„Nur echt mit zwei Masten“

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Rund 22 Meter hoch sind die Betonpfeiler, die künftig die Westtribüne des Stadions tragen.

Offenbach - Weder ist der erste Spatenstich vollzogen noch der Grundstein gelegt. Dennoch wächst das Fußballstadion. Während der Partie gegen den VfB Stuttgart II konnten die OFC-Fans erahnen, wie ihre Heimstätte demnächst aussieht: hoch und steil. Von Martin Kuhn

Die ersten Segmente der Westtribüne stehen. Derweil kämpfen die Anhänger weiter für die Erhaltung der Flutlichtmasten. Ihr Motto: „Wer hoch hinaus will, muss von weitem zu sehen sein! Kickers Offenbach – Nur echt mit zwei Masten.“ Mehrere Schwertransporter bringen die Stützen auf den Bieberer Berg. 22 Meter sind die Betonpfeiler hoch, die die Tribüne tragen.

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Die Arbeiter der Bremer AG platzieren sie millimetergenau. Währenddessen schreiten die vorbereitenden Arbeiten für den Bau der Haupttribüne voran. Die notwendigen Teilbaugenehmigungen für die Gründung der Haupt- und Westtribüne und den Hochbau der Westtribüne liegen vor. Und die enge Abstimmung zwischen der Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) und den städtischen Ämtern sorgt für einen reibungslosen Ablauf, „so dass die Bauarbeiten des Stadions im Zeitplan liegen“.

Was in der Pressemitteilung fehlt: Anfang Mai wird wohl der Flutlichtmast an der Buswendeschleife demontiert; er steht zwischen West- und Haupttribüne und somit den weiteren Arbeiten im Weg. Und dann? Das ist bislang ein großes Fragezeichen. Ein waches Auge wirft sicher die IG Stadionbau drauf, die nicht allein Planung und Bau des Stadions begleitet, sondern seit geraumer Zeit für die Erhaltung beider Flutlichtmasten eintritt. Volker Goll ist einer der IGS-Sprecher.

Bilder von der Baustelle Bieberer Berg

Baustelle Bieberer Berg

Beim Spiel gegen Stuttgart am Mittwochabend verteilte er hinterm Block 2 eifrig Handzettel. Er beantwortet alle Fragen und gibt sich zuversichtlich, dass das künftige Sparda-Bank-Hessen-Stadion von zwei Flutlichtmasten flankiert wird. Mit der Genossenschaftsbank hat es in der Sache schon konstruktive Gespräche gegeben; Goll weiß aber auch, dass die Bank allein nicht für die Erhaltung der Masten sorgen kann: „Wir als Fans müssen aktiv dabei sein und zeigen, dass uns die Sache etwas wert ist.“

Und da geht es um mehr als ideelle Werte – es geht um schnöden Mammon. Bislang aufgerufen, aber niemals detailliert ausgerechnet sind die Kosten für die Erhaltung eines sogenannten Leuchtturms: 150.000 Euro. Den Beitrag, den Kickers-Anhänger dafür aufbringen können, schätzt Volker Goll eher als gering ein. „Da muss man realistisch fragen: Was gibt unsere Fanszene her?“ Die Befürworter – eine genaue Zahl kann die IG Stadionbau nicht nennen, bei Facebook sind es aber nahezu 700 – sind für die Erhaltung der Masten, da sie für ein Stück „leuchtende Vereinsgeschichte“ stehen.

Einzigartigkeit der Offenbacher Flutlichtanlage

Die Masten sorgen seit gut 42 Jahren für die besondere Flutlichtstimmung am Bieberer Berg. „Sie sind fester und unverzichtbarer Teil vom ,Feeling Bieberer Berg’“. Viele sehen die bloße Erhaltung kritisch: „Was nützen funktionslose Masten?“ Genau die wird es aber nach dem Bestreben der IGS nicht geben. Die Masten sollen an Spieltagen leuchten. „Niemand will Flutlichtmasten ohne Licht“, sagt Goll und führt aus, dass die Masten als sogenanntes Alleinstellungsmerkmal gelten. „Das unterscheidet den Berg von den zahlreichen stromlinienförmigen Einheits-Stadien.“

Daher reicht es der Interessengemeinschaft nicht, lediglich einen Mast zu erhalten. Denn es gelte hier nicht nur das Motto „Mit dem Zweiten sieht man besser!“, es geht auch um die Einzigartigkeit der Offenbacher Flutlichtanlage – und die ist nun einmal eine Zwei-Mast-Anlage. Im Gegensatz zu anderen in der Fanszene sieht es Goll auch unter pragmatischen Gesichtspunkten: „Wenn die Erhaltung der Masten finanziell nicht zu leisten ist, dann ist es eben so.“ Immerhin können die Fans in diesem Fall sagen, dass sie alles dafür versucht haben.