Bildungshaus verteidigt

Offenbach ‐ Die auf 4,25 Millionen Euro gestiegenen Umbaukosten für die Erasmus-Schule haben auch den Streit um die Notwendigkeit der privaten Einrichtung im ehemaligen Gesundheitsamt am Dreieichring wieder aufflammen lassen. Von Matthias Dahmer

Wie in den Anfängen des Vorhabens macht das Wort von der „Eliteschule“ die Runde. Für den 2007 gegründeten Elternverein der Erasmus-Schule ist das eine nicht nachvollziehbare Polemik. Die Einrichtung, sagt Maria Hartmann vom Elternverein, sei vielmehr als ein Bildungshaus für jedermann zu verstehen, das eine Grundschule, einen Kindergarten und eine Krabbelstube beherbergt.

Derzeit werden dort 25 Erstklässler unterrichtet und 30 Kita-Kinder betreut. Läuft es wie geplant, dann kommen im Sommer, wenn der zweite Bauabschnitt fertig ist, 80 weitere Krabbel- und Kita-Kinder hinzu. In vier Jahren soll die Schule über insgesamt vier Klassen verfügen.

Ganztagsbetreuung im Schulgeld enthalten

Auch für den Vorwurf, dass es sich um ein Bildungsangebot für Privilegierte handelt, hat Maria Hartmann kein Verständnis. Der Kindergarten stehe allen offen, die Gebühren seien die gleichen wie in allen anderen in Offenbach. Für das Schulgeld in Höhe von 300 Euro pro Kind und Monat werde unter anderem eine Ganztagsbetreuung geboten, ein nicht zu unterschätzender Aspekt für die 200 Steuer zahlenden Offenbacher Mitglieder des Elternvereins, wie Maria Hartmann betont. „Viele berufstätige Mütter hätten sonst ihren Job aufgeben müssen.“ Der Bedarf für eine solche Schule sei einfach da gewesen, sie kenne Eltern, die zuvor wegen der ungenügenden Betreuungssituation wieder aus Offenbach weggezogen seien. Im Übrigen, so die Vertreterin des Elternvereins, kämen die Kinder aus den unterschiedlichsten Familien, viele hätten einen Migrationshintergrund.

Auch Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne), Schirmherrin der Erasmus-Schule, hält den „Elite-Vorwurf“ für ungerechtfertigt. „Diese Eltern wollen nichts Außergewöhnliches. Eine solche Schule gehört in vielen anderen Städten zum Angebot“, sagt sie. Als Stadt helfe man den unterschiedlichsten Schichten, das Erasmus-Projekt sei eine Form von Ausgleich.

1,5 Millionen Euro Ursprungsbetrag irreführend

Bei der Bewertung der Kostensteigerung für den Umbau plädiert die Bürgermeisterin dafür, erst den Bericht der „sicherlich richtigen“ Revision abzuwarten. Zudem gibt sie zu Bedenken, dass steigende Kosten auch bei anderen Bauvorhaben nichts Ungewöhnliches seien. Die kursierenden 1,5 Millionen Euro als Ursprungsbetrag für den Umbau bezeichnet Simon als irreführend. Das sei die Schätzung eines Ingenieurs gewesen, als es um die Überlegung ging, die Kita des Klinikums im ehemaligen Gesundheitsamt unterzubringen. Simon: „Das hat mit der jetzigen sinnvollen Vollnutzung des Gebäudes nichts zu tun, das ja sonst verfallen wäre.“

Die Umlegung eines Teils der nun entstandenen Mehrkosten auf die Erasmus-Offenbach GmbH, den Träger und Mieter der Einrichtung, hält die Bürgermeisterin unter Verweis auf die bestehenden Verträge für nicht machbar. Eine Chance für weitere Erlöse ergebe sich für die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) aber etwa aus einer möglichen Vermietung von rund 200 Quadratmetern im Obergeschoss der Villa.

Peter Schneider, Fraktionschef der Grünen, nimmt unterdessen seine Parteifreundin Birgit Simon vor Angriffen von SPD und Jusos in Schutz. Sie könne nicht für die Kosten städtischer Baumaßnahmen verantwortlich gemacht werden. „Zuständig ist Oberbürgermeister Horst Schneider, Bau- und Planungsdezernent und Aufsichtsratsvorsitzender der SOH. Im direkten Dialog mit der SOH steht der zuständige Kämmerer und Beteiligungsdezernent Michael Beseler. Beide gehören nach meiner Wahrnehmung der SPD an“, so Peter Schneider in Richtung des Koalitionspartners.

Keine Auswirkungen der Kostendiskussion auf die bestehenden Vereinbarungen befürchtet Rolf Schmidt, Geschäftsführer der Erasmus-Offenbach GmbH. Man habe einen Mietvertrag über zehn Jahre und er gehe davon aus, das sich die SOH vertragstreu zeige.

Rubriklistenbild: © Archiv Koffka

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