Das Organische ins Braune

Biotonne für Offenbach ab April 2014

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Der Tonnen-Nummer kann sich kaum einer entziehen: Dies regelt das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) als zentrales Bundesgesetz.

Offenbach - Wie mache ich dem Bürger eine zusätzliche Auflage bloß schmackhaft? Richtig: Über das Portemonnaie! Wer künftig das organische Material säuberlich vom restlichen Müll trennt, kann diverse Euro sparen. Es kann ihn aber auch teurer kommen. Von Martin Kuhn

Prognose: Das gibt Ärger – auch wenn alle Protagonisten betonen, dass es in der großen Offenbacher Summe keine Gebührenerhöhungen gibt. Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) sagt: „Das Thema ist emotional besetzt. Eine Mülltonne hat jeder. “ Der Tonnen-Nummer kann sich kaum einer entziehen: Dies regelt das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) als zentrales Bundesgesetz. Die Biotonne kommt bundesweit zwingend spätestens zum 1. Januar 2015. Einzige Ausnahme: Bei einem Komposthaufen im eigenen Garten ist eine Befreiung möglich – das wird gegebenenfalls aber geprüft.

Ansonsten ist es eher ein kompliziertes Rechenverfahren mit vielen Zahlen und Unbekannten. Man nehme etwa die Müllmengen: Zirka 27.000  Tonnen Offenbacher Restmüll waren 2012 zu entsorgen. Experten gehen davon aus, dass nahezu 40 Prozent biogene Stoffe und demnach verwertbar sind – gut 10.000 Tonnen. Bei Einführung der Biotonne werden aber maximal 40 Prozent abgeschöpft. Letztlich sind es geschätzte 4.200 Tonnen, um die der bisherige Restmüll reduziert wird. Hinzu kommt Grünschnitt, den Offenbacher bislang zum Wertstoffhof gefahren haben.

Bioabfall entsorgen ist günstiger als Restmüll verbrennen 

Die Entsorgungsgebühren, die an die Rhein-Main-Abfall-GmbH zu zahlen sind, reduzieren sich um etwa eine Million Euro jährlich. Stadtwerke-Chef Peter Walther: „Die Entsorgung von Bioabfall ist günstiger als das Verbrennen von Restmüll.“ Einen Abnehmer (Biovergärungsanlage) will der Stadtbetrieb bis August finden, betont ESO-Geschäftsführer Markus Patsch.

Einen ambitionierten Zeitplan legt der Stadtdienstleister zur Einführung der Biotonne vor.

Das alles ruft doch geradezu nach einer Gebührenreduzierung für den Bürger? „Leider nicht“, sagt Patsch und rechnet vor: Der Dienstleister muss drei neue Müllfahrzeuge (jeweils etwa 175. 000 Euro) anschaffen und zwölf Mitarbeiter einstellen. Als logistische Herausforderung gilt die Bereitstellung der zusätzlichen braunen Tonnen (hier: Deckel). „Da dieser Markt begrenzt ist, wollen wir das alles vor anderen Kommunen erledigen“, ergänzt der Bürgermeister. Zu erledigen ist zudem die Öffentlichkeitsarbeit. Und da wird’s für den Gebührenzahler interessant. Zwei von ungezählten Beispielen: Da ist der Drei-Personen-Haushalt, der eine 80-Liter-Tonne im Zwei-Wochen-Rhythmus im Teilservice leeren lässt. Kosten: 101,64 Euro. Künftig hat er zwei 60-Liter-Tonnen und zahlt 115,44 Euro (77,76 für Rest-, 37,68 für Biomüll). Ein Plus von 13,6 Prozent. Oder der Vier-Personen-Haushalt, der eine 120-Liter-Tonne zu den gleichen Bedingungen bestellt hat. Kosten: 152,40 Euro. Künftig: 80-Liter-Rest- und 60-Liter Biotonne für zusammen 137,64 Euro. Ein Minus von 9,7 Prozent.

Neue Tonnengröße für Offenbach

Damit ist klar, dass in Offenbach eine neue Tonnengröße eingeführt wird: 60 Liter. Die Bio-Leerungsintervalle folgen der bisher bestellten Restmüllabfuhr – eine Mischung ist nicht vorgesehen. Einschränkung zu Lasten der Bürger: Die jeweiligen Wochentage können abweichen. Schmankerl: Alle Haushalte erhalten ein sogenanntes Vorsortiergefäß. Darin wird der Biomüll am besten in Zeitungspapier eingeschlagen, heißt es bereits. Es wird sich zeigen, ob dieses Verfahren ausreicht, um bei Temperaturen wie den aktuellen die Geruchsbelästigung in verträglichem Maß zu halten.

Alles weitere soll mit viel Informationsmaterial den Offenbachern vermittelt werden. Wenn das nicht genügt und der Biomüll verunreinigt ist („Da gibt es einzelne uns bekannte Liegenschaften...“), werde der Außendienst des ESO auch mal an der Haustür klingeln. Und ist die falsch befüllte Biotonne als Restmüll einzeln abzuholen, „wird’s richtig teuer“.

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