Bisschen mehr Lärm im Hafen darf’s sein

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Am ehemaligen Offenabcher Hafen könnten bald Menschen direkt am Fluss leben.

Offenbach ‐ Juristen haben an alle Eventualitäten zu denken. So muss unter vielem anderen auch klar festgelegt werden: Führen widrige Umstände zu einem „Abgang“ der „Riegelbebauung“, also der Wohnblöcke entlang der Hafenmole, muss Offenbachs städtische Mainviertel GmbH für Ersatz sorgen, der die übrige Hafeninsel gleichermaßen vor Lärm schützt. Von Thomas Kirstein

Ein Detail unter vielen im Entwurf eines Vergleichsvertrags, den die Offenbacher Stadtverordnete heute in nicht-öffentlicher Sitzung absegnen sollen.

Passiert das Schriftstück, muss schnell eine Einigung mit der Glockenbrot-Bäckerei, vier Speditionen und einem Propangas-Lieferanten erzielt werden. Die Firmen aus dem Frankfurter Osthafen haben mit einer erfolgreichen Klage vor dem Verwaltungsgericht die gemeinsamen Wohnungsbau-Pläne von Mainviertel und Frankfurts Baugesellschaft ABG vorläufig gestoppt. Dei Betriebe treibt die Angst um, künftige Hafen-Bewohner könnten sie mit Lärmklagen überziehen.

Eine frühere Vereinbarung zwischen Offenbach und der Stadt Frankfurt und ihrer Hafen-Gesellschaft, die eine Klage abwenden sollte, war erfolglos geblieben. Jetzt soll ein Vergleich den Betrieben Existenzängste nehmen; ihr Einlenken müsste bis zum 28. Juni erfolgen, weil dann das Urteil rechtskräftig und der Hafen-Bebauungsplan endgültig nichtig wird.

So sehen die Pläne für eine Neugestaltung aus:

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Im Entwurf machen Stadt, Stadtwerke und Mainviertel weitgehende Zugeständnisse, um neben Büros aus Wohnraum schaffen zu können. So darf im Prinzip nachts derselbe Lärm wie tagsüber vom anderen Ufer nach Offenbach dringen, darüber hinaus sind kurzzeitige „Spitzen“ erlaubt. „Licht-, Geruchs- und Staub immissionen“ dürfen von Betriebsgrundstücken in einem Umfang ausgehen, wie er in Gewerbegebieten zulässig wäre. Die aus Sicht der Betriebe als Lärmriegel dienenden Wohnblöcke sollen mindestens 20 Meter hoch sein.

Insider sehen gute Chancen für eine Einigung

Wohnungen werden mit größtmöglichem Schallschutz ausgestattet. Zum Main hin darf es keine zu öffnenden Fenster geben; auch sollen Schlafzimmer nur über technische Einrichtungen belüftet werden. Wenn Mainviertel möchte, darf sie auf ihre Kosten auf Betriebsgrundstücken Lärmschutzwände errichten.

Insider sehen gute Chancen für eine Einigung. Eine Theorie: Käme es nicht zu Wohnbau und damit einer „Riegelbebauung“ auf der Hafeninsel, könnten die Firmen mit Lärmklagen aus Offenbachs Nordend rechnen.

Hafen in Zahlen:

Gründung des Industriehafens 1902

Genutzt bis 1990

Inkrafttreten Bebauungsplan 2008

Beginn Erschließung 2009

Größe des Geländes 356.000 Quadratmeter

davon Wasserfläche 60.000 Quadratmeter

geplante Bruttogeschossfläche 310.000 Quadratmeter

davon Wohnen 104.000 Quadratmeter

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