Stadt muss Ausgleichsmaßnahme für Kaiserlei-Umbau treffen

Biotop am Mainbogen geplant: Wieder quitt mit der Natur

Offenbach - Nach dem hessischen Naturschutzgesetz muss für jedes Bauvorhaben ein ökologischer Ausgleich geschaffen werden. So auch für den bevorstehenden Umbau des Kaiserleikreisels. Die Stadt Offenbach bringt im Gegenzug Leben in einen toten Mainarm bei Bürgel. Von Sarah Neder 

Zwischen Hunderennbahn und Campingplatz will die Stadt die Ausgleichsmaßnahme für den Umbau des Kaiserleikreisels treffen: Dort soll ein Mainarm reaktiviert und ein Biotop Zuhause für etliche Tierarten werden.

Die Grafik von Stadtplaner Michael Sperber zeigt einen blauen Fleck, umgeben von einem grauen und zwei grünen Ringen. Was er noch als Zeichnung präsentiert, soll am Mainbogen zwischen Hunderennbahn und Campingplatz Wirklichkeit werden: ein fast 9000 Quadratmeter großes Biotop aus einem 1,5 Meter tiefen Teich, Schilf, Feucht- und Frischwiese, wo jede Menge Tierarten heimisch werden können. Das Projekt „Weidenplacken“, benannt nach dem Flurstück, auf dem das Biotop geschaffen werden soll, ist eine Ausgleichsmaßnahme für den Umbau des Kaiserleikreisels. Da die Stadt mit den Bauarbeiten die Natur beeinträchtigt, muss sie nach Umweltgesetzeslage für Wiedergutmachung sorgen. Der Umfang bemisst sich an der Größe des Eingriffs in die Natur.

Stadtplaner Sperber erläutert: „Jede Fläche hat einen Biotopwert. Wenn man sie versiegelt, entsteht ein Minus, das beglichen werden muss.“ Im Kaiserlei gibt es Flächen, die hoch bewertet wurden. Der Ausgleich für den Umbau komme daher auf etwa 900.000 Punkte. Ein geeignetes Areal für die Kompensation, sagt Sperber, sei in Offenbach schwer zu finden. Deshalb richtet das Stadtplanungsamt mit dem neuen Lebensraum am Arthur-von-Weinberg-Steg sozusagen ein Konto für zukünftige Kompensationen ein. Die Stadt geht am Mainbogen in Vorleistung und schafft mehr Ausgleich, als sie eigentlich muss. Das Projekt hat insgesamt einen ökologischen Gegenwert von etwa 2,52 Millionen Punkten, es ist also noch was übrig. Wenn demnächst etwas gebraucht wird, kann es von dort abgebucht werden. „Egal ob das ein städtisches Vorhaben ist oder eine private Investition“, betont Sperber.

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Ein solches Öko-Sparbuch hat das Umweltamt zuletzt mit der Renaturierung des Kuhmühlgrabens zwischen Rumpenheim und Waldheim eröffnet. Darauf griff sowohl die Stadt beim Bau der Grundschule in Bieber-Waldhof und der Waldschule Tempelsee zurück als auch staatliche Bauträger wie Hessen mobil für die Nothaltebuchten an der A3. Inzwischen ist dieses Konto leergeräumt. Das Biotop auf dem Areal „Weidenplacken“ reaktiviert einen Mainarm, der vor mehr als 100 Jahren durch die Kanalisierung des Flusses trockengelegt wurde. „Mit der Wiederbelebung schaffen wir eine Auenlandschaft“, verspricht Sperber. Bevor Ufer befestigt wurden, hatten alle Flüsse natürliche Auen, in denen viele Tiere lebten.

Man wolle der Natur etwas zurückgeben und auch das Schutzgebiet am Schultheisweiher erweitern, so Sperber. Vor allem für Zugvögel wie Reiher, die in dieser Gegend rasten und brüten, sei das Biotop ein willkommener Rückzugsort. Die Stadt plant, es bis 2018 fertig zu stellen. Zur Zeit wird das Flurstück am Mainufer landwirtschaftlich als Frischwiese genutzt. Das soll so bleiben. Wenn die Stadtverordneten den Grundsatzbeschluss zur Ausgleichsmaßnahme für den Umbau des Kaiserleikreisels abnicken, beginnt das Stadtplanungsamt im nächsten Jahr mit dem konkreten Entwurf.

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Rubriklistenbild: © Grafiken: Stadt, Vermessungsamt

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