„Blitz-Marathon“ in Offenbach

Nur wenige Unbelehrbare

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Zu schnell war der Fahrer dieses Transporters zwar nicht, doch auch Telefonieren am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Handy am Ohr kostest inzwischen 60 Euro plus ein Punkt in Flensburg.

Offenbach -  Auch wenn der Name anderes vermuten lässt: Beim „Blitz-Marathon“ hielt sich die Zahl der erwischten Temposünder in Grenzen. Die Ankündigung der Messstellen mahnte viele Fahrer zur Umsicht - zur Freude der Beamten. Von Jenny Bieniek 

Donnerstagvormittag, kurz nach elf. Die Polizeibeamten vom zweiten Revier haben sich vor der Schillerschule in Stellung gebracht. „Hier sind werktags fast 1000 Kinder unterwegs, deshalb gilt Tempo 30. Gerade in einer Schulzone muss Rasen wirklich nicht sein“, sagt Erster Polizeihauptkommissar und Dienststellenleiter des zweiten Reviers, Ludwig Kiesel. Anlässlich des zweiten bundesweiten „Blitz-Marathons“ sind er und seine Kollegen in Offenbach unterwegs, um chronische Gasgeber auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

„Heute geht es in erster Linie um überhöhte Geschwindigkeit, aber wenn jemand beim Fahren telefoniert, winken wir ihn natürlich auch raus“, erklärt Kiesel den Einsatz. Fünf Messpunkte hat das zweite Revier an diesem Tag auf der Liste: Drei Schulen und zwei sogenannte Raserstrecken. Im ganzen Stadtgebiet sind es insgesamt zehn Messstellen.

Der diesjährige Blitz-Marathon im Video

Bei der Aktion gehe es in erster Linie um Unfallprävention, betont Polizeihauptkommissar Uwe Bennewitz. Deshalb werde vor allem an Stellen mit Unfallhäufung oder mit sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmern, etwa Schulanfängern, kontrolliert. Die Beamten wissen: Autofahrer nutzen die Bettinastraße gerne als Abkürzungsstrecke.

Tatsächlich geblitzt wird an der Schillerschule jedoch niemand. Stattdessen kommt das Lasermessgerät zum Einsatz, das innerhalb weniger Millisekunden Geschwindigkeit und Entfernung der heranfahrenden Autos misst. Auf Anweisung winkt ein anderer Kollege die Temposünder wenige Meter weiter aus dem Verkehr. „Wir sind bei unseren Messungen sehr großzügig. Wegen des Toleranzabzugs winken wir erst ab 43 Stundenkilometern raus“, erklärt der messende Kollege.

Fokussieren, messen und bei überhöhter Geschwindigkeit rauswinken: Bei den Kontrollen des 2. Reviers am gestrigen Vormittag wurden bei 17 Fahrern Bußgelder fällig.

Ein Taxifahrer ist der erste, der beim Heranfahren zu viel auf dem Tacho hat. „43, vorwerfbar 40“, spricht der Beamte in sein Funkgerät. Kurz darauf fährt der Wagen auf Geheiß in eine Seitenstraße und hält. Dass er zudem nicht angeschnallt ist, ist in diesem Fall legitim. „Für Taxifahrer gilt die Anschnallpflicht nicht. Er muss lediglich 15 Euro für die Geschwindigkeitsüberschreitung zahlen“, erklärt Bennewitz. Nicht alle Kontrollstellen eignen sich so gut für Lasermessungen wie die Ecke Bettinastraße/Goethering. Hierfür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, erklärt Kiesel. „Die Straße muss gut einzusehen sein, gleichzeitig sollten wir nicht schon aus großer Distanz zu erkennen sein. Und es braucht ausreichend Platz, um die Leute rauswinken zu können, ohne den Verkehr zu behindern.“ An Stellen mit wenig Fläche komme deshalb eher das Blitzerauto zum Einsatz.

Kurz darauf nähert sich ein roter Ford Focus mit Frankfurter Kennzeichen auffallend schnell. Das Lasergerät piept mehrere Male. „52, vorwerfbar 49.“ Als die Ampel gerade auf Rot springt, will der Frankfurter nochmal Gas geben, doch ein Kollege ist schneller und winkt den Kombifahrer mit der Kelle raus. „Das macht 35 Euro“, murmelt die „Petze“ und fokussiert bereits das nächste Fahrzeug.

Die allermeisten Fahrer aber halten sich an Tempo 30. Auch zuvor an der Edith-Stein-Schule waren nur drei Autos zu schnell unterwegs. Die Ankündigungen der Kontrollen scheinen Wirkung zu zeigen. „Uns ist das recht. Wir wollen ja nicht abkassieren, sondern sicherstellen, dass die Schulkinder alle gesund nach Hause kommen“, betont Kiesel.

Eigentlich, wissen die Beamten, müssten derartige Kontrollen öfter stattfinden. „Aber die Auftragslage im Revier lässt das oft nicht zu. Einbrüche, Raub oder schwere Unfälle haben Priorität.“ Die meisten Erwischten zeigen Verständnis, vor allem an den Schulen. „Viele sind selbst Eltern und können unser Anliegen nachvollziehen. Und solange es ihnen nicht an den Führerschein geht, bleibt der Großteil ohnehin ruhig. Geld ist ja offensichtlich da...!“

Der erste „Blitz-Marathon“ in Bildern (Archiv)

Bitte lächeln: „Blitz-Marathon“ in Bildern

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