Flut der Anträge auf Eigenkompostierung

Zu viele Biotonnen in Offenbach verteilt

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Offenbach - Familie Ohlig in der Bürgeler Niedergasse staunte nicht schlecht: Da stand sie plötzlich vor ihrem Haus, die Biotonne. Dabei hatten die Ohligs sie gar nicht bestellt. Ganz im Gegenteil. Von Matthias Dahmer

Brav und fristgerecht hatten sie im vergangenen Jahr einen Antrag auf Eigenkompostierung gestellt, der – im Falle seiner Stattgabe – die neue Tonne entbehrlich macht. Über den Antrag der Bürgeler hat der Stadtdienstleister ESO noch nicht entschieden, den Bio-Behälter gab‘s trotzdem schon mal. Und: Die Ohligs sind ich die einzigen, denen es Anfang vergangener Woche so ergangen ist, als in Bürgel die Tonnen-Verteilung startete.

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ESO-Pressesprecher Oliver Gaksch, erklärt, wie das passieren konnte: Der ESO sei angesichts eines „überschaubaren Eigenkompostierungspotenzials in Offenbach“ von der Flut der Anträge auf Befreiung von der Biotonne überrascht worden. Insgesamt 1 200 Anträge seien eingegangen, die nun abgearbeitet werden müssten. Man habe zwar erstmal – ohne mögliche Befreiungen berücksichtigen zu können – mit der flächendeckenden Verteilung begonnen. Doch nach Rückmeldungen und Protesten aus Bürgel gleich am ersten Tag der Verteilung, so Gaksch weiter, habe der ESO reagiert und die Auslieferung an all jene Haushalte gestoppt, die Eigenkompostierung beantragt hätten. Betroffene wie die Ohligs gebe es in der Gemarkung Bürgel rund 60, sagt der Pressesprecher. Bei ihnen würden die Tonnen in den nächsten Tagen nach und nach wieder abgeholt. Keinesfalls sei es nun so, wie anrufende Bürgeler am ESO-Telefon zunächst erfuhren: Dass erstmal flächendeckend alle Biotonnen ausgeliefert werden und man sie dann bei jenen, die befreit sind, wieder abholt. Ohnehin, so Gaksch, sei nicht davon auszugehen, dass allen 1 200 Anträgen auf Eigenkompostierung stattgegeben werde.

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Warum man bei Bearbeitung der Befreiungsanträge nicht mit den Formularen der Bürgeler begonnen hat, wo doch auch die Verteilung startete, erklärt Gaksch so: Die mit der Tonnen-Ausgabe beauftragte Firma habe erst eine Woche vor Beginn der Verteilung mitgeteilt, wo sie loslegen werde. Grundsätzlich, lobt der ESO-Pressesprecher, klappe die Tonnen-Verteilung aber gut, bislang seien 3 500 aufgestellt. Kein Vergleich also mit dem Tonnen-Debakel Mitte der 1990er-Jahre: Damals wurden viel zu viele Papiertonnen im Stadtgebiet verteilt, was zu aufwändigen Rückholaktionen führte. „Offenbacher lachen übers Tonnen-Spiel“ titelte seinerzeit unsere Zeitung.

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