Gegen rückläufige Zahlen

Werben um Nachwuchs beim Blaulichttag

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Mit Schlauch, Trage und Rettungsspreizer: In vier Hilfsorganisation zeigen junge Offenbacher ehrenamtliches Engagement. Den interessierten Passanten auf dem Aliceplatz standen sie auch kenntnisreich Rede und Antwort.

Offenbach - Die Jugendorganisationen von ASB, DRK, Freiwilliger Feuerwehr und THW haben am Samstag den Aliceplatz in eine Blaulichtmeile verwandelt. Dort erklärten die Rettungsdienste ihre Aufgaben, stellten Fahrzeuge sowie Geräte vor und boten Kindern Mitmachaktionen an. Von Harald H. Richter 

Punkt zwölf Uhr am Samstag lassen Arbeiter Samariter Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk auf dem Aliceplatz die Rundumleuchten ihrer vorgestellten Einsatzfahrzeuge blau aufblitzen. „Sie signalisieren, hier ist was los, sollen die Aufmerksamkeit der Passanten wecken, vor allem die der jüngeren“, sagt Armin Feuerbach, einer von zwei Jugendbetreuern des THW. Besonders wichtig ist es den Rettungsorganisationen, auf ihrer an zentraler Stelle gebildeten Blaulichtmeile nicht nur die Bedeutung von Ehrenamtsengagement zu vermitteln, sondern sich gezielt um Nachwuchs zu bemühen.

Daran herrscht nicht erst seit kurzem Mangel. Mitgliederzahlen stagnieren seit etlichen Jahren, im THW und beim ASB ebenso wie bei den Jugendrotkreuzlern und den Nachwuchsbrandschützern. Mitunter sind sie sogar rückläufig. Die nach 2016 zum zweiten Mal stattfindende Veranstaltung soll dem Trend gegensteuern.

Deshalb werden bereitwillig Einsatzgeräte vorgeführt und erklärt, können Fahrzeuge bestaunt und ihre Ausstattung inspiziert werden. Dazu gibt es Aktionen. „Auf diese Weise wollen wir Kinder und Jugendliche für ein Mitmachen abseits virtueller Spielwelten interessieren“, unterstreicht Feuerbach, seit über neun Jahren in der Jugendarbeit des Technischen Hilfswerks aktiv.

Aktuell kümmert er sich in Offenbach um zwei Altersgruppen. Die jüngsten Einsteiger sind gerade mal sechs Jahre alt. „Wir machen sie spielerisch mit dem vertraut, wofür wir als THW stehen“, sagt Feuerbach. Zu den Älteren, mit denen nach entsprechenden Ausbildungsplänen der Einsatz von Maschinen und Gerät geübt wird, gehören der 13-jährige Marko und sein drei Jahre jüngerer Kumpel Elias. Die Jungs führen interessiertem Publikum die Handhabung eines Spreizers vor, der zum Beispiel nach schweren Unglücksfällen beim Bergen und Retten zum Einsatz kommt.

Bilder: Feuerwehr-Nachwuchs probt Ernstfall

Am Stand gegenüber erläutert Gruppenleiterin Saskia Heublein, zugleich Vorstandsmitglied der ASB-Jugend im Regionalverband Mittelhessen mit Sitz in Offenbach, Aufgaben und Ziele ihrer Organisation. Rund 30 Mitglieder in drei Alterskategorien verbringen viel Spaß miteinander, aber gleichsam auch leistungsorientierte Freizeit im Sinne ihrer lebensrettenden Ideale. Zudem sind sie überaus erfolgreich. „Hessenmeisterpokale haben wir schone etliche eingeheimst“, sagt Heublein. Damit aber nicht genug. Vergangenes Jahr errang die Schülergruppe sogar den Titel auf Bundesebene in Erster Hilfe, Geschicklichkeit und theoretischem Wissen. Am ersten Septemberwochenende nun wartet eine weitere Herausforderung auf die aktive Samariterjugend. Im nordhessischen Waldeck am Edersee geht es darum, sich beim Landesjugendwettbewerb zu bewähren. „Vielleicht sind recht bald auch einige neue Mitglieder in unseren Reihen, die sich begeistern lassen“, hofft die ASB-Gruppenleiterin auf Zuwachs.

Robin, der die Edith-Stein-Gesamtschule besucht, hat sich für eine andere Rettungsorganisation entschieden. Er fand über den Schulsanitätsdienst zum Jugendrotkreuz. „Drei Jahre ist das her, und es macht mir nach wie vor Spaß“, bekennt der 14-Jährige. Und zwar so viel, dass er vor gut sechs Monaten den gleichaltrigen Freund und Albert-Schweitzer-Gymnasiasten Felix ebenfalls dafür hat begeistern können.

Jugendfeuerwehren üben mit Erfolg

Wozu werden Kompressen benötigt? Was steckt im Baby- und Kinder-Notfallkoffer? Die beiden Jugendlichen wissen darauf natürlich Antworten. Klar, dass sie auch dem aufmerksam zuhörenden neunjährigen Erik und dessen Mutter genau erklären können, womit ein DRK-Rettungsfahrzeug ausgestattet sein muss. Sie tun es zur vollsten Zufriedenheit von Simon Beul. Er bildet mit Michael Tascidis und Yasemin Sincik das Betreuerteam, das jeden Freitag die Gruppenstunden im DRK-Haus am Spessartring organisiert.

Gezielt um Nachwuchs werben auch Stadtjugendfeuerwehrwart Sebastian Irgel und Jugendgruppenleiter Alexander Habicht. „Zwar kann man erst ab dem zehnten Lebensjahr Nachwuchsbrandschützer werden, aber wir haben eine spielerische Einstiegsmöglichkeit entwickelt“, berichtet Irgel. Seit Kurzem gibt es bei der Freiwilligen die „Rumpenheimer Flämmchen“ für Mädchen und Jungen zwischen sechs und zehn Jahren. Vergleichbares entsteht auch im Stadtteil Bieber. Für nächsten Samstag ist dort aus Anlass des Tags der Feuerwehr am und ums Gerätehaus die Gründung der „Feuerbiber“ geplant – ohne das örtliche „e“, aber mit Leidenschaft für die Sache.

Gemeinsame Feuerwehrübung auf dem Aussiedlerhof: Fotos

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