„Bitte Parkplatz benutzen“

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Besucher der Sportanlage sollten nur noch den neuen Parkplatz am Wiener Ring ansteuern. Dort stehen immerhin 177 Stellplätze zur Verfügung.

Offenbach - Es hat lange gedauert, bis die Stadt Klaus Protz und seinen Nachbarn Gehör schenkte. Nun reagiert sie – zu zögerlich, wie die Anwohner von Tambourweg, Rondellweg, Heusenstammer Weg und der Straße Am Waldpark finden. Von Fabian El Cheikh

„Wir haben das Gefühl, die Stadt wollte das Problem am liebsten aussitzen“, meint Klaus Protz.

Bereits im April äußerten die Anrainer des neuen Sportzentrums am Wiener Ring ihren Unmut über die Parkplatzsituation in ihrer Wohngegend. Seit Fertigstellung des Vereinsgeländes sind die umliegenden Straßen regelmäßig zugeparkt – von vermeintlichen Sportlern, denen die paar Meter vom neuen großen Parkplatz zum Haus der Vereine offenbar schon zu weit sind.

Statt den dort gelegenen Haupteingang zu nutzen, verschafft sich ein Großteil der Besucher offenbar Zugang zum Gelände über den eigentlich nur als Zufahrtsweg zum Geräteschuppen gedachten Nebeneingang am Tambourweg. Vielleicht auch aus Gewohnheit, gelangte man in früheren Zeiten doch genau dort ins ehemalige Tambourbad und auf die angrenzende Sportanlage.

Schuld sind Gewohnheit und Bequemlichkeit

Gewohnheit und Bequemlichkeit ist es denn auch geschuldet, vermutet Protz, dass der gemeine Autofahrer über das verkehrsberuhigte, anliegerfreie Wohngebiet daher gefahren kommt und dort gleich sein Fahrzeug parkt. Zum Leidwesen der Anwohner: „Unsere kleinen Straßen sind während des Trainingsbetriebs wochentags von etwa 15 bis 21 Uhr und an Wochenenden regelmäßig von 9 bis 21 Uhr vollständig zugeparkt. Da können sie nicht mal vor dem eigenen Haus halten, um Einkäufe auszuladen.“ Und nicht immer würden Autos ordnungsgemäß abgestellt.

Unzählige Male haben er und Nachbarn bereits das Ordnungsamt angerufen, gebeten, dort parkende Nicht-Anlieger mit einem Knöllchen zu versehen. Die zuständige Behörde argumentiert jedoch, dass sie nicht wisse, wer Anlieger sei und wer nicht. „Wir erkennen das ja nicht am Fahrzeugkennzeichen“, betont Peter Weigand, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. „Es kann jemand aus Hamburg zu Besuch sein und der ist dann Anlieger.“

Anwohnerparken kommt nicht in Betracht

Ein Anwohnerparken, wie von den Anrainern gewünscht, komme nicht in Betracht, da „kein permanenter Parkdruck“ herrsche. „Tagsüber ist in den Straßen alles frei“, sagt Jens Teschner, der zuständige Mitarbeiter des Ordnungsamtes, und verweist auf enge gesetzliche Vorgaben für eine solche Regelung. Bei den Anwohnern stößt er damit auf wenig Verständnis: „Wir halten ein Anwohnerparken zwar nicht für unbedingt erforderlich, wollen aber, dass endlich gehandelt wird.“

Zwischenzeitlich dürften sie manchen in der Stadtverwaltung nach anfänglicher Freude über die rege Nutzung des schicken, für etwa fünf Millionen Euro erweiterten Sportareals ziemliche Kopfzerbrechen bereitet haben. Nachdem die Stadt auf die ersten Schreiben der Betroffenen wochenlang gar nicht reagierte, Vereine ihre Mitglieder offensichtlich erfolglos baten, den Hauptparkplatz zu benutzen und sich die Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller des Falles annahm, sprach schließlich ein aus der Nachbarschaft stammender „Beschwerdeführer“, wie es im Amtsdeutsch heißt, beim Oberbürgermeister vor.

Effektivste Lösung soll nun umgesetzt werden

Ergebnis: Eine neue Beschilderung sowie Flyer an den Windschutzscheiben sollen Autofahrer auf den Parkplatz am Wiener Ring aufmerksam machen. Im Rondellweg wurde zudem auf einer Straßenseite ein absolutes Halteverbot ausgewiesen, um einen Rettungsweg freizuhalten. Und während der Kickers-Spiele im Stadion Bieberer Berg werden mittlerweile mobile Halteverbote ausgeschildert – und von den Stadtpolizisten kontrolliert. „Das hat beim letzten Heimspiel schon gut funktioniert“, berichtet Ordnungsamtsleiter Peter Weigand, „nur noch vier Wagen standen dort und wurden verwarnt.“ Über die motorisierten Fußballfans ärgern sich die Anwohner indes kaum: „Damit leben wir seit Jahrzehnten und da handelt es sich ja auch immer nur um ein paar Tage im Jahr. Wir haben überhaupt nichts gegen die Kickers.“ Wohl aber gegen die uneinsichtigen Besucher des Sportareals Wiener Ring.

Die wahrscheinlich effektivste und von den Anwohnern von Anfang an geforderte Lösung soll jetzt umgesetzt werden: Der Nebeneingang am Tambourweg wird geschlossen. „Wir werden die Situation sechs Wochen lang beobachten“, betont Jens Teschner und zeigt sich zugleich optimistisch, dass sich die Situation dadurch entschärft. Klaus Protz und seine Nachbarn bleibt jetzt nur die Hoffnung, dass der Zwang die Trainingsbesucher zum Einlenken bekehrt.

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