Zwei Jahre Bewährung für 73-Jährigen

Mit gefälschten Quittungen Krankenkasse erleichtert

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Offenbach - Weil er mit gefälschten Rechnungen seine Krankenkasse um zirka 80.000 Euro erleichtert hat, verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck einen 73-jährigen Offenbacher zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Seine ebenfalls angeklagte Ehefrau wurde dagegen freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklageschrift zunächst von einer weit größeren Dimension des Abrechnungsbetrugs ausgegangen: Sie legte dem Ehepaar zur Last, seit dem Jahr 2006 in fast 200 Fällen gefälschte Rechnungen eines Heilpraktikers bei der privaten Krankenkasse vorgelegt und diese so um etwa 130.000 Euro geschädigt zu haben.

In der Hauptverhandlung stellte sich nach Überzeugung des Gerichts heraus, dass der Mann in 96 Fällen die Versicherung betrogen hatte, wobei er 80 000 Euro erlangte. Das Geld ging auf ein Konto des Schwagers des Angeklagten, der es immer in bar abhob. Die Eheleute hatten jedoch auch eine Vollmacht für dieses Konto.

Betrugsmasche und Ehefrau

Wer die Rechnungen der Ehefrau einreichte, konnte indes nicht geklärt werden. Denn die Krankenkasse verlangte bei Einreichung der Quittungen keine unterschriebenen Anträge. Das Gericht schloss deshalb nicht aus, dass der 73-Jährige ohne Kenntnis seiner Gattin gehandelt hatte.

Weil die Betrugsmasche Kenntnisse im Abrechnungswesen eines Heilpraktikers verlangte, dieser aber nach Ansicht des Gerichts nicht in die Fälle verwickelt war, lag es für das Schöffengericht nahe, dass der Angeklagte mit seiner ehemaligen – inzwischen verstorbenen – Sekretärin zusammengearbeitet hat. Nachdem er mit seiner kleinen Firma pleite gegangen war, hatte er die Frau an den Heilpraktiker vermittelt, der sie auch anstellte. Zusammen mit ihrem Ex-Chef, so das Gericht, könnte sie auf die Idee gekommen sein, die Krankenkasse zu schädigen, damit ihr Ex-Arbeitgeber finanziell wieder etwas auf die Beine kam.

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Für eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung sprach nach Ansicht des Schöffengerichts der Umstand, dass der Angeklagte mittlerweile 20 000 Euro zurückgezahlt hat und die Versicherung sich in einem Vergleich damit zufrieden gab. Hinzu kommt, dass der Angeklagte schwer herzkrank ist. Der 73-Jährige legte Berufung gegen das Urteil ein und hofft auf einen Freispruch in zweiter Instanz. Genährt wird diese Hoffnung durch die Staatsanwaltschaft, die am Ende auf Freispruch für die Eheleute plädiert hatte.

mad

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