Bilanz der Wirtschaftsförderer

70 Firmen angelockt

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Diese temporäre Nutzung als Zweitfiliale freut die Wirtschaftsförderung: Die Firma Berdux-Weine (hier Birgit Berdux-Pusch) bietet in einem liebevoll eingerichteten Laden in der City-Passage Weihnachtspräsente an.

Offenbach - In der Bilanz der Wirtschaftsförderer stehen zwar einige Neuansiedlungen in Offenbach. Doch noch drückt eine 2011er-Altlast die Stadt. Von Matthias Dahmer

Nachdem Ende 2011 die Pleite von manroland mächtig ins Kontor geschlagen hat, kann die städtischen Wirtschaftsförderung die Entwicklung in diesem Jahr als „stabil“ und den Ausblick für 2013 als „verhalten positiv“ bezeichnen.

Jürgen Amberger, Leiter des sechsköpfigen Teams, das sich im Rathaus um die Aquise und Pflege von Unternehmen kümmert, gießt gestern bei Vorstellung der Jahresbilanz diese relative Stabilität in Zahlen: 2012 konnten 70 Firmen nach Offenbach gelockt werden, wodurch rund 400 Arbeitsplätze hinzu kamen. Zu den größten Neuansiedlungen zählen das Obertshausener Unternehmen Holzland Becker, das im ehemaligen Honda-Verteilzentrum an der Waldstraße 80 Jobs plus weiter durch Untervermietungen schafft und damit den Weggang der Japaner locker kompensiert. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Hessen ist mit 30 Leuten ins ehemalige Goldpfeil-Gebäude an der Kaiserstraße gezogen, noch einmal die gleiche Anzahl an Arbeitsplätzen entstand durch das neue VDE-Testzentrum auf dem EVO-Gelände.

Anstieg der Beschäftigung

Gleichwohl kann das sowie ein Anstieg der Beschäftigung im Dienstleistungssektor nicht aufwiegen, was durch manroland verloren gegangen ist. 1 000 Stellen waren durch die Insolvenz des Druckmaschinenherstellers weggefallen, 900 konnten durch die Übernahme der Firma erhalten bleiben. Unterm Strich ist wegen des Absatzeinbruchs bei den lokalen Zulieferern ein Verlust von insgesamt 1.700 Arbeitsplätzen in der Produktion zu beklagen. Bezogen auf die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist von März 2011 bis März 2012 ein Rückgang von 45. 118 auf 44. 014 Stellen zu verzeichnen.

Zu den schmerzlichsten Abwanderungen zählt der Umzug von Honda-Deutschland mit 200 Mitarbeitern von der Sprendlinger Landstraße nach Frankfurt. Der Verlust werde aber 2013 durch den Zuzug von Hyundai-Deutschland an den Kaiserlei überkompensiert, sagt Jürgen Amberger. Für das Areal an der Sprendlinger gebe es bereits Anfragen, aufgrund des „hervorragenden Zustands“ des Geländes ist sich Amberger sicher, es bald wieder an de Mann bringen zu können.

Am Puls der Firmen zeigen

Weil es Aufgabe der Wirtschaftsförderung ist, sich „nicht nur in der Welt zu zeigen, sondern auch am Puls der ortsansässigen Firmen zu sein“, wie Oberbürgermeister Horst Schneider formuliert, konnte dem Wunsch von zehn Firmen mit rund 300 Mitarbeitern nachgekommen werden, innerhalb Offenbachs umzusiedeln.

Was den Einzelhandel in der Innenstadt angeht, hebt der Oberbürgermeister hervor, mit dem neuen Management wehe im KOMM ein neuer Wind und die Kommunikation sei verbessert worden. City-Managerin Birgitt Möbus betont die Bedeutung auch der kleineren Läden und nennt exemplarisch Neueröffnungen am Wilhelmsplatz sowie die Nachfolge für die Boutique „Ly Stühler“. Horst Schneider ergänzt, an der Ecke Wilhelmstraße/Bleichstraße, wo einst der Polizeiladen beheimatet war, werde im Frühjahr ein Bistro eröffnen.

Der Schuhhändler, der die Nachfolge von Esprit in der Frankfurter Straße 1 angetreten hat, sei vermutlich nur ein Interimslösung, man bemühe sich an dieser zentralen Stelle um eine höherwertige Ansiedlung, so Möbus. Anfragen, aber noch keinen Nachfolger gibt es für die rund 850 Quadratmeter Leerstand, die der aufgebene Intersport-Laden in der ehemaligen Kleider-Frei-Immobilie hinterlassen hat.

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