Zerstückelte Architektur und Wildwuchs: Benjamin Burkard in der Galerie Hühsam in Offenbach

Ein bisschen Endzeitstimmung

„Das vergessene Schauspiel“: Werke von Benjamin Burkard sind in der Galerie Hühsam zu sehen. Foto: Hühsam/Burkard
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„Das vergessene Schauspiel“: Werke von Benjamin Burkard sind in der Galerie Hühsam zu sehen. Foto: Hühsam/Burkard

VON LISA BERINS.

Offenbach – In Benjamin Burkards Bild „Das vergessene Schauspiel“ scheint die Natur mit aller Gewalt in das alte Theater einzubrechen. Ob die Pflanzen von oben durchs Dach stürzen oder sich von unten durch das Parkett sprengen, ist nicht klar und vielleicht gar nicht so wichtig. Da scheint etwas brachial „renaturiert“ zu werden.

Auch in den anderen Arbeiten, die unter dem Titel „Edle Einfalt“ in der Offenbacher Galerie Hühsam ausgestellt werden, sieht man oft zerstörte Architektur. Die Schau sollte bis Ende Januar gehen, wurde aber bis zum 15. Februar verlängert.

„Die Leute mögen seine Bilder“, sagt der Galerist Thomas Hühsam über Burkards Arbeiten. Gründe dafür: „Einfach gute Malerei, ein eigener Stil“, findet Hühsam, der es sich seit 30 Jahren zum Ziel gemacht hat, Künstler-Talente zu entdecken und zu fördern – darunter auch Benjamin Burkard.

Der 1986 im rheinland-pfälzischen Kandel geborene Maler hat in Landau Kunst und Biologie studiert, in seiner Vita stehen einige Stipendien und viele Ausstellungen, vor allem in Galerien. 2013 hat der Pfälzer zum ersten Mal bei Hühsam ausgestellt. Die Werke, die jetzt zu sehen sind, stammen allesamt aus dem vergangenen Jahr.

Es sind versatzstückartige Kulissen, in die die Natur eindringt. Oft sind die Räume menschenleer, die wenigen Protagonisten haben keine Gesichter. Pferde tauchen auf, sie wirken wie Helden – die letzten Überlebenden der Apokalypse? „Es ist schon ein bisschen Endzeitstimmung“, pflichtet Hühsam bei. Vielleicht seien Burkards Bilder für viele auch deshalb so ansprechend: In Zeiten eines neuen Umweltbewusstseins ist auf ihnen beides zu sehen – Zerstörung und aufkeimende Hoffnung. Aus allen Nischen bahnt sich das neue, grüne Leben seinen Weg.

Seit Kurzem widmet sich Burkard der Goldgrundmalerei. Einige dieser neueren Werke sind auch in der Ausstellung zu sehen. Das Malen auf Goldgrund ist eine Technik, die aus der byzantinischen Ikonenmalerei bekannt ist. Burkard versieht die Leinwand mit Blattgold, bevor er sie bemalt – somit kitzelt er noch etwas mehr Schimmer und Glanz aus der Farbe heraus. Der Pinselstrich schwimmt über die metallische Oberfläche. Seine bevorzugte Farbpalette bleibt, wie auch in den anderen Werken des vergangenen Jahres, ein düsteres Bunt.

Sich in der Kunstwelt zu behaupten, sei heute für den Nachwuchs nicht einfach, betont Thomas Hühsam; meist zählten die „richtigen“ Namen von Meistern, Hochschulen und Ausstellungsorten in der Künstlervita mehr als das eigentliche Können. Der Galerist findet, dass es angebracht sei, sich diesem Kunstdiktat und den Kritiken zu widersetzen und Kunst mit eigenen Augen zu sehen. Die Ausstellung „Edle Einfalt“ ist eine gute Gelegenheit dafür.

Ausstellung

Benjamin Burkard „Edle Einfalt“ bis 15. Februar in der Galerie Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach. Geöffnet nach Vereinbarung unter z 069/810044 oder per E-Mail unter galerie@huehsam.de. Webseite: www.huehsam.de

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