Tausch verlangt

Biotonnen: Fehlt ohne Einsatz das Zertifikat?

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Offenbach - Otwin Hagenauer gibt nicht auf. Er verlangt von der Stadt, namentlich Bürgermeister Peter Schneider, den Tausch der Biotonnen. Von Martin Kuhn 

Nach seiner Einschätzung sorgen die ausgelieferten Tonnen nicht nur für eine Geruchsbelästigung, sondern sind in der jetzigen Form nicht zertifiziert, also nicht zugelassen. „Das will ich geklärt wissen“, kündigt Schneider an.

Worum geht es? Hagenauer bezweifelt, dass die aktuelle Offenbacher Biotonnen-Variante in ihrer Form genehmigt ist. Dazu ist ein genauer Blick notwendig, der sich auf die 120-Liter-Gefäße beschränkt, deren Volumen mit zwei Plastikeinsätzen auf 80 beziehungsweise 60 Liter zu reduzieren ist. In diesen beiden Fällen ist alles in Ordnung. Fehlen jedoch die Einsätze, werden am Tonnenrand längliche Öffnungen sichtbar. Hagenauer bezeichnet sie als „Belüftungsschlitze“, die einen rasanten Anstieg der Fliegen- und Madenpopulation erst ermöglichen. In einer E-Mail, die der Redaktion vorliegt, belegt er das mit unappetitlichen Details. Bei der Herstellerfirma will er erfahren haben, „dass der Einsatz einer Biotonne nicht entfernt werden darf“.

Biotonne ohne besagtes Reduzierungs-Teil

Der Bürgermeister möchte genau wissen, ob die Biotonne ohne besagtes Reduzierungs-Teil vorschriftsmäßig ist. Den kommunalen Dienstleister ESO hat er angewiesen, das nochmals beim Lieferanten der gut 14.000 Biotonnen zu klären. „Sollte es ein Problem sein, muss es eine praktikable Lösung geben“, sagt Schneider. Bisheriger Sachstand: Die Beschaffung der lokalen Biobehälter erfolgte in einer europaweiten Ausschreibung, „die Funktionalität und Einsatzzweck der Behälter“ beschrieb. Für den Bieter sei es verpflichtend gewesen, „dass sämtliche Leistungen unter Beachtung gesetzlicher Vorschriften und Regelungen erfolgen müssen“, so der Grünen-Politiker.

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Dass die belüfteten Biotonnen eine Art Offenbacher Erfindung oder Modifikation darstellen, mag der Bürgermeister nicht glauben. Der verwendete Vario-Behälter werde in vielen Städten und Kreisen (Darmstadt, Wiesbaden) „sowohl mit als auch ohne Einsätze als Biotonne genutzt“. Die Behälter seien seit etwa 20 Jahren auf dem Markt. „Die Erfahrungen von Tausenden widersprechen nicht einer Nutzung des Vario-Behälters als Biotonne. Ganz im Gegenteil. Er bietet durch seine Flexibilität in der Anwendung den Abfuhrbetrieben Vorteile, die jedem Bürger zugute kommen.“

Um einem Maden- und Fliegenbefall zuvorzukommen, setzt der Bürgermeister persönlich auf bewährte Hausmittel. Wie viele andere auch empfiehlt er „als primäre Maßnahme“, beispielsweise rohes Fleisch und Fisch in Zeitungspapier einzuwickeln, um einer unüblichen Population entgegen zu wirken. „Ich hatte so ein Problem jedenfalls noch nicht.“ Bleibt die Frage, ob das Otwin Hagenauer besänftigt und von seiner Forderung nach neuen, zertifizierten Biotonnen abbringt. Seine Nachricht an Schneider hört sich nicht so an: „Sollte ich nichts von Ihnen hören, so werde ich mich nächste Woche an den Naturschutzbund wenden, mit dem Ziel, dass die Stadt verklagt wird.“

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