Spielraum bis zur gesetzlichen Verpflichtung

Biotonne: Wer falsch füllt, bezahlt

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Aufgepasst! Die Biotonne ist zwar da, aber noch versiegelt. Ernst wird es für die Offenbacher ab 1. April. Da ist reichlich Spielraum bis zur gesetzlichen Verpflichtung. Ab 2015 ist eine noch striktere Trennung verschiedener Abfallsorten bundesweit vorgeschrieben.

Offenbach - Überzeugungsarbeit. Die leistet der Stadtbetrieb ESO verstärkt für die Abfalltrennung, seit der Termin zur Einführung der Biotonne feststeht – 1. April. Am Telefon, im Bürgerbüro und demnächst in den Stadtteilbüros stehen die Mitarbeiter Rede und Antwort. Von Martin Kuhn 

„Die wenigsten gehören zur Gruppe aggressiven Verneiner“, sagt Geschäftsführer Peter Walther. Erfreulich ist für den Stadtdienstleister der Rücklauf der 17000 Schreiben an Hauseigentümer. 3500 haben sich gemeldet. Das „positive Signal“ bereitet indes viel Arbeit. Zumeist geht es um eine andere Behältergröße, zudem um die Eigenkompostierung. Gut 1000 Offenbacher wollen diese nutzen und somit Bares sparen, da in diesem Fall der Anschlusszwang entfällt. „So viele haben wir nicht erwartet“, heißt es. Aber bei den Anträgen wird, sagen wir mal so, gehübscht und großzügig gerechnet.

Die kommunale Abfallsatzung knüpft das an zwei Voraussetzungen: Zunächst ist ein ausreichend dimensionierter Komposter zu nutzen. Und es braucht „eine eigene gärtnerisch oder landwirtschaftlich genutzte Fläche von mindestens 25 Quadratmeter je Grundstücksbewohner für die Ausbringung des selbst produzierten Komposts“. Wie so oft gilt zunächst die Unschuldsvermutung. „Aber wir werden das alles überprüfen“, sagt Christian Loose. Das beginnt etwa bei der Zahl der an der Adresse gemeldeten Bewohner.

15.000 neue Biotonnen zu verteilen

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Bis Ende März sind 15.000 neue Biotonnen zu verteilen. Die hat die Firma Sulo geliefert, die im Auftrag auch die die Verteilung übernimmt. Es gibt zwei Standard-Korpusse (240 und 120 Liter), die mittels Einsatz auf 80 oder 60 Liter zu reduzieren sind. Ein brauner Griff macht sie – neben einem Aufkleber – zur Biotonne. „Dieses einheitliche System spart uns und somit letztlich dem Gebührenzahler viel Geld“, betont der technische ESO-Geschäftsführer Markus Patsch. Mit Spezialschlüssel sind problemlos sowohl der verkleinernde Innenbehälter als auch die „Abfallfraktion“ zu ändern.

Die Drei von der Tonnenstelle: Peter Walther (kaufmännischer Geschäftsführer, 240 Liter, Vollservice, wöchentlich), Peter Schneider (Bürgermeister, 120 Liter, Teilservice, zweiwöchentlich), Markus Patsch (technischer Geschäftsführer, 120 Liter, Teilservice, wöchentlich).

Findige Tüftler sollten allerdings nicht selbst Hand anlegen. Ein Chip enthält alle Informationen zur Tonne – Gebührenschuldner, Liegenschaft, Leerungsintervall, Volumen. Das entsprechende Lesegerät befindet sich an den drei nagelneuen Drehtrommel-Müllfahrzeugen, die zum Preis von je 180.000 Euro ab heute geliefert werden. Zudem schafft der Dienstleister elf neue Stellen für Fahrer und Lader. „In Vollzeit, über den Mindestlohn“, so Bürgermeister Peter Schneider.

Und wie finanziert der ESO das alles? Nun, die Vergärung von einer Tonne Biomüll (eine enge Kooperation mit Frankfurt ist geplant, aber noch nicht unterschrieben) gerät um einiges billiger als die Verbrennung einer Tonne Restmüll. „In der Gebührenkalkulation bleiben wir in der Summe stabil“, betont Peter Walther, der sehr wohl weiß, dass das individuell anders aussehen kann – gerade bei Eigentümern von Einfamilienhäusern; angestrebt sei aber stets eine kundenorientierte Lösung.

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Damit der künftige Vergärer den Offenbacher Biomüll annimmt, ist der möglichst sortenrein anzuliefern. „Kein Plastik, auch keine kompostierbaren Plastiktüten“, definiert das Kollege Patsch. Es erklärt sich allein aus der Verwertung: Der lokale biogene Anteil wird eben nicht kompostiert, sondern vergoren. Per Sichtkontrolle prüfen die Müllwerker, was ab 1. April alles in der Biotonne landet – intern heißt das Fehlwürfe. Passt das nicht zu den Vorgaben, ist händig nachzutrennen oder per Restmüll zu entsorgen. Dann ist eine Sondergebühr fällig.

„Aber so etwas machen wir nicht gern“, heißt es. Daher setzen die Verantwortlichen auf die aktive Mitarbeit der Bevölkerung. Vielleicht ist ja das Motto hilfreich, das sich der ESO dazu ausgedacht hat: Was bleibt ist Energie. So will er im ersten Jahr gut 6000 Tonnen Biomüll sammeln – mindestens...

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