Arbeitsagentur: Bezirke sind umstrukturiert

Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach.

Offenbach - Im nächsten Jahr werden die Bezirke der Agenturen für Arbeit in Deutschland umstrukturiert. Auch in Stadt und Kreis kommt es zu Veränderungen.

Ab Januar werde der Westkreis zum Agenturbezirk Offenbach gehören, sagte Thomas Iser, Chef der hiesigen Einrichtung im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

Bei der Agentur für Arbeit Offenbach stehen im Januar Umstrukturierungen an. Was ändert sich?

Bisher war es so, dass der Westkreis zur Agentur für Arbeit Frankfurt gehörte. Zur Geschäftsstelle Langen gehören die Kommunen Langen, Egelsbach und Dreieich. Die Arbeitslosen aus Neu-Isenburg sind direkt zur Agentur in Frankfurt gegangen. Ab 1.1.2013 wird der Westkreis mit den vier genannten Kommunen zum Agenturbezirk Offenbach gehören. Alle Kunden aus Egelsbach, Dreieich, Langen und Neu-Isenburg werden in der Geschäftsstelle Langen betreut. Alle, die bisher dort betreut wurden, werden von den Veränderungen nichts merken. Die Arbeitslosen aus Neu-Isenburg müssen ab 2.1. jedoch nicht mehr nach Frankfurt, sondern nach Langen gehen.

Was bedeuten die Änderungen für Arbeitslose?

Grundsätzlich behalten sie ihre gewohnten Ansprechpartner. Lediglich die Arbeitslosen aus Neu-Isenburg müssen sich auf neue Ansprechpartner einstellen.

Warum kommt es zu den Umstrukturierungen?

In der Vergangenheit waren für die Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern, also beispielsweise IHK, Handwerker, Politik und Unternehmen, immer zwei Agenturen zuständig. Es macht aber Sinn, wenn ein Landkreis von einer Agentur betreut wird. Eine optimale Kooperation mit den Netzwerkpartnern ist wichtig. Das betrifft nicht nur Offenbach. Deshalb hat es bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg im vergangenen Jahr die Entscheidung gegeben, dass die Bezirke den kommunalen Strukturen angeglichen werden.

Also vorwiegend organisatorische Gründe?

Die Bundesagentur hat auch entschieden, dass die Agenturen weiter in der Fläche vertreten sein sollen. Es ist aber so, dass wir einen Teil unserer Aufgaben verloren haben. Die Jobcenter sind in kommunale Verantwortung übergegangen. Sie sind für Langzeitarbeitslose zuständig. Die Agentur kümmert sich noch um etwa ein Drittel der Arbeitslosen. Der Rest wird von Proarbeit im Kreis und Mainarbeit in der Stadt betreut. Dadurch hat die Agentur für Arbeit Offenbach auch weniger Personal. Wir wollen die Dienstleistungen aber weiterhin vor Ort anbieten. Auch deshalb waren Umstrukturierungen nötig.

Wie viel Personal haben Sie?

Wir haben insgesamt etwas mehr als 100 Mitarbeiter. Sie sind für die Betreuung der Arbeitslosen zuständig. 55 Kollegen sind direkt mit der Vermittlung von Arbeitslosen und der Betreuung der Unternehmen beschäftigt. Ein Drittel der Mitarbeiter sitzt im Kreis, der Rest in Offenbach. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass wir in Offenbach auch die Berufsberatung angesiedelt haben. In der Hauptagentur haben wir darüber hinaus noch rund 90 Mitarbeiter im Service-Center, wo die Anliegen mehrerer Agenturen telefonisch entgegengenommen werden.

Warum sind die Zuständigkeiten zwischen den Agenturen in Deutschland bisher so seltsam verteilt?

Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass auch die Zuschnitte der Kreise sich im Laufe der Jahre geändert haben. Früher gab es beispielsweise einen Kreis Dieburg, heute heißt er Darmstadt-Dieburg.

Wird durch die Umstrukturierung die Vermittlungsarbeit in Offenbach verbessert?

Ich denke, dass sie intensiviert wird. Schließlich wird die Netzwerkarbeit besser verzahnt.

Werden die Veränderungen in ganz Deutschland im Januar umgesetzt?

Nein. Sie werden in Wellen realisiert. Die ersten Agenturen sind zum 1. Juli umgestellt worden. In Südhessen werden die Agenturen in Offenbach, Frankfurt und Darmstadt gemeinsam zum Jahresbeginn 2013 neuorganisiert. In Bad Homburg wird es zudem eine neue Agentur geben. Das ist so, weil die Überschneidungen in den Bezirken aus den vier Agenturen bestehen. Die Agentur Frankfurt gibt viele Zuständigkeiten ab. Sie wird künftig nur noch eine Stadt-Agentur sein. Bisher war die Agentur auch für den Main-Taunus-Kreis und den Hoch-Taunus-Kreis zuständig.

Wie sieht es im Rest von Hessen aus?

In Hessen wird es künftig nur noch zwölf Agenturbezirke geben. In der ersten Welle wurden zum 1. Juli 2012 die Agenturen Hanau und Wiesbaden neu strukturiert, bei denen sich nur wenig verändert hat, in der zweiten Welle zum 1. Oktober die Agenturen Bad Hersfeld-Fulda, Limburg-Wetzlar, Kassel und Korbach.

Sparen die Agenturen mit den Umstrukturierungen denn auch Geld?

Mittel- bis langfristig werden wir sparen, weil es auch Synergieeffekte geben wird. Wir haben auch in der Offenbacher Agentur intern etwas umstrukturiert. Diese Maßnahmen können zu einer Reduzierung des Personals führen.

Wie wird sich die Arbeitslosigkeit in Stadt und Kreis Offenbach im nächsten Jahr entwickeln?

Sie hat sich 2012 zwar positiv entwickelt. Wenn man sich die Zahlen aber genau ansieht, dann erkennt man, dass die Zahl der neuen Arbeitslosen gestiegen ist. Ich befürchte, dass sich diese Entwicklung 2013 fortsetzen wird. Das kann man an den Zahlen nicht immer auf den ersten Blick erkennen. Da wir den Westkreis dazubekommen, wird sich die Arbeitslosenquote in meinem Zuständigkeitsbereich von 6,9 auf 6,4 Prozent verringern. Das hängt damit zusammen, dass die Quote im Westkreis relativ niedrig ist.

Womit hängt der Anstieg zusammen?

Die Stimmung in der Wirtschaft ist nicht mehr so positiv, wie sie in diesem Jahr und vor allem 2011 war. Die Agenturen registrieren, dass weniger freie Stellen gemeldet werden. Zudem gibt es mehr Entlassungen.

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