Seit fünf Wochen

Ärger ist groß: Wohnungsgesellschaft lässt Mieter nach Blitzeinschlag hängen

Bewohner Patrick Faul ist sauer: Seit fünf Wochen ist die Klingelanlage in dem Mehrfamilienhaus an der Neusalzer Straße kaputt.
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Patrick Faul ist sauer: Seit fünf Wochen ist die Klingelanlage der Wohnungen in dem Mehrfamilienhaus in Offenbach kaputt.

Vor fünf Wochen zerstört ein Blitz die Klingelanlage eines Wohnungsblocks in Offenbach. Die Untätigkeit der Wohnungsgesellschaft macht den Mietern Probleme.

Offenbach – „Erst wurde es gleißend hell, dann gab es einen Riesenschlag und plötzlich war alles aus“, erinnert sich Patrick Faul an das Gewitter am 5. Mai. Ein Blitzschlag trifft damals den Wohnblock an der Neusalzer Straße. Klingeanlage und zahlreiche Sat-Receiver sind hinüber. „Der Blitz hat die ganze Technik regelrecht gegrillt.“ Die Anwohner melden den Schaden sofort der zuständigen Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte (NHW). „Ich dachte damals noch, dass das keine große Sache wird“, sagt Faul. „Aber da sind wir eines Besseren belehrt worden.“

Seit fünf Wochen leben die Menschen dort nun ohne funktionierende Klingel und Gegensprechanlage. „Das ist wirklich ein gewaltiger Einschnitt“, sagt der 40-Jährige. „Gerade in der aktuellen Pandemiesituation sind wir alle auf die Paketdienste angewiesen.“ Aber die könnten ja nicht mal auf sich aufmerksam machen, wenn sie vor dem Haus stehen.“ Also würden die Pakete vor die Tür oder ins Treppenhaus gestellt. „Zweimal ist so schon eines weggekommen.“

Andere Bewohner lassen deshalb die Haustüre offen. „Aber das ist ja auch keine Lösung“, regt sich Faul auf. „So kann ja jeder ins Haus.“ Andere haben in ihrer Verzweiflung die Handynummer mit der Bitte um einen Anruf an der Haustür hinterlassen.

Wohnungen in Offenbach seit Wochen ohne Klingel: „Bodenlose Frechheit“

Besonders leiden in dem Haus jedoch die alten Bewohner. „Meine Nachbarin ist alt und geht am Rollator“, sagt Patrick Faul. Sie sei auf Essenslieferungen und auch den Pflegedienst angewiesen. „Die arme Frau wartet jetzt jedes Mal am offenen Fenster und wirft den Leuten dann ihren Schlüssel runter, denn auch der Drücker funktioniert ja nicht.“

Doch anstatt die Klingelanlage schnell auszutauschen, lässt sich die Heimstätte Zeit. „Ich rufe dort ständig an und beschwere mich“, sagt Faul. Jedes Mal werde er dort vertröstet – und offensichtlich auch belogen. „Ich habe mehrmals gesagt bekommen, dass die Ersatzteile bestellt seien“, schildert Faul die Situation. „Aber als ich dann mit den zuständigen Technikern vor Ort gesprochen habe, wurde mir gesagt, dass das gar nicht stimmt.“ Vielmehr wolle die Nassauische Heimstätte erst mal abwarten, ob die Versicherung den Blitzschaden übernehme, versichern die Techniker Patrick Faul.

„Wenn das wirklich stimmt, ist das eine bodenlose Frechheit“, sagt Faul. „Das ist eine riesige Gesellschaft. Mir kann doch keiner erzählen, dass die nicht genug Geld flüssig haben, um eine neue Klingelanlage einzubauen.“

Offenbach: Mieter bekommen Entschädigung

Als die Redaktion Heimstätten-Sprecher Frederik Lang mit dem Fall konfrontiert, gibt es auf einmal doch eine Lösung. Er kündigt an, sofort ein Provisorium installieren zu lassen. Jedoch sei wegen des schweren Schadens nicht garantiert, dass es störungsfrei funktioniere.

Wie es zu der Verzögerung gekommen ist, erklärt Lang so: Die komplette Elektrik inklusive Klingel und Türöffner seien beschädigt. „Damit war von Anfang an klar, dass die Reparatur aufwendig wird“, sagt Lang. Er bestätigt, dass das zuständige Servicecenter den Schaden der Versicherung gemeldet, diese aber nur eine zu niedrige Kostenfreigabe erteilt habe. „Aus diesem Grund hat die NHW in der Zwischenzeit die Reparatur beziehungsweise den Austausch beauftragt“, versichert Lang.

Da Ersatzteile für die alte Anlage schwierig zu beschaffen seien, würde eine neue Anlage installiert. „Auch hier stellte sich allerdings heraus, dass nicht alle Teile sofort lieferbar sind“, erklärt er. Dies hänge, neben Corona, auch mit der derzeit schwierigen Beschaffungssituation von Bauteilen zusammen. Lang: „Die NHW entschuldigt sich bei den Mieterinnen und Mietern für die Unannehmlichkeiten. Rückblickend muss man sagen, dass der Austausch der Anlage früher hätte beauftragt werden können.“ Und auch eine Entschädigung verspricht er: Alle Mieter sollen zehn Prozent Nachlass auf eine Monatsmiete im Juli oder August erhalten. (Christian Reinartz)

Überbelegung, Verwahrlosung: In manchen Häusern in Offenbach liegt einiges im Argen. Zwei Mieter eines Hauses in der Wilhelmstraße haben sich an unsere Zeitung gewandt.

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