Biotonne und „Abfall-App“

Mülltrennung: Die nächste Tausch-Stufe

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Offenbach -   Eine simple Regel: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Heute wäre Aschenputtel verwirrt. Der Joghurtbecher gehört in den Gelben Sack, die umfassende Banderole in die Papiertonne, der restliche Klecks Milchprodukt in die Biotonne. Von Martin Kuhn 

Puuhh! Nein, es ist kein Märchen der Brüder Grimm. Das Procedere gehört seit 1. April zur Offenbacher Wirklichkeit. Oder besser: Es sollte. Nach 14 Tagen zieht der Eigenbetrieb der Stadt zwar eine „positive Bilanz“, sagt Sprecher Oliver Gaksch. Allerdings reift an der Daimlerstraße die Erkenntnis, „dass noch viel Informationsbedarf besteht“. Stark frequentiert ist etwa die Durchwahl zum Beratungsteam (Tel.: 8065-3499), das Fragen zum Bioabfall beantwortet sowie Kritik und Anregungen notiert.

Als zusätzlichen Service stellt der ESO voraussichtlich vor Ostern eine sogenannte Abfall-App kostenlos bereit. Die Anwendung bietet in der ersten Stufe eine Art Alarm-Funktion fürs Smartphone: Sie erinnert daran, (im Teilservice) die passende Tonne rechtzeitig an den Straßenrand zu schieben. Später wird eine Art „Abfall-ABC“ hinzugefügt. Kurz gesagt: Der bekannte Abfallkalender kommt künftig in elektronischer Form daher.

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Der subjektive Eindruck, dass die Befüllung der braunen Tonnen mit biogenem Material nicht so reibungslos läuft wie gedacht, teilt der Stadtbetrieb nicht. Problematisch, so die Beobachtung eines Offenbachers, der sich in der Redaktion meldet: „Die Leut’ sammeln zwar eifrig Biomüll, stopfen ihn aber mitsamt Plastikbeutel in die Tonne.“ Also, das geht gar nicht! Ist das Ergebnis hingegen noch akzeptabel, prangt ein gelber Zettel an der Tonne. Heißt: Heute noch geleert, aber das nächste Mal besser trennen. Entdecken die Müllwerker bei „Sichtkontrollen“ Plastiktüten, bleibt die Tonne stehen – versehen mit einer roten Karte: Falsch befüllt! Das wird teuer. Dann ist (stets schriftlich) beim Stadtservice eine Zusatz- oder Sonderleerung zu beantragen. Zusätzlich bedeutet: Die Biotonne wird bei der regulären Restmüllabfuhr mit abgeholt. Dafür sind etwa für eine 80-Liter-Tonne 12,30 Euro fällig plus 3,56 Euro Entsorgungsgebühren. Die Sonderleerung (extra Anfahrt) schlägt mit erheblich mehr zu Buche: 60,87 Euro plus 3,56 Euro.

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Generell attestiert Oliver Gaksch den Offenbachern eine bislang gute Mülltrennung. „Die Biotonnen, die wir abfahren, sind ordentlich befüllt.“ Allerdings, so räumt er ein, stehen bei weitem nicht alle der 15 000 ausgegebenen Biotonnen draußen. Bis Ende letzter Woche summiert sich das alles auf nahezu 71 Tonnen Bioabfall, die zur Rhein-Main Biokompost GmbH gebracht wurden. Die betreibt im Frankfurter Osthafen eine der modernsten Bioabfallbehandlungsanlagen Deutschlands. „Bei der Annahme gibt’s derzeit keinerlei Probleme“, betont der ESO-Sprecher.

Beim Stadtdienstleister sitzen die Mitarbeiter an der nächsten Tausch-Stufe. Allein mehr als 1200 Anträge auf Eigenkompostierung sind final zu prüfen. Bislang gab’s eine Zwischenmeldung, in der die Angaben der Bürger grundsätzlich akzeptiert wurden. Zudem folgt in einem zweiten Schritt der Tausch der grauen Tonnen. Alle Hauseigentümer, die mit Einführung der Bio- eine Verringerung der Restmüll-Volumen beantragt haben, erhalten in den nächsten Tagen Post vom ESO. Darin sind die Modalitäten für den Tonnentausch erklärt.

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