Betrug oder nicht?

Mit Probefahrten stets mobil

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Offenbach - Es ist eine jener Geschichten, die man leicht in die Tradition der Lügengeschichten einordnen würde – irgendwie so absurd, dass sie unmöglich wahr sein kann.  Von Martin Kuhn

Es ist die Geschichte eines Mannes, nennen wir ihn an dieser Stelle mal G., den einige vielleicht als Betrüger, andere wiederum als Filou bezeichnen würden.

In Zeiten der papierlosen Kommunikation ist die elektronische Nachricht schnell verteilt, die auf Schreibtischen regionaler Autohäuser liegt. „Achtung!“, heißt es da. Angehängt sind Fahrerlaubnis und Personalausweis des Mannes, von dem behauptet wird: „Dieser Kunde betrügt sämtliche Autohäuser.“

Und zwar mit einer Masche, die ein persönliches Carsharing der besonderen Art darstellt. Der Kunde unterschreibt Kaufverträge und macht Probefahrten, „aber letztlich kommt es nicht zum Kauf“. Dafür dehnt er die Probetour aus – zwei, drei Tage. Mitunter treibt er’s auf die Spitze. „Der geliehene Wagen ist ihm plötzlich doch zu klein. G. überlegt, eine höherpreisige Variante zu kaufen, und das Ganze beginnt von vorn“, berichtet ein Offenbacher Verkäufer, der nicht namentlich genannt sein möchte. Damit kein Datenabgleich mit einer Bank nötig wird, verspricht er Barzahlung.

„Wenn er auftaucht, ruft direkt die Polizei“

Der Händler hat besagte E-Mail von Kollegen erhalten, in der geraten wird: „Wenn dieser Kunde bei euch auftaucht, ruft direkt die Polizei.“ Im April soll G. von der Polizei in der Mainmetropole festgenommen worden sein. Tags drauf war er schon wieder in einem Autohaus unterwegs und machte weiter mit seiner Masche – „unter einem anderen Namen“, heißt es. Für einige Autohändler ein Unding: „Das kann doch alles nicht wahr sein!“, empört sich einer.

Bei der Offenbacher Polizei existiert jedenfalls „keine korrespondierende Anzeige“. Nach Rücksprache mit dem Betrugskommissariat sagt Sprecher Henry Faltin: „Es scheint fraglich, ob überhaupt ein Betrug vorliegt.“ Heißt: Fahrzeuge zum Probefahren abzugeben gilt als übliches Geschäftsgebaren. Daraus eine Betrugsabsicht abzuleiten, dürfte sehr schwierig bis unmöglich sein. So müsste wohl bewiesen werden, dass von Anfang an keine Kaufabsicht vorliegt.

Ein Anwalt, dem der Fall dieser speziellen Probefahrt geschildert wird, verneint zunächst: „Kein Betrug.“ Und wenn G. so immer wieder an kostenlose Leihwagen gelangt? „Das wäre Vorsatz. Also: Betrug.“ Um G. zu stoppen, müssen der Polizei aber zunächst Anzeigen vorliegen. Solange geht sein ganz spezielles Probefahren wahrscheinlich weiter. Denn mit potentiellen Kunden verdirbt es sich kein Autohaus gern...

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