Betrug mit gefälschter Überweisung

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Offenbach - Die effektivste Gaunerei läuft heutzutage über das Internet oder den Geldautomaten. Allein das sogenannte „Phishing“, das heimtückische Ausspähen von Kontendaten und Passwörtern mithilfe von Trick-E-Mails, bringt Millionenbeute. Von Thomas Kirstein

Nicht weniger einträglich ist das in einfallsreicher Vielfalt entwickelte Manipulieren von Geldkartengeräten.

Es gibt sie aber auch noch, die traditionellen Fälscher, die per Hand Unterschriften imitieren. Seit etwa drei Monaten sind wieder welche aktiv, möglicherweise eine Bande. Werner Kerpen, Chef des für Betrug zuständigen Offenbacher Kommissariats 23, weiß von mehr als 20 Fällen: „Momentan habe wir eine auffällige Steigerung.“

„Fast täuschend echt“

Dieser Tage wäre der Offenbacher Weinhandlung Berdux fast ein stattlicher Betrag abhanden gekommen. Ein Unbekannter fälschte die handschriftliche Signatur von Mitinhaber Friedrich Pusch auf einer Europa-Überweisung. „Fast täuschend echt“, sagt Firmen-Senior Walter Berdux. Das Formular landete im Briefkasten der Sparkasse: 10.000 Euro sollten auf ein Konto in Thailand gehen. „Wir hätten das sicher selbst gemerkt und eine Rückbuchung veranlasst“, meint Berdux, „aber auch wenn kein Schaden entstanden wäre, bedeutet so etwas immer einen Aufwand.“ Da er richtig gehört hat, dass dieser Versuch kein Einzelfall gewesen sei, will er andere warnen.

Bei der Sparkasse ist die betrügerische Überweisung jedoch gleich in der ersten Instanz hängen geblieben. Eine Mitarbeiterin fragte bei der Weinhandlung an der Berliner Straße nach, ob denn der Thailand-Auftrag mit rechten Dingen zugehe.

Formulare über den Briefkasten

So sei das generelle Praxis, versichert Sparkassen-Sprecher Lothar Brell. Die „beleghafte Überweisung“ mache heute nur noch 0,01 Prozent aller Vorgänge aus. Da könne intensiv geprüft werden, wenn Formulare über den Briefkasten eingehen. Bei persönlichem Erscheinen werden Legitimationen verlangt, nicht nur, wenn es sich um so hohe Beträge wie im Fall Berdux handelt. Es sei denn, der Einreicher ist dem Sachbearbeiter am Schalter bekannt. Brell hält die handschriftliche manipulierte Überweisung für einen „altertümlichen Sonderfall, bei dem jemand stümperhaft geübt hat“.

Kriminalist Kerpen ist nicht ganz so überzeugt von undurchdringlichen Kontrollmechanismen auch der regionalen Geldinstitute. Sicher, wenn es sich um größere, also sechs- bis sogar siebenstellige Beträge handele, scheiterten die Versuche meist sehr früh. Vier- oder fünfstellig gehe aber schonmal durch, verrät der Erste Kriminalhauptkommissar.

In solchen Fällen ist die Rechtsprechung auf Kundenseite: Banken müssen grundsätzlich wegen gefälschter Überweisungen abgebuchtes Geld zurückerstatten, urteilte das Oberlandesgericht Koblenz (Az. 2 U 116/09).

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