Bisher geringer Abbau von Jobs bei Metallern

Offenbach - Mit konjunkturellen Maßnahmen wie Kurzarbeit und Abweichungen von Tarifverträgen haben die Metall- und Elektrounternehmen in Stadt und Kreis Offenbach trotz der enormen Belastungen durch die Wirtschaftskrise bisher Entlassungen in größerem Umfang vermeiden können. Von Marc Kuhn

In den vergangenen sechs Monaten sei die Zahl der Beschäftigten um insgesamt 3,1 Prozent reduziert worden, sagte Hans-Joachim Jungbluth, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Offenbach-Hanau von Hessenmetall, unserer Zeitung. Mehr als 38 Prozent der Leiharbeiter seien nach Hause geschickt worden, berichtete er unter Berufung auf die Frühjahrsumfrage des regionalen Branchenverbandes. Würden sie aus der Gesamtzahl herausgerechnet, ergebe sich eine Verringerung der Beschäftigten um 1,4 Prozent.

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Wolfgang Huberti, Vorsitzender der Bezirksgruppe des Verbands der Metall- und Elektrounternehmen in Hessen sprach deshalb von einer normalen Fluktuation. Zeitarbeit gebe den Unternehmen „die Möglichkeit zum Atmen“. Jungbluth: „Ein Riesenkompliment für die Unternehmen. Sie haben beschäftigungssichernd reagiert.“ Er betonte aber, es gebe nicht mehr viel Luft. Ohne eine Verbesserung der wirtschaftliche Lage sei ein Jobabbau nicht auszuschließen.

Huberti lobte die Möglichkeit der Kurzarbeit. Sie sei im europäischen Vergleich ein sehr gutes Instrument. Mit ihr hätten die Firmen schnell auf den wirtschaftlichen Abschwung reagieren können.

Ihre Geschäftslage bezeichneten mehr als 57 Prozent der Metall- und Elektrounternehmen in Stadt und Kreis Offenbach verglichen mit dem Herbst 2008 als schlechter, erklärte Jungbluth. Über 42 Prozent würden in den nächsten sechs Monaten eine weitere Eintrübung erwarten. Der Auftragsbestand sei um mehr als 90 Prozent eingebrochen, über 57 Prozent der Unternehmen würden mit noch weniger Aufträgen rechnen. Der Umsatz der befragten Firmen habe sich seit Herbst um 85,7 Prozent reduziert, sagte Jungbluth. Und 52,4 Prozent würden mit eher fallenden Umsätzen rechnen. Auch die Neigungen zu Investitionen und zur Kreditaufnahme sind sehr gering.

Jungbluth und Huberti forderten eindringlich, die zweite Stufe der vereinbarten Lohnerhöhungen um sechs Monate zu verschieben. Die von Gewerkschaften geforderte Prüfung im Einzelfall und die langfristige Beschäftigungssicherung „halte ich für verfehlt“, erklärte Jungbluth. Bisher hätten die Firmen versucht, die Stammbelegschaften zu halten, betonte Huberti. „Darauf kann man auch in Zukunft vertrauen.“

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