„Sieht einfach besser aus“

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Erster Auftritt auch als OB-Kandidatin: Bürgermeisterin Birgit Simon überreicht der Pasta-Bar „Tre Secondi“ im Offenbacher KOMM als erste hessische Gaststätte ein Smiley-Symbol für besonders gute Hygiene.

Offenbach ‐ Bürgermeisterin Birgit Simon hatte sich zwei Dinge vorgenommen für den Montagabend. Von ihrer Partei, den Grünen, ihre Kandidatur für die Oberbürgermeister-Direktwahl am 4. September absegnen lassen. Von Marcus Reinsch

Und dann, falls es klappt mit der breiten Rückendeckung, einen ausgeben. Geworden ist aus beidem was. Ersteres mit quasi blütenreinem Ergebnis. Simon („Bei den Grünen weiß man ja nie…“) bekam 38 der 39 Stimmen; die einzige Enthaltung kam mutmaßlich von ihr selbst. Und zweiteres mit einiger Verzögerung - weil im Café des Kulturzentrums Hafen2 minutenlang nicht trinken konnte, wer seinen Teil zum grünen Freudengeheul beitragen wollte. Da mischte sich auch mancher Kampfesschrei drunter und mancher Laut von der kicherigen Sorte, wie ihn Kinder ausstoßen, wenn sie sich bei einem Streich nicht haben erwischen lassen.

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Grüne Bürgermeisterin will Rathaus-Chefin werden

Die Grünen dürften jetzt eigentlich schon aus purer Nostalgie nicht für den Abriss des alten Lokschuppens stimmen, falls es dessen Erhalt wider Erwarten doch noch einmal in Antragsform auf die Tagesordnung der Kommunalpolitik schaffen sollte. Immerhin hat die Partei zwischen diesen Mauern ihren befreiendsten Lacher in den 14 Jahren getan, in denen sie Offenbach mitregiert.

Andere wird Birgit Simons Kandidatur nicht ganz so glücklich machen. Überraschend ist ihr Vorstoß zwar nicht; schon seit Monaten wird mehr oder weniger offen drüber gesprochen. Aber nun gibt es eben drei Bewerber für den Chefposten im Rathaus. Amtsinhaber Horst Schneider (SPD) will`s wieder machen, Oppositionsführer Peter Freier (CDU) will´s machen. Und wem von beiden eine Grüne eher Stimmen streitig machen kann, ist klar. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf den ersten Wahlgang eine Stichwahl folgen muss, ist immens größer geworden.

Überdies ist Simons Bewerbung ein Premiere. Die 53-jährige Mutter von drei erwachsenen Kindern ist zwar nicht die erste Frau mit Blick auf den Posten. Bei der letzen OB-Wahl hatte die CDU Karin Wolski gegen Horst Schneider ins Rennen geschickt, was gründlich misslang. Aber Simon ist die erste grüne OB-Kandidatin überhaupt. Bisher hatte sich die Partei als kleinerer Partner in verschiedenen Koalitionen eigene Ambitionen stets verkniffen.

„Am Anfang Probleme gemacht"

Offensichtlich unter Schmerzen. Grünen-Fraktionschef Peter Schneider jedenfalls gab mit unverhohlener Genugtuung zu Protokoll, dass es solche Verzichtserklärungen in der noch aktuellen Zweckgemeinschaft aus SPD, FDP und Grünen nicht gebe. Wer nun allerdings glaube, „Birgit Simons Kandidatur ist ein persönlicher Angriff, der hat was nicht verstanden“.

Zum Beispiel die Sache mit der Kompetenz. „Die hat Birgit, die haben wir“, befand Parteisprecher Wolfgang Malik. Als Bürgermeisterin habe Simon den Grünen „am Anfang Probleme gemacht und nicht nur populäre Entscheidungen getroffen. Aber es waren richtige und mutige und geradlinige Entscheidungen. Diese Qualität brauchen wir.“ Da sei ein „Warum tut ihr uns das an?“ der SPD nicht angebracht.

Dem Loblied der Basis fügten viele Mitglieder ihre eigenen Strophen hinzu. Das reichte vom Dank an die Sozialdezernentin Birgit Simon für die Mehrung von Kindergarten- und anderen Betreuungsplätzen über einem entscheidenden Simonschen Schubs für die Erasmusschule bis zur Feststellung der Neu-Grünen Lucia Gerharz, Simon sei „ein total cooler Typ und sieht einfach besser aus als Horst Schneider“.

„Unterschätzte Verkehrslärm-Problematik“

Die aufs Kandidatenschild Gehobene selbst will optisch trotzdem viel verändern. Nicht an sich, sondern an der Stadt. Ein wichtiges Stichwort, mit dem sie nach der Kommunalwahl Ende März in den OB-Wahlkampf ziehen will, ist „Begrünung“. Beispielsweise im Lauterborn, wo die Wohnqualität deutlich aufzuwerten sei. Fällig seien auch „strukturelle Änderungen“, die böse Pannen wie die Fällung von Bäumen auf dem Wilhelmsplatz effektiv verhindern sollen.

Bisher sei „nicht auszuschließen, dass so etwas wieder passieren kann.“ Dorn in Simons Auge sind auch die berüchtigten Billigläden und Wettbüros in der Innenstadt. „Wir haben es nicht geschafft, die in den Grif zu bekommen, die breiten sich weiter aus.“ Fällig sei mindestens eine Gestaltungssatzung, die die Ansiedlung künftig eindämme.

Und natürlich will die OB-Kandidatin auch thematische Felder besetzen, die sie schon als Sozial- und Umweltdezernentin beackert. Die „unterschätzte Verkehrslärm-Problematik“ mit Flug-, Lastwagen- und anderem Krach zählt dazu, ebenso die Feinstaubbelastung. Mit der Ampelkoalition begonnene Projekte wie Hafen, Maindamm und das ihrer Meinung nach vor allem für erneuerbaren Energien zugewandtes Gewerbe brauchbare Allessa-Gelände müssten natürlich fortgesetzt, andere große Dinge der Stadtentwicklung angeschoben werden. Das selbstverständlich unter mehr Bürgerbeteiligung denn je.

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