Neuen Gebührensatzung

Biotonne häufig ungenutzt

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Seit 2015 gibt es in Deutschland eine bundesweite Biotonnen-Pflicht. Allerdings wandert zu wenig Gemüseabfall in die Behälter.

Offenbach - Seit drei Jahren müssen es Städte und Gemeinden ermöglichen, Küchen- und Grünabfälle getrennt vom Restmüll zu sammeln. Der NABU hat recherchiert, dass bundesweit heute mit 4,57 Millionen Tonnen weit weniger Bioabfall getrennt erfasst und verwertet wird als möglich. Von Martin Kuhn 

Offenbach bildet da keine Ausnahme. Dreckig, stinkig, schimmelig. Hat die Biotonne ein Imageproblem? Vermutlich. Oder sogar: Offenbar. Denn selbst in den Wintermonaten, in denen Fliegen und Maden nicht die Behälter als Refugium lieben und es ausgiebig besiedeln, sammeln die Offenbacher weiterhin zu wenig Biomüll.
Für das gesamte Bundesgebiet hat es der Naturschutzbund Deutschland (NABU) mal aufgeschlüsselt. Aktuelle Studien zeigten, „dass weiter nahezu die Hälfte unseres Restmülls aus Küchen- und Gartenabfällen, kleinem organischen Müll sowie (verpackten) Lebensmitteln bestehen“. Das wären zu den genannten 4,6 Millionen Tonnen zusätzlich noch einmal die gleiche Menge – mindestens. „Eine riesige Ressourcenverschwendung“, folgert die Organisation.

Für Offenbach fällt diese Rechnung noch etwas schlechter aus: 10.000 Tonnen Bioabfallkapazität sind laut einer 2013 in Auftrag gegebenen Abfallanalyse in der Stadt vorhanden, dies sind 40 Prozent des Restmülls. „Aktuell werden aber pro Jahr nur rund 3500 Tonnen gesammelt“, räumt Sprecherin Sigrid Aldehoff ein. Zwar steige die Menge stadtweit monatlich um rund 20 Tonnen an. Um dies weiter zu steigern, setzt der Stadtservice in diesem Jahr auch auf den Vegetationszyklus. Im Frühjahr und Sommer fällt naturgemäß mehr Grünschnitt an.

Zudem wird die Information gestärkt. Nach Taos Rap „Die Zukunft ist im Eimer“ (1327 Aufrufe bei youTube) haben die Offenbacher dieser Tage Post bekommen, in der sie um ihre verschimmelten Käsescheiben und harten Brotkanten gebeten werden. Denn der Stadtservice weiß: „Der Biomüll ist da, er landet nur nicht in der Tonne.“

„Vielen Dank für Ihren Bioabfall“, heißt es daher in dem Schreiben, „wir können gar nicht genug davon bekommen.“ Grund: Nicht nur die Abfallmenge stagniert auf niedrigem Niveau. Seit im April 2014 jeder Haushalt eine Bioabfalltonne bekommen hat, werden zwar viele der Gefäße mit braunem Deckel sehr zuverlässig genutzt - viele andere aber werden nie zum Leeren bereitgestellt.

Für die Verantwortlichen ist’s ein Unding, „denn der Inhalt hilft Ressourcen zu schonen“: Welke Wirsingköpfe, verschrumpelte Äpfel und matschige Tomaten werden in eine Biogasanlage gefahren und dort vergoren. Dabei wird Strom gewonnen und der organische Rest dient noch als Dünger. Dies wird in einem mehrsprachigen Flyer mit Infos rund um das Thema Bioabfall erklärt, den der Stadtservice den Schreiben beifügt.

Und es geht auch ums Geld. Denn Kartoffelschalen, Kaffeepads und verfaultes Obst kosten als Restmüll mehr Geld bei der Entsorgung als der getrennt gesammelte Bioabfall. Nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Bürger: Wer die Biotonne konsequent nutzt, kann vermutlich auf eine kleinere und günstigere Restabfalltonne umsteigen. Das zeigt ein Blick auf die beschlossene Abfallsatzung, die am 1. April in Kraft tritt: So steigt beispielsweise die wöchentliche Abfuhr einer 120-Liter-Restmülltonne im Vollservice von 338,04 auf 384,24 Euro. Bei einer 240-Liter-Restmülltonne steigt die Gebühr von 618,72 auf 703,80 Euro – jeweils pro Jahr.

Dabei schreibt der Stadtservice nun passgenau die Zielgruppen an, die nach einer Erhebung ihre braunen Tonnen mit dem braunen Deckel noch besser nutzen könnten. Dies sind zunächst die Bewohner der Innenstadt und im nächsten Schritt Großwohnanlagen. Dort werden zunächst die Eigentümer und die Hausmeister als Multiplikatoren informiert und mit Material zum Thema Bioabfall versorgt, damit sie bei den Bewohnern das Interesse für die getrennte Sammlung wecken können.

Unterwegs mit den Offenbacher Müll-Detektiven: Bilder

Gemeinsam mit weiteren Aktionen in den kommenden Monaten sollen die Offenbacher immer wieder daran erinnert werden, dass Bioabfall eine wichtige Ressource ist, mit der jeder zum Weltretter werden kann - zumindest ein bisschen. Außen vor sind die Haushalte, die nachweislich selbst kompostieren und daher keine braune Tonne erhalten haben: Das betrifft etwa zehn Prozent aller Haushalte vor allem in den Stadtteilen.

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