Bewunderung für Wladi

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Manche Straße im Neubaugebiet „An den Eichen“ führt noch ins Nichts - das aber gut beleuchtet und mit Pergolen-Gang dekoriert.

Offenbach ‐ Früher machten Autofahrer, die durch den Lohwald fuhren, nicht selten die Knöpfchen runter und hielten nicht an. Der soziale Brennpunkt im Osten Offenbachs war nicht geheuer. Von Barbara Hoven

Heute halten sie nicht nur an. Sie steigen aus, spazieren herum, halten Pläne in der Hand. „Manche klingeln sogar bei uns“, erzählt Blazenka Paskov, die seit Anfang August zu den ersten Bewohnern des Neubaugebiets am Waldrand gehört, das inzwischen „An den Eichen“ heißt. „Die Leute wollen wissen, ob unser Haus ein Musterhaus ist, wie´s innen ausschaut und was wir dafür bezahlt haben.“

Interesse an dem neuen Wohngebiet, das dem geschichtsträchtigen Ort wieder Leben einhauchen soll, scheint also genügend vorhanden zu sein. Nur mit dem Kaufen, Bauen oder Bauen lassen haut’s auch anderthalb Jahre nach dem Start einer groß angelegten Vermarktungskampagne noch nicht gerade überwältigend hin.

120 fertig erschlossene Grundstücke stehen bereit

So würde Regina Preis, die Pressesprecherin der Stadtwerke Holding (SOH), das natürlich nicht formulieren. Sie macht in Optimismus. Berichtet von vier Familien, die bereits eingezogen sind, und dass im Februar die fünfte folgt. Das Interesse am Quartier wachse stetig.

Auswahl gibt es für potenzielle Käufer jedenfalls reichlich: 120 fertig erschlossene Grundstücke stehen bereit, längst gibt es Grüngürtel, Spielplatz und auch eine Bus anbindung. 45 Straßenlaternen erhellen allabendlich das gute Dutzend Stichstraßen auf dem 7,6-Hektar-Areal zwischen Bieberer Feld und Bahnlinie. Und doch wirkt alles noch immer ein wenig verwaist. Verkauft sind bisher acht Grundstücke, acht weitere wurden in Erbpacht vergeben. „Hinzu kommen einige Reservierungen“, ergänzt Susanne Pfanzer, Ansprechpartnerin fürs Projekt bei der SOH.

Belastete Historie spielt keine Rolle

Den vier Pionier-Familien aber, die bereits „An den Eichen“ wohnen, gefällt’s. Wie Wladimir Kirchgessner, der mit Frau und zwei Kindern kurz vor Weihnachten eingezogen ist. Weil für den jungen Familienvater die Reihen- und Kettenhäuser der Baufirma Casa Nova aus finanziellen Gründen nicht in Frage kamen, entschied er sich für eine eigene Planung und jede Menge Eigenleistung. Im November 2009 wurde der Aushub gemacht, danach zog Kirchgessner den Rohbau fast komplett selbst hoch.

„Dafür bewundern wir den Wladi sehr“, sagt CDU-Fraktionschef und Oberbürgermeister-Kandidat Peter Freier, Kirchgessners künftiger Nachbar. Der Politiker zieht Anfang Februar ein, als fünfte Partei. Freier und Kirchgessner lernten sich auf der Baustelle kennen, schlossen schnell Freundschaft. Gemeinsam bauen verbindet eben. „Das ist ja gerade das reizvolle, dass wir hier die Entstehung eines neuen Stadtteils von Anfang an miterleben dürfen“, sagt Freier. Sorgen, jahrelang umgeben zu sein von Baulärm und Dreck, habe er keine. Und auch die belastete Historie des Quartiers habe für ihn keine Rolle gespielt. „Freunde und Bekannte haben zwar gewitzelt, weil ich in den Lohwald ziehe, aber das ist doch nur Spaß, da stehe ich drüber“, sagt Freier, lacht und preist diverse Vorzüge seiner neuen Wohnstätte. Vor allem die Nähe zum Wald gefalle, dazu die großzügige Grünplanung, die gute Verkehrsanbindung, die attraktiven Grundstückspreise und die hohen energetischen Standards, die das Bebauungskonzept verlange. „Bei uns läuft’s wie geschnitten Brot, selbst mit der Telekom hat alles reibungslos geklappt“, freut sich Bauherr Freier.

Beliebter Schleichweg

Lange habe er nach einem geeigneten Bauplatz gesucht, berichtet der CDU-Mann. Er fand Baulücken zu fatalen Grundstückspreisen und anderes Unattraktives mehr. „Deshalb hat sich unsere Suche bald auf dieses Gebiet fokussiert. Wo sonst kann man denn noch ein freistehendes Einfamilienhaus zu vertretbaren Preisen bauen?“

Familie Freier entschied sich für ein Holzfertighaus. Und macht damit den neuen Nachbarn neidisch. „Ich stand nach wochenlanger Arbeit endlich in meinem Erdgeschoss, als beim Peter die Arbeiter anrückten und in wenigen Tagen das Haus hochzogen“, erzählt Kirchgessner. Dann lachen beide Männer. Und erzählen, wie sehr sie sich darauf freuen, bald gemeinsam in ihren Gärten zu sitzen, weitere Häuser wachsen zu sehen und neue Nachbarn zu treffen.

Doch eine Frage will Kirchgessner dann unbedingt noch ansprechen: Den Zustand und die Nutzung der Straße nach Bieber – ein Thema, das sich zum Politikum entwickeln könnte. Seit jeher ist die Trasse beliebt als Schleichweg zwischen Bundesstraße 448 und Mühlheimer Straße. Wie beliebt diese Abkürzung jedoch ist, „hat uns schon überrascht, auch wenn’s jetzt nicht super störend ist“, berichten die Neu-Anlieger der Trasse.

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