hr4-Schlagerparty und Radtour

Bierfest: Eine Frage des Geschmacks

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So gut besucht ist der Aliceplatz nur selten: Parallel zum Bierfest gesellten sich am Freitag auf der Bühne vor dem KOMM noch Mary Roos, Uwe Busse, Laura Wilde, Li Belle und andere Gesangsgrößen zur hr4-Schlagerparty sowie hunderte Teilnehmer der Schlager-Radtour des Radiosenders, die Station in Offenbach machten.

Offenbach - „Wie hätten Sie’s denn gern?“, fragt Meinhard Wicht in die Runde. Die Antworten: unterschiedlich. Zehn treue Abonnenten unserer Zeitung machen an der Seite des Sommeliers auf dem 26. Offenbacher Bierfest die Probe aufs Exempel. Von Harald H. Richter

Was liegt ihnen gerne auf der Zunge? Das klassische Pils wird ebenso genannt wie Hefeweizen und Lager, aber es darf auch mal ein Bockbier sein.

Deutschland gilt als klassisches Bierland, bekannt für enorme Sortenvielfalt exzellenter Biere, und kann auf lange Brautradition zurückblicken. So verschieden der Geschmack der Teilnehmer dieser kleinen Tour, so vielfältig ist das Angebot, das an den Ständen des Bierfestes aus den Zapfhähnen fließt. Die Meile zwischen Rathaus und KOMM-Center einmal ganz anders zu erleben, das ermöglichen rund einstündige Bier-Touren mit Braufachmann Meinhard Wicht. Der 45-jährige diplomierte Sommelier nimmt – Modetrends und Hype um Mischgetränke zum Trotz – die ausgewählten Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch die Welt des Gerstensaftes.

Licher Pils, Kölsch, Augustiner und Co.

Eine kurze theoretische Einführung zu Ingredienzen und Herstellungsprozessen leitet schnell über zur ersten praktischen Anforderung an den Geschmackssinn. Los geht’s mit einem hellgelben, glanzklaren Qualitätsbier mittlerer Bitterkeit aus hessischen Landen: Licher Pils. Leicht und schlank, mit höherem Weizenanteil als das erste wird das Bier an der zweiten Station wahrgenommen: Früh Kölsch aus Nordrhein-Westfalen, seit über hundert Jahren gebraut bei der Cölner Hofbräu P. Josef Früh. Der nächste Haltepunkt, der Stand der badischen Staatsbrauerei Rothaus, wartet mit einem Bier von stärkerer Hopfenbetonung auf, goldgelb in der Farbe, feinporig im Schaum, deutlich herber, fast schon in Export-Richtung gehend. Den Frauen ist’s zu bitter, die Männer nehmen noch einen Schluck extra.

Am Stand der Augustiner-Bräu München, der ältesten Brauerei der bayerischen Landeshauptstadt, weil bereits 1328 im Kloster der Ordensbrüder unweit des Doms gebraut, fließt Lager Hell aus dem Zapfhahn. „Wie schmeckt Ihnen das?“, fragt Meinhard Wicht. „Süffig“, antwortet der Rodgauer Helmut Wildhirt und reibt sich mit dem Handrücken den Schaum von den Lippen.

Bilder von der hr4-Schlagerparty

Schlagerparty beim Bierfest

In sattem Gelb kommt das nächste Bier daher, gleichfalls in Bayern hergestellt, allerdings bei den Benediktinermönchen von Sankt Bonifaz in München und Andechs. „Ein typisches Festbier, traditionell zur Sommer- und Erntezeit gebraut“, erläutert der Sommelier, der Mann mit dem sensiblen Geschmacksnerv. Goldgelb und reich der Schaum, „sehr überzeugend“, wie die inzwischen im Urteil geschärften Teilnehmer bemerken.

Ganz anders dagegen die Farbe des nächsten verkosteten Biers aus der gleichen Brauerei: Export Dunkel, das keinerlei Eintrübung zeigt, fast kastanienbraun ist und von cremefarbenem Schaum, hervorgerufen durch eine andere Malzröstung. „Zartbitter!“, signalisieren die Sensoren der Zunge. Der sehr prägnante Malzgeschmack gefällt den Testern. „Dazu ein saftiger Schweinebraten“, schwärmt Magda Bouillon aus Mühlheim und ruft damit in Erinnerung, dass Bier nicht nur für sich genommen konsumiert wird, sondern sich schließlich auch als Getränk bei Tisch empfiehlt. Helmut Wildhirt nickt: „Oh ja, und nach dem Essen eine dunkle Zigarre dazu.“

Wer jetzt noch Lust bekommen hat auf das Fest: Heute ist der letzte Tag. Zum Abschluss gibt’s Live-Acts und die DJs Dean und Uwe auf den Bühnen.

Die geführte „Tour de Bière“ endet am Stand der brandenburgischen Klosterbrauerei Neuzelle von 1589, deren Spezialitäten so klingende Namen tragen wie das von dunklen Geheimnissen umwitterte „Schwarzer Abt“ und das kraftvolle mittelalterliche Ritterbier „Kyritzer Mord & Totschlag“. Außergewöhnlich wie sein Name ist auch das Aroma dieses zum Abschluss probierten Schwarzbieres, das sich durch hohen Malzanteil und einen satten Alkoholgehalt von 7,2 Vol. % auszeichnet.

Sieben exemplarische Stationen, an der Seite eines „Genuss-Managers“ buchstäblich sinnvoll abgelaufen – die Sommelier-Idee, vom Getränke-Fachgroßhandel Kampfmann initiiert, kommt gut an, wie die weiteren am Wochenende angesetzten Touren bestätigen. Aber auch die gewohnten Programmpunkte des Festes unter den Schatten spendenden Bäumen finden Gefallen beim feierfreudigen Publikum, das sich bei sommerlichen Temperaturen zu Tausenden drängt: Gaumenfreuden aller Art und jeden Tag Musik auf den Bühnen vor dem Rathaus und am KOMM-Center.

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