Von Birmingham an den Main

Musikjahre zurück, mit Sweet...

Offenbach - Um kurz nach 21 Uhr am Freitag geht Günter Doll hinter die Bühne. „Ich muss denen sagen, dass sie keine Zugabe mehr spielen. “ Der Leiter der Kultur-und Sportverwaltung fürchtet, zeitlich aus dem Takt zu geraten. Von Stefan Mangold

Um 23 Uhr muss die nächste Gruppe ihr letztes Lied im Stadthof angestimmt haben. „Mit Rücksicht auf die Anwohner. “ Deshalb bittet die Sängerin der „Superhelden“ um Verständnis, dass man jetzt aufhören müsse, bevor sie schwärmt: „Es war klasse mit euch!“.

Auch für das Publikum war’s am zweiten Tag der 16. Offenbacher Woche klasse, die Sängerin der Superhelden Christiane „F.“ Ewald mit Nummern wie „Rette mich“ oder „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ von Nena zu hören. Die Band aus Hanau ist auf Neue Deutsche Welle spezialisiert.

den Superhelden und der Kopie...

Die deutschsprachige Musikrichtung bestimmte den Pop Anfang der Achtziger. „Ein Stil, der sich nicht mehr wiederholen lässt“, sagt Schlagzeuger Tommi Müller, der Kopf der Formation, die sich vor 14 Jahren gründete. Nach Jahren deutscher Schnulzendominanz wirkte Trios minimalistisches „Da, Da, Da“ fremd und so ganz anders als eine Anita, die ein Costa Cordalis irgendwo alleine in Mexiko suchte. Ihre Versionen der NDW-Hits von Ideal oder Andreas Dorau spielten die Superhelden bislang jedoch nur „in kleinen Clubs.“ Vor so vielen Menschen wie im Stadthof „ist eher Partystimmung angesagt,“ wofür sich der Titel „Amadeus“ des Österreichers Falco bestens eignet.

Dessen Wienerische Arroganz, die Grenze zur eigenen Persiflage überschreitend, setzt Sänger Hagen Wampula ebenso sicher in Szene wie Christiane „F.“ Ewald den Habitus der naiven Unbeschwertheit einer Nena, die von 99 Luftballons trällert.

Ein Song von 1983, der viele Besucher der Offenbacher Woche an die Atmosphäre im Kalten Krieg erinnert, an Pershing-Raketen und Friedensbewegung. Sie singen textsicher mit, wie sich an den Lippen derer ablesen lässt, die tanzend die Gefühlswelt der Jugend wieder durchlaufen.

von Freddie Mercury. Fotos: bg

Ein Mann reicht Sängerin Christiane zwei weiße Rosen. Die fühlt sich an die ZDF-Hitparade erinnert, bei der fast jeder Sänger dort im Laufe seines Vortrags Blumen von weiblichen Fans zugesteckt bekam. Irgendwie wirkt Offenbach inmitten der architektonischen Erbsünde hinter dem Rathaus heiter und entspannt.
Nach den Superhelden geht die Queen-Coverband „MerQury“ auf die Bühne. Sie gilt als eine der qualitativ besten Coverbands überhaupt. Gitarrist Thomas Engelmann steht Brian May an Virtuosität nicht nach. Der Kanadier Johnny Zatylny vertritt Freddie Mercury stimmlich und als Darsteller täuschend echt. Das Zeitlimit von 23 Uhr überschreitet die Band locker.

Am Samstag spielen „New Deal“ aus Rodgau orgelgeprägten Rock und die vielsprachigen „The Gypsys“ aus Frankfurt jeden Hit der vergangenen Jahrzehnte so nah wie möglich am Original. Beide Gruppen stehen für ein professionelles Niveau. Über 5000 Menschen hören zu.

Als musikalischer Top-Act steigt die Glam-Rock-Band „The Sweet“ in die Manege, die in den siebziger Jahren ihre große Zeit hatte. Von damals dabei ist nur noch Gitarrist Andy Scott. Sweet, das ist die Gruppe des sich übersteigernden Falsettgesangs, der abrupten synkopischen Taktverschiebung, des treibenden Beats. Auch hier beherrschen die meisten im Publikum jede Textzeile.

Ein Mann im weißen T-Shirt singt nicht nur euphorisch vor der Bühne mit, er imitiert auch absolut synchron den Schlagzeugpart. Hinterher stellt er sich als Eamonn Farrell aus Birmingham vor, der extra für den Auftritt mit seinem Kumpel über den Ärmelkanal nach Offenbach reiste. Klaus Kohlweyer, der die reibungslos verlaufenden Tage federführend organisierte, zeigt sich beeindruckt: „So was ist für uns wie ein Applaus.“

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