Bilanz zu Projekt „Frauen stärken Offenbach“

Strukturen aufgebrochen

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Bei der Offenbacher Berufsfeuerwehr kann es in den nächsten Jahren wegen der Altersstruktur zu Personalengpässen im Beruf des Brandmeisters kommen. Deshalb sollen verstärkt Frauen angesprochen werden. Das Projekt „Frauen stärken Offenbach“ war ein erster positiver Schritt.

Offenbach - Hunderte von Frauen beraten, am Ende 25 von ihnen eingestellt und rundum zufriedene Mienen: Die Stadt und die beteiligten Partner ziehen gestern Bilanz zum Projekt „Frauen stärken Offenbach“ (FSO). Von Matthias Dahmer 

Gefördert von der EU war es von 2011 bis Ende 2014 Ziel des Programms, Frauen in Offenbach für gewerblich- technische Berufe zu interessieren und gleichzeitig bei den Betrieben Strukturen in von Männern dominierten Berufsfeldern aufzubrechen.

Das Ende des Projekts, das machen Stadtwerke-Chef Peter Walther und Feuerwehr-Vize Michael Eiblmaier klar, soll bei ihnen erst der Anfang sein. Das Programm sei als Impuls zu verstehen, sagt Walther. Schon allein wegen des Bedarfs kündigt er ebenso wie Eiblmaier an: „Es werden künftig mehr Frauen in bislang typischen Männerberufen eingestellt.“

Das SFO-Ergebnis in konkreten Zahlen: Bei den Verkehrsbetrieben wurden 13 neue Busfahrerinnen eingestellt, bei der GBM haben fünf Hausmeisterinnen ihren Dienst angetreten, beim ESO fanden drei Frauen in technischen Berufen eine Anstellung und die Feuerwehr hat zwei Brandmeisterinnen in ihren Reihen. Dass vielen jungen Frauen die Vorstellungskraft fehle, einen solchen Beruf zu ergreifen, zeige sich immer wieder bei bei Ausbildungsmessen, so Eiblmaier. „Die Frage lautet oft: Können wir uns da auch bewerben?“

Fokus nicht auf den Hochqualifizierten

Deutschlandweit gab es im Zuge des vom Bund entwickelten und überwiegend von der EU finanzierten Programms „Gleichstellen – Bundesinitiative für Frauen in der Wirtschaft“ rund 70 Projekte. Das Offenbacher weise dabei Besonderheiten auf, betont die Sozialforscherin Vanessa Schlevogt, die SFO wissenschaftlich begleitet hat.

So lagt der Fokus nicht auf Hochqualifizierten, sondern eher auf jenen Frauen, die Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden. Im Gegensatz zu anderen Städten war in Offenbach die Kommune der Projektträger und nirgendwo waren die beteiligten Betriebe – alles städtische Ableger, die auf dem Gebiet der Daseinsvorsorge tätig sind – von Anfang an mit eingebunden.

Die kommunale Frauenbeauftragte und Projekleiterin Karin Dörr lobt das Engagement von ESO, GBM, OVB, der Feuerwehr und des Kooperationspartners IHK, lässt aber gleichzeitig anklingen, dass man gerne noch mehr Unternehmen mit im Boot gesehen hätte. Und angesichts des ambitionierten Ziels, Frauen, die teilweise von Hartz IV lebten, in schwierige Berufe zu vermitteln, seien 25 von 37 eigentlich angepeilten Einstellungen ein Erfolg.

Verbesserter Umgangston

Eine Million Euro waren für SFO veranschlagt. 80 Prozent davon kamen aus dem EU-Topf, der Rest setze sich zusammen aus 45.000 Euro von der Stadt sowie den geldwerten Stunden, welche das Personal der beteiligten Partner für SFO geopfert hat. Stadtwerke-Geschäftsführer Walther verweist auf den Erkenntnisgewinn: „Wir haben uns zum Beispiel gefragt, ob wir ein attraktiver Arbeitgeber sind oder ob neue Arbeitnehmer von den älteren Kollegen als Konkurrenz oder als Bereicherung empfunden werden.“

Hinzu komme: Bislang sei das Thema Gleichstellung immer nur aus der Perspektive der Chefetage betrachtet worden. „Uns hat ein praktisches Projekt im operativen Bereich gefehlt.“ Mit den OVB-Busfahrerinnen GBM-Hausmeisterinnen und den Ingenieurinnen beim ESO seien bisherige Männer-Domänen aufgebrochen. Nur bei der Besatzung der Müllfahrzeuge bestehe noch Nachholbedarf. Erfreulicher Nebeneffekt der Frauen auf dem Vormarsch: „Der Umgangston etwa bei den Busfahrern hat sich verbessert“, so Walther. Für ihn ist auch deshalb klar: „Das Projekt hat was gebracht.“

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