Bewährung für Kindesmissbrauch

Offenbach ‐ Hätte Paul B. den elfjährigen Jan (Namen geändert) erst vor einem Jahr sexuell missbraucht, wäre er gestern als Untersuchungshäftling in den Gerichtssaal geführt worden und als regulärer Häftling wieder hinaus. Von Marcus Reinsch

Dass der Obertshausener stattdessen als freier Mann vor das Offenbacher Schöffengericht trat und auf fast ebenso freiem Fuß wieder gehen durfte, das muss er als „Glück in vielfacher Hinsicht“ würdigen.

So beschied es ihm die Vorsitzende Richterin Gabriele Reutter-Schwammborn bei der Verkündung des Urteils. Zwei Jahre auf Bewährung für in vier von sieben Fällen schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes, das wäre nach heutiger Rechtsprechung „nicht möglich“, sagte sie. B.s Taten aber liegen zwischen sieben und neun Jahre zurück. Und nach dem damals gültigen und somit gestern ausschlaggebenden Gesetz wurde beispielsweise Oralverkehr mit Kindern noch nicht als „beischlafähnliche Handlung“ bestraft.

B., der seine homopädophile Neigung damals schon kannte, hatte Jan vor zehn Jahren bei der Kerb auf dem Hausener Festplatz kennengelernt. Der Angeklagte gewann das Vertrauen des 1990 geborenen Jungen und seiner Familie schnell. Fußballspielen, Hilfe bei den Hausaufgaben, Angeln; der Kontakt wurde häufiger, intensiver. Und dann strafbar.

Der Täter ist nun seit drei Jahren in Behandlung. Und er wird es bleiben. So wolle er es, versicherte er vor Gericht, und so verlangt es auch seine Bewährungsauflage. Sein Therapeut stellte ihm gestern ebenso wie der Gerichtsgutachter eine positive Prognose - solange er nicht versuche, mit seinem Problem ganz alleine fertig zu werden.

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