug ist nach Darstellung von Polizei und Staatsanwaltschaft so abgelaufen: Zwischen Juni 2011 und Juli 2012 wurde auf dem Gelände der Filiale an insgesamt 173 Fahrzeugen der Lack erheblich zerkratzt. 136 firmeneigene Neuwagen und 37 Autos von Kunden seien in diesen 13 Monaten in fünf Nächten beschädigt worden. Die Ermittler vermuten, dass die Beschuldigten für das Zerkratzen über Mittelsmänner teilweise Jugendliche angeheuert haben. Zudem seien im Nachhinein wohl noch weitere Schäden an den Fahrzeugen mutwillig verursacht worden. Gesamtschaden: 1,5 Millionen Euro.

Ihren Profit zogen die Auftraggeber den Ermittlern zufolge aus der „erheblichen Differenz“ zwischen den für die Versicherungen angegebenen und den tatsächlichen Reparaturkosten. Solche Vandalismusschäden in den Niederlassungen werden bei der BMW Group in München eingereicht, die die entsprechenden Versicherungen dafür hält. Um 500.000 Euro seien die Versicherungen geschädigt worden.

Und: Die Beschuldigten hätten gleich noch einmal Kasse gemacht, und zwar durch diverse Bonus- und Prämienzahlungen für hohe Umsätze, die sie durch die Beschädigungen ja selbst inszeniert hätten. Polizei und Staatsanwaltschaft betonen, dass das Gesamtunternehmen BMW Group während der Ermittlungen „sehr große Unterstützung“ geleistet habe. Der konzerneigene Ermittlungsdienst habe zudem noch gestern arbeitsrechtliche Schritte gegen die Verdächtigen eingeleitet.

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