Das Bio kommt in die Tonne

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Bunte Tonnenparade: So oder so ähnlich könnte es ab April 2014 in den Offenbacher Hinterhöfen aussehen. Die Biotonne (meist braun) erweitert das Farbenspektrum.

Offenbach - Die Zeiten ändern sich: Noch vor vier Jahren war die mechanische Trennung von Bio- und Restmüll das Maß der Dinge. Von Martin Kuhn

Eine vom ESO beauftragte Konzeptstudie ergab damals, dass sich die Einführung einer Biotonne aus „ökonomischer und ökologischer Sicht in Offenbach nicht empfiehlt“.

Was seither Schredder, Trommelsieb und Metallabscheider erledigten, soll nun in die Hände der Bürger gelegt werden. Es ist keine lokale Kehrtwende. Dies regelt das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) als zentrales Bundesgesetz. Also kommt sie doch, die Biotonne – bundesweit zwingend spätestens zum 1. Januar 2015.

ESO-Geschäftsführer Markus Patsch stellte das neu entwickelte Konzept im Umweltausschuss vor. Alle Details (Abfallsatzung, Kosten, Gebühren, Abdeckung) konnte der Betriebswirt noch nicht nennen. Bislang steht jedoch ein straffer Zeitplan, damit das alles in Offenbach zum 1. April 2014 startet – die Zustimmung des Parlaments vorausgesetzt und daher wohl mit einem zeitlichen Puffer versehen.

Gebührenstabilität für die Bürger

Das oberste Ziel ist laut Patsch, eine Gebührenstabilität für den Bürger zu erreichen: „Daher müssen wir möglichst viel Biomüll aus dem Restmüll holen.“ In Zahlen: Mehr als 27 000 Tonnen Restmüll fallen jährlich in der Stadt an. Ungefähr 35 Prozent (9000 Tonnen) davon sind Komponenten, die als Bioabfall gelten. Das ergab eine Sortieranalyse. Markus Patsch vermutet jedoch: „Alle biogenen Bestandteile werden wir nicht komplett in die Tonne bekommen.“ Das ehrgeizige Ziel der ESO-Fachleute lautet, im ersten Jahr gut 5000 Tonnen Bioabfall in Offenbach zu sammeln.

„Bekommt jeder Haushalt eine solche Tonne?“, will der Republikaner Hans-Joachim Münd erfahren. Knappe Antwort: „Ja.“ Ausnahmen außerhalb größerer Wohnanlagen sind nicht vorgesehen. Das weitere Procedere ist zu erörtern. So werden beispielsweise in der Landeshauptstadt zwei Biotonnen angeboten – 120 und 240 Liter. Ob diese Auswahl für Offenbach genügt, wird zu klären sein; denkbar seien auch kleinere 80-Liter-Gebinde, sagt der Geschäftsführer. Schließlich wiegt die kompakte, teils feuchte Biomasse einiges.

Weitere Investitionen fällig

Für den Stadtdienstleister steht indes fest, dass weiter in Personal und Fuhrpark investiert werden muss. So ist bislang vorgesehen, zwei weitere Müllfahrzeuge anzuschaffen. Der Grund: Die zusätzlichen Touren im Zwei-Wochen-Rhythmus („Sonst wird es problematisch mit dem Geruch“) sind nur so zu bewerkstelligen.

Ein ganz anderes Problem: Hausbesitzer, die ihren Biomüll bereits auf dem eigenen Komposthaufen verwerten. Da werden die ESO-Mitarbeiter genauer hinschauen: Allein der Hinweis an die Verwaltung, man habe Komposthaufen oder -tonne hinter dem Haus, reicht vermutlich nicht aus. Auch diese Frage ist offen: Dürfen mehrere Nachbarn gemeinschaftlich eine Biotonne nutzen?

Etwas ganz anderes interessiert die CDU-Stadtverordnete Anja Fröhlich. Sie will wissen: „Fehlen denn nicht die 5000 Tonnen im Müllkraftheizwerk? Ist für den dortigen Betrieb ein weiterer Müllimport notwendig?“ Da meldet sich Stadtwerke-Chef Peter Walther zu Wort: „Ein solcher läuft bereits. Bei einer Kapazität von 200.000 Tonnen jährlich an der Dietzenbacher Straße ist das allein mit Offenbacher Hausmüll nicht zu erreichen.“

Jetzt haben Magistrat, Betriebskommission und Parlament das Wort, bevor es heißt: Restmüll reduzieren, Gebühren sparen. Den Weg des Biomülls erklärt übrigens die „Sendung mit der Maus“:

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