Beweis-Puzzle gegen Taxibande ist komplett

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Vor allem die Kleincomputer, über die Taxifahrer ihre Aufträge von der Zentrale bekommen, fielen den Dieben in die Hände.

Offenbach - In Sachen Aufklärungsquote ist dieser Juli ein märchenhafter Monat für Offenbachs Polizei. Von Marcus Reinsch

Nachdem die Fahnder vergangene Woche zwei Jugendliche schnappten, die fünf Raubüberfälle auf Seniorinnen auf dem Kerbholz haben sollen, gibt es jetzt auch zur Serie von mindestens elf Taxi-Aufbrüchen mutmaßliche Täter. In dringendem Tatverdacht stehen zwei 18 Jahre alte Offenbacher. Einer von ihnen soll außerdem zwei Überfälle zusammen mit einem 16-Jährigen begangen haben, dem die Ermittler insgesamt fünf Diebstähle vorwerfen.

Zwischen dem 30. Januar und 4. Juli waren Offenbacher Taxichauffeure ein knappes Dutzend mal Opfer eines besonders miesen Tricks geworden: In allen Fällen hatte ein Mann bei der Vermittlungszentrale angerufen und Mietdroschken zu etwas abseits gelegenen Adressen geordert. Dort angekommen, konnten die Taxifahrer allerdings keinen Fahrgast entdecken. Sie stiegen also aus, verschlossen ihre Autos, suchten in der Umgebung und auf den Namensschildern oft riesiger Klingeltafeln nach ihrem Auftraggeber. Statt diesem fanden sie wenig später ihre Taxis mit eingeschlagener Scheibe und ohne Geldbörsen, Handys und Navigations- und Funktechnik wieder. Unbekannte hatten die Abwesenheit der Fahrer effektiv genutzt.

In einem Fall allerdings beobachtete eine Zeugin die Täter von ihrem Balkon aus. Ihre Hinweise führten die Polizei zum ersten Tatverdächtigen. Den zweiten schnappte Taxizentralen-Chef Addy Wehner selbst. Als ihm ein Anrufer verdächtig vorkam, verfolgte er seinen eigenen Fahrer, beobachte, wie der an der Abholadresse seinen Kunden suchte und wie derweil zwei Männer die Taxe knacken wollten. Wehner griff zu, erwischte einen der Ganoven, musste den anderen entkommen lassen. Problem: Der beherzte Einsatz reichte zwar für Ärger für den von der Polizei als Mehrfach- und Intensivtäter geführten, bei der Vernehmung schweigsamen und letztlich wieder auf freien Fuß gesetzten Ertappten. Aber nicht als Beweis für seine Beteiligung an der Aufbruchsserie.

Eingeräumt, was nicht zu leugnen war

Die Ermittler blieben dran, fanden weitere Indizien für die Täterschaft der beiden Verdächtigen. Und am Freitag vergangener Woche war die Zeit reif für Besuche mit richterlichen Durchsuchungsbeschlüssen. Einen der 18-Jährigen fanden die Beamten in seiner Wohnung, den anderen im Gelnhausener Jugendknast, wo er seit Mitte Juli wegen anderer Taten sitzt. In seiner Zelle stießen die Polizisten schließlich auf das - im gestrigen Polizeibericht nicht näher definierte - letzte fehlende Puzzleteil des Falls. Angesichts des Fundes legte der 18-Jährige ein Geständnis ab, verlangte einen Anwalt, kündigte weitere Offenbarungen an und benannte als Komplizen den bereits bekannten Mehrfach- und Intensivtäter. Auch der hat mittlerweile eingeräumt, was sowieso nicht mehr zu leugnen war.

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Quasi als Ermittlungsbonus sieht das Raubkommissariat fünf weitere Fälle als geklärt an. Darunter zwei Überfälle, bei denen es ein 16 Jahre alter Offenbacher und der noch nicht eingesperrte Taxi-Knacker vor allem auf Handys abgesehen haben sollen. Bei weiteren Überfällen und Diebstählen wechselten ein Laptop und eine Goldkette den Besitzer. Die Ermittlungen dauern an.

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