Bisschen Schaf ist nicht genug

Offenbach - (mcr) Es läuft ziemlich gut für Ebubekir Kaynar. Erst schaffte es der Offenbacher Kebaphaus-Chef und Döner-Lobbyist mit der vergeblichen Forderung in die Schlagzeilen, in Deutschland die Ausbildungsberufe Dönerdreher und Dönerspießer zu etablieren.

Dann verteilte er Kickers-Autofähnchen unters Volk, ließ im großen Stil Souvenir-Euromünzen mit Dönermann-Motiv prägen und kriegte letztlich mittels eines 5000-Euro-Schecks für die Aufstockung des Klingspormuseums doch noch die Kurve vom Kitsch zur Kultur.

Kaynar weiß, wie man für seine Ziele trommelt. Und jetzt hat sein Name sogar im „Spiegel“ gestanden - zusammen mit der Botschaft, dass er als Präsident der „Interessenvereinigung der Dönerproduzenten und Dönerbetriebe in Europa“ im Zweifelsfall auch gegen die Einzelinteressen einiger Kollegen entscheide, was das Hauptinteresse seiner Klientel zu sein hat.

Besagtem Zweifelsfall spendierte das Nachrichtenmagazin kürzlich eine ganze Seite. Sie drehte sich am Beispiel eines Streits zwischen Lebensmittelkontrolleuren und Dönerbuden im niederrheinischen Kreis Viersen um die auf den ersten Blick eher spießige Frage, ob alles Döner heißen darf, was in der Republik als Döner verkauft wird.

Darf es nicht, zumindest nicht einfach so. Hat das Viersener Amt behauptet und auf die in der Deutschdöner-Geburtsstadt Berlin ersonnene „Verkehrsauffassung (eine Art Definition des Üblichen, Anm. d. Red.) für das Fleischerzeugnis Dönerkebap“ verwiesen. Da steht drin, dass ein Döner nur einer ist, wenn sein Fleischanteil von Kalb, Rind oder Schaf kommt und keinesfalls die Konsistenz von Brühwurst aufweist, was wiederum die feinste Verhackstückung im Kutter ausschließe. Mehr als 60 Prozent Hackfleischanteil - verboten. Schweinedöner? Sowieso undenkbar. Folge: 15 von 42 Viersener Dönerbuden sind nun „Hackfleischzubereitung am Spieß“-Buden.

Den Kunden, soviel steht schonmal fest, ist das ziemlich wurst. Sollte es aber nicht, sagt Ebubekir Kaynar, der am liebsten nicht nur die Art, sondern gleich die exakte Menge der Zutaten genormt wissen würde. Kaynar predigt, was unserer Zeitung auch Dr. Wolfgang Lange, Leiter des Offenbacher Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, sagt: Die Berliner Verkehrsauffassung, deren Dönerdefinition es mittlerweile in die „Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuchs“ geschafft hat, habe ihren Sinn. Für den vom Gütesiegel „Döner made in Germany“ träumenden Kaynar, weil seine umsatzstarke, aber eben auch schon von Gammelfleischskandalen gebeutelte Branche das Schaffleisch heiligen, aber schwarze Schafe in den eigenen Reihen nicht dulden sollte.

Und für Lange, weil Verbraucherschutz nunmal auch bedeute, dass sich der Verbraucher darauf verlassen kann, dass drin ist, was dran steht. Im Übrigen „halten auch wir uns an die Berliner Verkehrsauffassung; die Viersener Vorgehensweise weicht nicht von unserer ab“. Wichtig sei vor allem, dass die Zutaten richtig gekennzeichnet seien. Also am besten im Namen selbst und nicht nur mit einem Sternchen, das irgendwo auf den kleingedruckten Hinweis auf Abweichungen vom zurecht Erwarteten verweise. Der Titel „Puten-Döner“ selbst wäre für Langes Kontrolleure, die aus der Offenbacher Türkenimbiss-Szene keine besonderen Probleme meldeten, in Ordnung.

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