Biotonne in Offenbach

„Die Tonnen leben“

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Unverständnis, Unmut, Kopfschütteln: Die Reaktionen nach 89 Tagen mit der Biotonne sind wenig positiv. Dennoch wird das Rad nicht zurückgedreht. Auch wenn’s vielen Offenbachern stinkt. Die Abfalltrennung läuft nicht so, wie es sich die Verantwortlichen erhofft haben.

Offenbach - „Ich sage Ihnen eins: Die Tonnen leben...“ Es ist kein Satz aus einem Trash-Streifen (englisch: Müll!) der 1970er Jahre mit unlogischer Handlung und billigen Effekten. Die Frau wohnt an der Bismarckstraße. Von Martin Kuhn 

Anschaulich beschreibt sie, wie es um die Biotonne in der Liegenschaft bestellt ist. „Also, ich hol’ die nicht mehr rein“, schließt sie das Telefonat. Eins von vielen, die nahezu täglich in der Redaktion eingehen. Offenbar ist es für den Stadtbetrieb ESO nicht allein mit der Auslieferung der Biotonnen getan. Da bleibt einige Überzeugungsarbeit zu leisten. Um’s nochmals zu verdeutlichen: Die Biotonne ist keine Offenbacher Erfindung oder Spielerei. Ab 1. Januar 2015 ist sie bundesweit verpflichtend; geregelt ist das alles im sogenannten Kreislaufwirtschaftsgesetz. Während andere Kommunen und Kreise aber noch diskutieren, ist die Verwertung biogener Massen hier bereits Realität.

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Zum Rechenmodell: 40 Prozent des bisherigen Restmülls ist bioenergetisch zu verwerten, das entspricht etwa 10.000 Tonnen. „Wir trauen uns nach wie vor zu, davon die Hälfte durch die Getrenntsammlung per Biotonne einer sinnvollen Verwertung zuzuführen. Das wären monatlich zirka 440 Tonnen Biomüll“, rechnet ESO-Sprecher Oliver Gaksch vor. Ein Ziel, das der kommunale Eigenbetrieb bislang nicht erreicht. „Wir sind nicht da, wo wir gern wären“, sagt er. Das heißt: Im ersten Monat kamen auf den Offenbacher Touren 217 Tonnen Bioabfall zusammen, im Mai waren es 265 Tonnen, für Juni liegen logischerweise noch keine Zahlen vor. Trotz steigender Tonnage verwundert das nicht unbedingt. So berichtet die Bürgelerin Brigitte Fenn, die zugegebenermaßen etwas außerhalb wohnt, dass ihre Biotonne in dieser Zeit noch nie geleert wurde. „Es hat sich nichts geändert, unsere Tonne wird ignoriert“, berichtet sie.

Ein Einzelfall? Vielleicht. Aber auch dort, wo die Tonne korrekt steht und abgefahren wird, läuft es nicht nach Plan. Eine gängige Beobachtung, die der ESO bestätigt: Etliche Biobehälter werden noch gar nicht beziehungsweise nicht vollständig genutzt. Gaksch: „Viele Abfälle landen nach wie vor in der Restabfalltonne. Da gilt es, das Trennverhalten zu optimieren und weiter an der Akzeptanz und Bereitschaft zur Nutzung der Biotonnen zu arbeiten.“ Sicher ein löbliches Ziel, das immer wieder an den lokalen Gegebenheiten scheitert. „Schauen Sie sich mal diesen Dreck an“, fordert ein anderer Anrufer, der gleich ein paar unappetitliche Bilder nachliefert. Solche Fehlbefüllungen sind nicht die Regel, kommen aber „in einem durchaus erwarteten Maß“ vor. Sind diese „Fehlwürfe“ noch vertretbar, markieren die ESO-Mitarbeiter die Tonnen mit gelben Karten; ein Hinweis, dass die Tonne nicht korrekt gefüllt war und beim nächsten Mal stehen bleibt. Seit 1. April wurden so 1200 Verwarnungen erteilt.

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Finden sich überwiegend Restmüll, Plastik oder Metall in der braunen Tonne, ist die nächste Stufe fällig. Wie im Fußball folgt auf „gelb“ zwingend „rot“. Dann bleibt die Tonne ungeleert stehen, versehen mit einem entsprechenden Aufkleber. Das passierte 800 Mal. „Klingt im ersten Moment hoch, ist aber keine schlechte Quote“, relativiert der ESO-Sprecher. Die Rechnung, die dazu an der Daimlerstraße aufgemacht wird: In April und Mai wurden 112 000 Biotonnen geleert. Damit liegt die Quote der falsch gefüllten Behälter bei etwa 0,71 Prozent. Aber nicht allein die mangelnde Befüllung der Biogefäße wird den Stadtdienstleister noch geraume Zeit beschäftigen. Mit Einführung der gut 14.000 braunen Tonne haben die Haushalte ihre schwarzen Restmüllbehälter getauscht – in der Regel mit geringerem Volumen. Auch da gab es Fehler. Gaksch betont: „Die noch anstehenden Korrekturen werden zeitnah abgearbeitet. Um dies zu erreichen, sind wir ständig mit zwei Teams unterwegs.“ Dem Gebührenzahler sollen in solchen Fällen keine Nachteile entstehen.

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