Angst vor Wespen und Hornissen? Nur keine Panik!

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Ein Hornissennest an einer Hauswand.

Offenbach - Gerda Hoefler war nur ein paar Tage nicht in ihrem Kleingarten, den sie seit gut 30 Jahren hegt und pflegt. Als sie an den Fuß des Buchhügels zurückkehrt, hat sie überraschend Untermieter – erstmals, wie sie versichert. Von Martin Kuhn 

Hornissen nutzten die Ruhe und Abgeschiedenheit, um an der Türleibung des Geräteschuppens ein Nest zu bauen. Das wächst stetig von oben nach unten - etwa 20 Zentimeter täglich. Die Tür, die mittlerweile leicht nach außen gebogen ist, hat Gerda Hoefler seitdem nicht mehr geöffnet. Und das ist gut so.

„Prima, so ist alles richtig“, sagt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach, die betont: Auch Wespen stehen unter allgemeinem Naturschutz. Sie dürfen nicht grundlos getötet werden. Hornissen und Hummeln sowie alle Wildbienen stehen sogar unter speziellem Artenschutz. Ende der Geschichte? Nicht ganz. Schließlich rufen mehr oder weniger besorgte Offenbacher beinahe täglich in der Verwaltung an und erkundigen sich nach der richtigen Verhaltensweise. Auch in der Leitstelle der Feuerwehr klingelt ab und zu das Telefon mit der folgenden Bitte, Wespen- oder Hornissen-Nester zu beseitigen. „Da werden wir schon seit Jahren nicht mehr tätig“, berichtet Feuerwehr-Chef Uwe Sauer. Die gelb-schwarzen Insekten bleiben ein Fall fürs Umweltamt.

Dass Hornissen mitten im Sommer - wie jetzt im Hoeflerschen Garten - einziehen, ist keine Seltenheit. Als Besonderheit gilt ihre Fähigkeit zur Filialbildung oder Migration. Wird es dem Hornissenvolk zu eng an seinem Nistplatz, kann es umziehen. So kann es passieren, dass sich plötzlich im Juli oder August ein Hornissenvolk im Gartenschuppen niederlässt. Ist das der Fall, sollte man tunlichst das Credo von Rocker Udo Lindenberg beherzigen: „Nur keine Panik...“

In der Amtssprache klingt es gewählter: „Bei vernünftigem Umgang mit diesen Tieren ist in aller Regel ein Miteinander ohne gegenseitige Beeinträchtigung möglich.“ Das heißt: Die Insekten können sich schnell an Menschen in ihrem Umfeld gewöhnen, solange die sich ruhig bewegen. Auffällig helle Kleidung auf gebräunter Haut, also hoher Kontrast, kann in Nestnähe Wespen und Co. aggressiv machen, wenn man sich hastig bewegt. Daher Ruhe bewahren und vor allem nicht nach fliegenden Tieren schlagen. Hollerbach: „Es ist übrigens kein Witz: Angstschweiß löst Angriffe aus.“

Die Amtsleiterin lenkt da lieber den Blick auf den Nutzen der Wespenarten. Gerade für Gartenbesitzer von besonderem Interesse: „Es sind außerordentlich fleißige Schädlingsbekämpfer. Ein Volk unserer größten Wespe, der Hornisse, benötigt zur Ernährung seiner Brut sieben bis zwölf Kilogramm Insekten in einem Sommer.“ Daneben bestäuben Wespen viele Blütenpflanzen. Zudem räumt sie mit einem verbreiteten Irrtum auf: „Wespen und Hornissen sind weder aggressiver noch giftiger als Honigbienen.“ Im Gegenteil: Das Gift der Honigbiene sei etwa um das Vierfache stärker als Wespen- oder Hornissengift. Sie stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen, in Kniekehlen feststecken oder in den Mund geraten. Deshalb sollten Menschen aufpassen, wo sie sich hinsetzen, vorsichtig essen und im Freien Strohhalme benutzen.

Ach ja: Wespen, Hornissen und Hummeln nutzen ihre Nester immer nur ein Jahr. Im Spätsommer wachsen junge Königinnen und Männchen heran, die zum „Hochzeitsflug“ die Nester verlassen. Die Männchen sterben nach der Paarung, die Jungköniginnen suchen sich außerhalb des Nistbereichs geschützte Überwinterungsplätze. Die alte Königin und ihre Arbeiterinnen sterben im Herbst. Die verlassenen Nester können dann gefahrlos beseitigt werden – so auch am Buchhügel...

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