Der blanke Unsinn

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Auf dem Monatsfahrschein steht nur die Automatennummer – und die hat Luigi S. von Hand geschrieben.

Offenbach - Ein Blankofahrschein garantiert nicht zwangsläufig freie Fahrt. Vor allem, wenn das Ticket im wahren Sinne des Wortes blank aus dem Automaten flattert. Genau das hat Luigi S. erlebt und schließlich unsere Zeitung um Hilfe gebeten. Von Katharina Hempel

Bevor Luigi S. am Montagmorgen zur Volkshochschule nach Frankfurt fährt, will er am RMV-Automaten seine Monatskarte kaufen. Gegen 8.15 Uhr bezahlt er den Betrag von 118 Euro für die Strecke Offenbach–Frankfurt, und der Schein fällt ins Ausgabefach. Doch statt mit den üblichen Daten und Zahlen bedruckt zu sein, ist dieser weiß. In der Hoffnung, dort seine Fahrkarte gegen eine gültige umtauschen zu können, fährt der 29-Jährige zum RMV-Ticketcenter an die Frankfurter Hauptwache.

Er schildert sein Problem der Dame am Schalter und wird weiter verwiesen: „Für die Automaten ist die Deutsche Bahn zuständig, bitte fahren Sie an den Hauptbahnhof und besprechen Ihr Problem dort mit dem DB-Personal.“ Spätestens da muss der Italiener seinen Plan aufgeben, rechtzeitig zum Kursbeginn oder überhaupt in der Volkshochschule anzukommen. Auch schwindet seine Hoffnung, die 118 Euro wiederzusehen, die er in den druckfaulen Fahrkartenautomaten gesteckt hat.

Erstattung des Preises zunächst nicht garantiert

Am DB-Serviceschalter erklärt er sein Problem, nennt Uhrzeit des Kaufs und Automatennummer, doch die Antwort ist wenig befriedigend. „Da Sie nicht mit EC-Karte, sondern mit Bargeld bezahlt haben, können Sie nicht nachweisen, den Betrag tatsächlich bezahlt zu haben“, erklärt ihm die Kundenberaterin am Hauptbahnhof. Sie werde den Fall prüfen lassen, könne eine Erstattung des Preises aber nicht garantieren. Stattdessen empfiehlt sie ihm, vorerst einfach eine neue Monatskarte zu ziehen. Dass nicht jeder an einem Tag zweimal 118 Euro ausgeben kann, kommt ihr nicht in den Sinn.

Die erlösenden Worte spricht schließlich RMV-Sprecherin Petra Eckweiler aus: „Wenn Herr S. Uhrzeit, Datum, Betrag und Automatennummer nennen kann, können wir den Kaufvorgang in der Automatensoftware nachvollziehen.“ Das ist mittlerweile geschehen, und der RMV wird Luigi S. den Betrag von 118 Euro zurücküberweisen.

Eine weiße Fahrkarte hat Petra Eckweiler bisher noch nicht erlebt, aber ein schlechter Druck kann vorkommen. Sie empfiehlt den Fahrgästen in solch einem Fall und bei allen anderen Problemen mit dem Fahrkartenautomaten, sofort die auf dem Automaten angegebene Telefonnummer anzurufen. „Dann werden die Daten aufgenommen, wir können den Kunden weiterhelfen. Funktioniert kein Automat: Automatennummer aufschreiben und Kontrolleur ansprechen.“

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