Ehemalige Manager und Vorstände von MAN Roland verurteilt

Bewährungsstrafen im Schmiergeld-Prozess

Offenbach - Um die zehn Jahre ist es her, dass beim einstigen Unternehmen MAN Roland Druckmaschinen, Vorgänger der 2011 in die Pleite gerutschten manroland AG, Schmiergeld-Tranfers über insgesamt vier Millionen Euro zum Geschäftsverkehr gehörten. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Jetzt sind für sechs ehemalige leitende Mitarbeiter und Vorstände des auf die Standorte Augsburg, Offenbach und Plauen verteilten Unternehmens die Urteile in einem Prozess um Bestechung und Untreue gefallen: Nach vier Verhandlungstagen sprach die 18. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt alle Angeklagten schuldig. Was nicht überraschend kam, denn gleich am ersten Prozesstag waren Rechtsgespräche geführt worden, bei denen man die Strafzumessungen unter der Voraussetzung der Geständigkeit ausgehandelt hatte. Die damaligen Verkaufs- und Vertriebsleiter Georg Sp. (61), Alwin St. (53), Klaus J. (67), Dirk R. (41) sowie die Ex-Vorstände Bernhard B. (58) und Gerd F. (58) – sie alle hatten ihre Stammbüros Augsburg und Plauen – erhalten allesamt Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und 23 Monaten. Zusätzlich verhängt der Vorsitzende Richter Thomas Hanke Geldauflagen. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Damit folgt Richter Hanke weitgehend den Forderungen von Oberstaatsanwältin Kerstin Lotz.

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Der einstige Vorstandsvorsitzende Gerd F. erhält mit einem Jahr und elf Monaten die höchste Haft- und mit 35.000 Euro die höchste Geldstrafe. Er hatte einen Tatbeitrag lange abgestritten, im Prozess gestand er dann schließlich doch als letzter der sechs Angeklagten, von den unlauteren Vorgängen gewusst zu haben. Die vergleichsweise milden Urteile sind gleich mehreren Punkten geschuldet, die allen Angeklagten von der Strafkammer zugute gehalten wurden: Sie sind nicht vorbestraft, sie steckten sich kein Geld in die eigene Tasche, der Druckmaschinenhersteller war damals schon schwer angeschlagen und die Taten liegen mindestens neun Jahre zurück. Was aber nicht heißt, dass auf der Minusseite nichts zu vermerken wäre. Oberstaatsanwältin Lotz: „Hier wurde eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt. Es ging um hohe Auftragswerte, die mithilfe der Schmiergelder an MAN Roland gingen, der Tatzeitraum war lang, die Ausführung sorgfältig und gemeinschaftlich.“

Von 2005 bis 2007 war es offenbar gängige Geschäftspraxis, den Zuschlag für millionenschwere Druckmaschinenaufträge nicht durch das beste Angebot im Wettbewerb, sondern durch Schmiergeldzahlungen zu bekommen. Eine Vertriebstochter in Lausanne diente einzig dem Zweck, diese Gelder in bar freizusetzen. Insgesamt knapp über vier Millionen Euro flossen auf das Schweizer Bankkonto der Tochterfirma, die dafür zuvor von den Vertriebsleitern beauftragte Scheinrechnungen an das Mutterunternehmen für nicht erbrachte Beraterleistungen gestellt hatte. Die Insolvenz konnte diese Praxis, welche die Angeklagten laut Gericht „zum Wohle der Firma“ nutzten, aber auch nicht abwenden.

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Rubriklistenbild: © dpa

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