Zumindest eine wurde beinahe eingelocht

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Mit dem Billardspielen verhält es sich manchmal wie mit der Polizeiarbeit: Mal wird treffsicher eingelocht. Und manchmal eben nicht.

Offenbach - Eine Kugel anstoßen und schauen, was sonst noch so alles ins Rollen kommt. . . Billard hat bisweilen durchaus Parallelen mit dem Journalistenalltag zu bieten.

Berufliche Motivation spielte allerdings erstmal keine Rolle, als Jenny Bieniek, seit dem Jahreswechsel Volontärin unserer Zeitung, am Dienstagabend folgenden Gedanken fasste: Wenn man schon in Offenbach arbeitet, könnte man hier doch nach Feierabend auch mal etwas unternehmen. Sie unternahm etwas – und schildert nun, wie wenig Mühe nötig ist, um innerhalb weniger Stunden eine der schönsten und eine der hässlichsten Seiten Offenbachs näher kennenzulernen, als das eigentlich gewollt war.

Ein nettes Lokal mit ansprechender Speisekarte war mit Internethilfe schnell gefunden. Nach dem Essen in einer Brasserie am Wilhelmsplatz lag der Entschluss nahe, mit dem ebenfalls ortsfremden Bekannten die Gegend noch ein wenig zu erkunden. Die erst kürzlich wiederentdeckte Vorliebe für Billard führte zur Frage an die nette Bedienung, welche Möglichkeiten sich da in der Nähe bieten. Gleich um die Ecke, das war die Antwort, könne man Queue und Kugeln auf dem grünen Tisch bewegen.

Ein Tipp für Menschen ohne Vorurteile

Ein Tipp für Menschen ohne Vorurteile. Auf dem kurzen Weg Richtung Schloss fielen zwei Streifenwagen auf, was der Bekannte prompt zu einem Seitenhieb in Richtung Offenbach nutzte. Und auch am Billard-Café selbst war der Anblick der Lokalität zwar Auslöser für kurzes Stutzen. Doch weil es erstens werktags und zweitens mittlerweile schon recht spät und damit die Chance, etwas anderes zu finden, relativ gering war, blieb keine Wahl.

Die erste Partie verlor die Volontärin knapp, die zweite mehr als verdient. Kurz nach Anstoß der dritten Partie begann unverhofft ein anderes Spiel mit ganz anderen Regeln: Ein mehrköpfiger Polizeitrupp stürmte die Räume. „Allgemeine Personenkontrolle, Ihre Ausweise, bitte!“ Nun hat man als unbescholtener Bürger natürlich nichts zu befürchten. Trotzdem ist so eine Kontrolle – zumal für Nicht-Offenbacher eine Premiere – eher unangenehm.

Brav Personalausweise vorzeigen

Dass derartige Einsätze auch für die Beamten kaum ein Vergnügen sein können, erwies sich aufmerksamen Beobachtern, die schon brav ihre Personalausweise vorgezeigt hatten, schnell. Längst nicht alle Anwesenden kamen ihrer Auskunftspflicht anstandslos nach. Stattdessen merkwürdige Reaktionen: „Sie sehen doch, dass ich gerade mitten in einer Partie bin. Also lassen Sie mich das Spiel hier erstmal beenden...!“ Die sich anschließende Diskussion war, freundlich formuliert, zäh.

Deutlich auskunftsfreudiger als die Kontrollierten am Dienstag war die Polizei gestern. Das Südosthessenpräsidium informierte auf Anfrage: „Derartige Kontrollen machen wir in regelmäßigen Abständen. Am späten Dienstagabend waren wir in diversen Lokalitäten in der Innenstadt unterwegs.“

Mehrere Dutzend Menschen seien zwischen 22 Uhr und Mitternacht kontrolliert worden; Ziel solcher Aktionen sei neben der Suche nach Straftätern auch die Gefahrenabwehr durch präventive Präsenz. Eine Taktik, die durchaus Wirkung zeigt. Auf verdächtige Zeitgenossen möglicherweise, auf Ortsfremde mit Offenbacher Erstkontakt ganz bestimmt und nachhaltig.

Festnahmen zwischen Billardtischen

Und auf Menschen, die es auf Fahndungslisten geschafft haben, auch. Zwar ist im Polizeibericht von Festnahmen zwischen Billardtischen keine Rede. Doch, kurioser Zufallstreffer: Bei der Kontrolle eines anderen Etablissements in der Bieberer Straße wurden sowohl Gäste als auch beschäftigte Damen überprüft – zunächst ohne nennenswerte Ergebnisse. Kurz vor Aktionsende dann aber die Überraschung: Die Kollegen in Frankfurt suchten per Haftbefehl nach einer der zuvor kontrollierten Damen aus dem Rotlichtmilieu. Unter anderem wegen wiederholtem Schwarzfahren.

Also fuhren die Beamten kurzerhand zurück, um die Frau doch noch mit aufs Revier zu nehmen. Da blieb die 37-Jährige zwar nicht lange – sie kaufte sich mit 1300 Euro vom 150-Tage-Strafbefehl frei. Doch sie wird bald wiederkommen müssen: Drogenbesitz. Bei der Durchsuchung ihrer Kleidung auf der Wache hatten die Beamten eine kleine Portion Crack und die dazugehörenden Konsum-Utensilien gefunden.

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