Nicht schneller, höher, weiter

Bewegungstag an der Schillerschule

+
Mit voller Wucht dagegen: Das Beachvolleyball-Feld auf dem Pausenhof der Schillerschule eignet sich hervorragend für das Rugby-Training. Beim Sportsfun Teamday können die Schüler auch ausgefallenere Sportarten ausprobieren.

Offenbach - Auf dem Pausenhof der Schillerschule treten zwei Jungen im Radfahren auf einer zehn Meter langen Strecke gegeneinander an. „Auf die Plätze, fertig, los!“, ruft der eine. Von Sarah Neder 

Doch anstatt in die Pedale zu treten und von der Stelle zu schießen, bewegen sich die Räder im Schneckentempo voran – so langsam, dass sie fast umfallen. Es dauert einige Sekunden, bis der Erste im Ziel ankommt, aber es reicht nicht, den Rekord von Vincent aus der 6d mit 44,25 Sekunden zu knacken. Er ist mit Kreide neben der Strecke verewigt.

„Es geht darum, die Strecke so langsam wie möglich zu bewältigen. Das ist ein echter Balance-Akt“, erklärt Martin Weingart von der Sportjugend Hessen. Er hat zusammen mit Lehrer Christian Datz den Sportsfun Teamday an der Schillerschule organisiert. 965 Kinder und Jugendliche toben an mehr als 30 Einzelstationen über den Pausenhof der integrierten Gesamtschule. „Dabei geht es nicht immer um höher, schneller, weiter“, verrät Weingart. Anders als im Regelunterricht können sie auch ausgefallenere Sportarten testen, etwa in einem Netzkäfig den Baseballschläger schwingen, wie beim Rugby einen Sandsack umrennen oder beim sogenannten Cupstacking so schnell wie möglich bunte Plastikbecher stapeln. „Für jede besuchte Station bekommen die Schüler Aktivitätspunkte. Wir geben ihnen pro Punkt ein Streichholz, das sie an der Auswertungstheke abgeben“, sagt Datz.

Als Ansporn kürt die Schule am Ende des Sporttags die Klasse, welche die meisten Streichhölzer gesammelt hat. Der Sportspaß, so Datz, bilde aber nur die eine Hälfte. Es gibt außerdem neun Teamstationen, an denen die ganze Klasse ran muss. „Die Aufgaben sind so gestellt, dass der Einzelne sie nicht lösen kann“, so Weingart. Etwa beim „Giftigen Kelch“: Da gilt es einen mit Wasser gefüllten Becher auf einer Plane durch einen Hindernisparcours zu transportieren, ohne dass Flüssigkeit aus dem Gefäß schwappt. Um das zu meistern, müssen alle Schüler die Plane straff halten. „Die Kinder erkennen dabei, dass sie nur als Team gut sind“, ist Lehrer Datz sicher. Ihm ist vor allem wichtig, dass die jüngsten Schüler von den Gruppenstationen profitieren: „Die sechs neuen fünften Klassen wurden aus den Grundschulen ganz Offenbachs zusammengewürfelt. Der Sportsfun Teamday hilft ihnen, sich besser kennenzulernen.“

Einschulung 2014 in Offenbach

Einschulung 2014 in Offenbach

Aber auch die Älteren bringen sich in die große, von der Offenbacher Sparkasse gesponserte, Sportparty ein. Neben 90 Lehrern und fünf Trainern der Sportjugend helfen sie Ergebnisse einzutragen oder feuern die Kleineren an. „Die Verantwortung, die die Großen übernehmen, steigert ihr Selbstbewusstsein ungemein“, ist Teamtrainer Weingart überzeugt. Christian Datz pflichtet ihm bei: „So kurz vor den Abschlussprüfungen können die das brauchen.“ An der Kletterstation helfen gleich drei Schüler der zehnten Klasse. Bei dieser Aufgabe steckt ein Schüler in einem Klettergeschirr, an dem zwei Sicherungsseile angebracht sind. Durch abwechselndes Ziehen an den Seilen steuert die restliche Klasse Höhe und Richtung des Schülers, der den aufgezeichneten Parcours ablaufen muss. Die Gruppe, die das am schnellsten schafft, gewinnt ein Extra-Teamtraining mit einem Erlebnispädagogen der Sportjugend.

Kommentare