Gas bleibt weiter teuer

Offenbach - Seit Monaten sind die Preise für Rohöl im freien Fall. Doch wer mit Erdgas heizt, profitiert davon noch nicht - jedenfalls sofern er Kunde der Gasversorgung Offenbach (GVO) ist, einer Tochter der Energieversorgung Offenbach (EVO).

Während der Rohölpreis seit vergangenem Sommer von mehr als 140 Dollar je Barrel (159-Liter-Fass) auf weniger als 50 Dollar abgestürzt ist, kostet das Erdgas in Offenbach weiter mehr denn je. Erst zum Ende der Heizperiode hat die GVO zum April eine Senkung des Gaspreises angekündigt. Und die fällt mit 15 Prozent im Vergleich zum Rückgang beim Rohöl (rund 70 Prozent) mager aus.

Als Reaktion auf den Bericht unserer Zeitung über den hohen Gewinn, den die EVO im Vorjahr erwirtschaftet hat, rufen Leser wie Klaus Dietz in der Redaktion an und beklagen die Preispolitik des Versorgers. „Kein Wunder, dass die so gut verdienen.“ Auch Fußballfreund Robert Mangelmann mokiert sich im Internet-Blog (www.heiligenschein.de) über die Preise des OFC-Trikotsponsors.

EVO-Sprecher Harald Hofmann bekundet Verständnis für den Ärger der Gaskunden. Doch bei der Berechnung des Preises gehe alles mit rechten Dingen zu. Zunächst betont Hofmann, dass nicht etwa der Rohölpreis der Referenzwert fürs Erdgas sei, sondern die vom Statistischen Bundesamt ermittelten Notierungen für leichtes Heizöl. Und dieser Preis sei bei weitem nicht so extrem gesunken wie der des Rohöls.

Um häufige Preisschwankungen zu vermeiden und Ausschläge abzumildern, bilde die EVO jeweils einen Mittelwert aus den Heizölpreisen der zurückliegenden acht Monate, erläutert Hofmann. Üblich sei es, die Preise jeweils zum 1. April und 1. Oktober anzupassen. In die Berechnung für den Gaspreis ab April 2009 seien die Heizölpreise von Juli 2008 bis Februar 2009 eingeflossen. Damit schlägt sich der extrem hohe Ölpreis vom vergangenen Sommer (80 Euro je 100 Liter Heizöl) weiter beim Gas nieder. Im Februar kosteten 100 Liter Heizöl 47 Euro.

Mit einem langfristigen Vergleich belegt Hofmann, dass sich der Gaspreis tatsächlich am Heizöl orientiere. Das gelte nicht etwa nur dann - wie einige Kunden argwöhnen - wenn es gelte, eine Ausrede für die nächste Preiserhöhung zu konstruieren. So liege der aktuelle Mittelwert des Heizöls bei 57 Euro. Vor vier Jahren lag dieser Wert bei 37 Euro. Also stieg der Heizölpreis binnen vier Jahren um 54 Prozent. Im gleichen Zeitraum legte der Gaspreis um 57 Prozent zu - die zum 1. April wirksam werdende Senkung bereits eingerechnet.

Obwohl der EVO-Sprecher belegen kann, dass die Ölpreisorientierung keine Einbahnstraße ist, zählt das Angebot des lokalen Versorgers derzeit nicht zu den günstigsten in Offenbach. In einem Markt, in dem langsam der Wettbewerb Einzug hält, kann es sich derzeit lohnen zur Konkurrenz zu wechseln. Bei einem Jahresverbrauch von jährlich 20 000 Kilowattstunden ist die Obertshausener Maingau Energie GmbH laut Preisvergleich im Internet (www.verivox.de) derzeit rund 200 Euro günstiger - die Preissenkung zum April bereits eingerechnet.

Allerdings macht Hofmann Hoffnung auf eine weiteren Rückgang zum 1. Oktober - sofern das Öl bis dahin nicht wieder deutlich teurer wird. Diese Senkung würden Kunden, die jetzt wechseln, womöglich versäumen, weil sie für ein Jahr an den neuen Anbieter gebunden wären.

In jedem Fall endet bald eine für Offenbacher ärgerliche Ungerechtigkeit: Bis April zahlen EVO-Gaskunden aus dem Kreis 15 Prozent weniger für die Kilowattstunde. Damit ist bald Schluss, weil deren Preis nun nicht gesenkt wird. „Das war unser Startangebot, um Kunden zu gewinnen“, begründet Hofmann. Die Strategie ist aufgegangen: 2 000 Kreis-Bewohner wechselten zur GVO. Nun hoffen die Offenbacher, dass die neuen Kunden bleiben, obwohl das Angebot ab April nicht mehr besonders günstig ist. „EVO-Kunden sind treu, unsere Wechselquote ist sehr gering“, spricht Hofmann aus Erfahrung.

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