Betrug mit falschen Inseraten in Internet-Portalen 

Die Masche mit der Vorkasse

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Die meisten Angebote in Wohnungsportalen sind – so wie dieses - seriös. Doch die Zahl der betrügerische Anzeigen steigt.

Offenbach - Online-Plattformen für Immobilien sind äußerst erfolgreich. Das machen sich aber auch Kriminelle zunutze. Immobilienscout & Co. warnen ebenso wie die Polizei vor getürkten Inseraten, mit denen Wohnungssuchende oder Hauskäufer abgezockt werden sollen. Von Frank Pröse 

Der Anruf kommt unvermittelt: „In ihrer Nachbarschaft wird ein Haus verkauft. Wissen Sie etwas darüber und kennen Sie eine Frau Meurer?“ Ob der ungeklärten Frage, wie der Anrufer an die Privatnummer gekommen ist, die völlig perplexe Antwort: „Nein, wir haben keine Ahnung!“ Dann wird der Anrufer verärgert weggedrückt. Im Anschluss nimmt die Diskussion in der Familie Fahrt auf. Eine Mutmaßung: Der Fremde kann die Festnetznummer nur aus einem alten Telefonbuch haben. Dort ist auch noch die alte Wohnadresse festgehalten. In diesem Umfeld kann ja durchaus eine Immobilie zum Kauf stehen. Merkwürdig bleibt die Anfrage jedoch schon.

Tags darauf kommt mehr Licht ins Dunkel, richtig erhellend wird es aber nicht. Auslöser ist die Information aus der Bekanntschaft, dass das frühere Domizil unter Immobilienscout24.de zum Verkauf steht. Der Blick ins Internet ist ernüchternd, werden doch die Fotos und Angaben für eine Vermietungsofferte von vor zwei Jahren jetzt für den angeblichen Verkauf zweckentfremdet. Das frisch offerierte Reihenhaus ist aber vermietet und steht nicht zum Verkauf. Den protestierenden Besitzer lassen die Manager des Internetportals vorerst einmal abblitzen. Soll er doch erst einmal nachweisen, dass er Eigentümer der Immobilie ist. Von den Inserenten wurde das freilich nicht verlangt…

Bleibt die Frage, wie der Betrug mit falschen Inseraten zu Geld gemacht wird. Nach der Recherche im Internet ist klar: In der Regel wird Vorkasse verlangt. Bevor es dann aber zur angeblichen Besichtigung der Immobilie kommt, werden die Interessenten aufgefordert, einen Geld-Betrag für Miete und/oder Kaution per Western Union zu überweisen. Das Geld fließt dann meist ins Ausland.

Eine andere und bei Betrügern sehr beliebte Methode ist der Schlüsseltrick. Nimmt ein Interessent Kontakt zum angeblichen Vermieter auf, wird behauptet, eine Besichtigung sei nicht möglich, zum Beispiel, weil der Vermieter im Ausland lebt. Es wird vorgeschlagen, den Wohnungsschlüssel gegen eine Kautionszahlung zu schicken. Die Zahlung soll mit Transferdiensten wie Western Union oder einem Treuhandservice erfolgen, bei denen sich die Spur des Geldes nicht nachvollziehen lässt.

Die Tricks der Daten-Hacker

Für die Offenbacher Polizei ist diese Masche nichts Neues: „Diese Variante des Vorkasse-Betrugs ist bei unseren Fachkommissariaten bereits hinreichend bekannt. Es handelt sich hierbei um ein Vorgehen, wie man es bereits in Zusammenhang mit betrügerischen Fahrzeugangeboten auf Kfz-Verkaufsplattformen oder bei Angeboten für Ferienwohnungen kennt“, sagt Polizeisprecher Rudi Neu. Um Seriosität bei den Interessenten vorzugaukeln, werde oftmals ein professioneller Makler-Account optisch kopiert, von dem aus man die Angebote einstelle. In einigen Fällen würden auch Kopien von Personaldokumenten tatsächlich existierender Personen übermittelt, die aber mit der eigentlichen Tat nichts zu tun hätten, so der Polizeisprecher.

Die Wohnungsportale stehen der Flut an betrügerischen Anzeigen ziemlich machtlos gegenüber. Um die tausend Fälle sind es jede Woche, heißt es. Und auch die Polizei hat kaum Möglichkeiten. Denn die anonymen Täter bleiben im Ausland fast immer unerreichbar. Gefasst werden konnte bislang niemand, nicht einmal die genaue Zahl der Opfer ist bekannt.

Tipps: So fallen sie nicht auf den Enkeltrick rein!

Im Kreis Offenbach versuchen Betrüger im Moment, Bürgern mit Amazon-Gutscheinen Geld aus der Tasche zu ziehen. Bei einem bestimmten Anrufer sollten Sie sofort auflegen.

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