Bildungs-Acht für die Insel

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Das Architekten-Doppel Wächter (2./3. von rechts), Preisrichter Klie, Anna Heep (links) und Astrid Reese (beide Hochbaumanagement) mit dem Siegerentwurf.

Offenbach - Eine Ganztagsgrundschule mit 400 Kindern in 16 Klassen. Eine Kindertagesstätte mit 165 Kindern in neun Gruppen, vier davon für unter Dreijährige und fünf für Drei- bis Sechsjährige. Zwei Turnhallen mit je einem Sportfeld. Von Marcus Reinsch

Dazu Pausenareale, Mensa, Grünflächen, alles funktionell vereint in einem Gebäudeensemble, das aus der Vogelperspektive an eine aus den klassischen Proportionen geratene Acht mit Ecken und Kanten erinnert: Das bisher sehr abstrakte Bild vom Stadtviertel, das in den nächsten Jahren auf der Offenbacher Hafeninsel entstehen soll, ist diese Woche gleich zweimal deutlich konkreter geworden.

Am Montag erledigten Offizielle in der Nordost-Ecke des 30 Hektar großen Areals den ersten Spatenstich für 178 Mietwohnungen in drei achtstöckigen Wohnblockriegeln. Und gestern präsentierte die Stadt den Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs, der Betreuung und Bildung auf die Brache bringen soll. Er stammt vom Büro „Waechter + Waechter“. Dass er mit dem für Ende 2012 angepeilten Baubeginn auch umgesetzt wird, ist noch nicht garantiert. Aber es gilt nicht nur nach den Traditionen der Branche mehr als wahrscheinlich. Das 15-köpfige Preisgericht zumindest hat der noch zu bildenden finalen Jury nach zehn Stunden Beschäftigung mit den 26 eingereichten Entwürfen empfohlen, dem mit 36.000 Euro prämierten Vorschlag des Darmstädter Architekten-Doppels den Vorzug vor den drei anderen Preisträgern des Wettbewerbs zu geben.

Goetheschule läuft schon lange über

Gebrauchen könnte die Stadt sowohl Schule wie Kita eher vorgestern als erst zum Beginn des Schuljahres 2014/15. Vor allem die Goetheschule im gebärfreudigen Bezirk Nordend, zu dem das Hafenviertel zählen wird, läuft schon lange über. Momentan gibt es in jedem Jahrgang sieben Parallelklassen. In drei Jahren, fürchtet Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß, müssen es neun sein. Das sei auch pädagogisch mehr als fragwürdig. „Es herrscht dramatische Raumnot, wir können uns nur mit Anmietungen wie gerade bei der evangelischen Kirche helfen.“ Die Insel-Grundschule sei also „kein Prestigeobjekt des Magistrats und des Schuldezernenten“, sondern unbedingte Notwendigkeit. Weshalb der mit Blick auf den Offenbacher Schuldenstand längst völlig humorlose Regierungspräsident bei diesem Schulbau nicht mit dem Rotstift dazwischenfunken werde.

Mal ganz abgesehen von den Betreuungsplätzen für bis zu Sechsjährige. Bei denen muss Bürgermeisterin und Jugenddezernentin Birgit Simon ja mit Blick auf gesetzlich verkleinerte Gruppen und den Rechtsanspruch von Eltern bekanntlich auch noch ordentlich nachlegen.

Ganz praktische Details haben am Ende überzeugt

Was am Ende „eine sehr, sehr deutliche Mehrheit“ der Preisrichter vom auf den ersten Blick eher unscheinbaren, für die künftige Bebauung der Insel aber „stilbildenden“ Waechter-Entwurf überzeugt habe, seien ganz praktische Details gewesen, sagte Oberbürgermeister Horst Schneider. Beispielsweise, fasste der als freier Architekt in die Jury berufene Joachim Klie zusammen, die Anordnung der Klassen- und Gruppenräume für Schule und Kita. Die ragen wie die Zinken eines Kamms in die beiden Innenhöfe hinein; ihre Zwischenräume können für Unterricht im Grünen, Gärten, Spielfläche genutzt werden.

Alle Wettbewerbsarbeiten, auch die nicht prämierten, sind bis 1. September montags bis freitags von 11 bis 19 Uhr in der Aula der Hochschule für Gestaltung (Schlossstraße 31) zu sehen.

Der Mittelsteg der Bildungs-Acht beherbergt die für den Ganztagsbetrieb unverzichtbare und von allen Gebäudeteilen zugängliche Cafeteria plus Mehrzweckräume. Die Sporthallen können vom Schulbetrieb abgekoppelt und auch von Vereinen genutzt werden. Zum Nordring hin ist das Ensemble fünfgeschossig, nimmt Funktionsräume auf und dient als eine Art Lärmschutzwand. Zum Fluss hin aber, wo Flure mit Mainblick zu den Klassen und Gruppenräumen führen, gibt es nur zwei Etagen. Die Baukostenhochrechnung für den Komplex liegt momentan bei alles in allem rund 29 Millionen Euro. Das kann sich aber noch in jede Richtung ändern, wenn der Vorentwurf zum richtigen Plan wird.

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