Belastung und Defizite

Bildungsbericht: Neue Lehrer braucht die Stadt

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Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg im späteren Leben. Die Treppe an der Volkshochschule wirbt dafür, doch in Offenbach hapert es an vielen Stellen.

Offenbach - Armut bringt deutliche Benachteiligungen in der Bildung mit sich. Je innenstadtnäher ein Kind in Offenbach aufwächst, desto höher ist das Risiko, dass sein Bildungsweg Defizite aufweist. Von Veronika Schade 

Was Schulen tagtäglich zu spüren bekommen, bestätigt der aktuelle städtische Bildungsbericht. Die alle zwei Jahre erscheinende Bestandsaufnahme umfasst alle Entwicklungen im Offenbacher Bildungswesen, von der U3-Betreuung bis zum lebenslangen Lernen an der Volkshochschule. Herausgeber sind der Magistrat und das Staatliche Schulamt für Stadt und Kreis. Kordination und Auswertung übernahm zum letzten Mal das Projekt „Lernen vor Ort“.

Die bildungsrelevante soziale Belastung ist in Offenbach gestiegen. Der Sozialbelastungsindex ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Indexpunkte gestiegen auf den Mittelwert 159,8 (gegenüber 2010 um drei Punkte). Er berechnet sich aus Prozentanteilen von Mehrgeschossmiethäusern, Haushalten mit drei oder mehr Kindern, Haushalten mit mindestens einem nichtdeutschen Elternteil und Ein-Eltern-Haushalten. Dabei ergibt sich für die Grundschulen, dass die Eichendorffschule mit 202,5 Punkten den höchsten Wert hat, gefolgt von der Mathildenschule mit 199,7 Punkten. Am wenigsten „belastet“ ist die Ernst-Reuter-Schule in Rumpenheim mit 108,3 Punkten.

Bessere Schulnoten durch Gleichgewichtstraining

Diese Erkenntnis ist mehr als abstraktes Zahlenwerk. Sie ermöglicht es, den Schulen zusätzliche Lehrer nach dem Hessischen Sozialindex zuzuweisen. „Die stark ausgeprägten sozialen Unterschiede zwischen den Grundschulbezirken zeigen, was Offenbacher Grundschulen leisten, um bildungsferne Schüler im schulischen Alltag zu unterstützen“, sagt die stellvertretende Schulamtsleiterin Birgitta Hedde. Die Offenbacher Schulen leisteten ein beachtliches Maß an Integration.

Die im Schuljahr 2012/13 begonnene Lehrerzuweisung nach Sozialindex und die Beschäftigung von zehn Schulsozialarbeitern an weiterführenden Schulen hätten sich positiv ausgewirkt. Doch für den Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen ist es laut Bildungsdezernent Felix Schwenke zwingend notwendig, weitere Lehrerstellen zu bekommen. Einen entsprechenden Brief habe er nach Wiesbaden geschickt, erwarte Antwort. Konkrete Zahlen will er nicht nennen. 56 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen haben einen Migrationshintergrund, an Grundschulen sind es 62 Prozent. 174 Kinder sind 2012 als Seiteneinsteiger gekommen, viele aus Bulgarien, Rumänien und Griechenland. Die Schulen bringen ihnen parallel zum Unterricht Deutsch bei.

Weiterführende Schulen in Offenbach

Weiterführende Schulen in Offenbach

Mit der Vermittlung der deutschen Sprache befassen sich schon die Kindergärten. 2012 wurden 2112 Kindergartenkinder nach dem Landesprogramm „Sprachförderung im Kindergartenalter“ gefördert, davon 10,6 Prozent bei freien Trägern. 2012 gab es 4140 Kindergartenplätze, das entspricht einem Deckungsgrad von 92,8 Prozent. Nur 36,4 Prozent der Eltern, deren Kinder Einrichtungen des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO) besuchen, sind Vollzahler. 58,8 Prozent der Plätze dagegen werden voll bezuschusst. EKO-Leiter Hermann Dorenburg: „600.000 Euro bekommen wir vom Land, 200.000 Euro übernimmt die Stadt. Die betriebswirtschaftlichen Kosten liegen über einer Million Euro. Für die Stadt ist es ein Defizitgeschäft.“

Für Kinder unter drei Jahren gab es 2012 genau 1237 Betreuungsplätze, was einen Zuwachs um 237 bedeutetete. Der gesetzlich vorgeschriebene Anteil von 35 Prozent wurde nicht ganz erreicht, nur zu 92,5 Prozent. „Wenn es uns gelingt, weitere Lehrerstellen zu bekommen, können wir die Nachteile ausgleichen, die sich aus der problematischen Bevölkerungsstruktur ergeben“, so Schwenke. „Offenbach kann wieder ein attraktiverer Bildungsstandort werden.“

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