22-Jähriger Offenbacher bekommt zwei Jahre

„Bin doch nur Einbrecher“

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Offenbach - Es hätten gut und gern auch sieben Jahre Knast wegen schweren Raubs werden können. Dennoch kommt ein 22-Jähriger Offenbacher vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Darmstadt ziemlich überraschend mit zwei Jahren davon. Von Thomas Kirstein

Die addieren sich zur zweijährigen Bewährungsstrafe aus dem Jahr 2011.

Wie sein Pflichtverteidiger, der Offenbacher Rechtsanwalt Wolfram Rädlinger, berichtet, verdanken sich die mildernden Umstände auch einer fehlgesteuerten kriminellen Energie. Der junge Mann, der sich drei anderen Ganoven angeschlossen hatte, überzeugte das Gericht davon, dass zumindest er keineswegs auf einen Überfall aus gewesen sei. So beteuerte er sein berufliches Selbstverständnis: „Ich bin doch kein Räuber, ich bin doch nur Einbrecher.“ Bereits verurteilt ist er wegen einer Serie von Geschäftseinbrüchen.

Überfall in der Nacht

Der Überfall in der Nacht zum 7. Januar gehört zu den spektakulären und brutaleren der jüngeren Vergangenheit: Vier Täter suchen an diesem Januartag gezielt eine Wohnung in einem alten Mehrfamilienhaus an der Waldstraße 199 auf, brüllen „Polizei, aufmachen!“, treten sofort die Wohnungstür ein, machen den Hund mit einem Elektroschocker kampfunfähig, zwingen einen 26-Jährigen auf den Boden, treten auf ihn ein, halten seiner 31-jährigen Lebensgefährtin eine Pistole an den Kopf und verlangen „Drogen und Geld“. Die Beute ist nicht der Rede wert, eine Handtasche und wenig Bargeld.

Am 8. März wird das Quartett aufgrund von Hinweisen aus der Szene geschnappt. Der 22-Jährige erstaunt den ermittelnden Hauptkommissar Christian Klinger mit einem außergewöhnlich präzisen Geständnis zu dieser Tat und anderen Verbrechen. Seine 20, 19 und 17 Jahre alten Komplizen, ebenfalls als Mehrfach- und Intensivtäter in den Polizeiakten geführt, müssen sich demnächst, am 30. Januar, in Offenbach verantworten, wegen ihres geringeren Alters noch vor dem Jugendgericht.

Mindestens fünf Jahre

Mindestens fünf Jahre hätten den Senior des Quartetts erwartet, zwei mehr wären nicht unwahrscheinlich gewesen, meint sein Anwalt Rädlinger. Aber aus dem schweren Raub ist im Urteil einer in einem minderschweren Fall geworden: weil er eigentlich „nur“ habe einbrechen und niemanden bedrohen wollen; laut Rädlinger verdankt sich das mildere Urteil einer „subjektiven und objektiven Abweichung vom angeklagten Tatbestand des schweren Raubs“.

Dass der Angeklagte einen solchen nicht beabsichtigte, stützen auch Angaben der Opfer. Die Frau sagte aus, der 22-Jährige habe die Pistole seines Komplizen von ihrem Kopf weg gedrückt. Dass sie dieses Verhalten so genau zuordnen kann und sogar vom „Netten“ spricht, liegt an einem Umstand, den Anwalt Rädlinger wie eine Szene aus einer Gaunerkomödie schildert:

Gut auf einen Überfall vorbereitet

Die Komplizen haben sich gut auf einen Überfall vorbereitet und ziehen beim Eintritt in die Wohnung Strumpfmasken über. Sein Mandant hat jedoch keinen Anlass für größere Vermummungs-Vorsorge gesehen und präsentiert als Einziger sein gut erkennbares Gesicht.

Eine gewisse Unbedarftheit des Gauners erkannte die Kriminalpolizei schon bei einer früheren Tat: Am 15. Januar hatte der 22-Jährige eine Zeitarbeitsfirma heimgesucht und sich in Ermangelung eines motorisierten Komplizen zwecks Abtransport der Beute ein Taxi zum Tatort bestellt.

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