„Blitzer-Hitliste“ sorgt für Ärger

Offenbach - Im Volksmund wird sie auch „Gebühreneinzugsmaschine“ genannt. Für Polizisten ist die Radarfalle aber unverzichtbar im Kampf gegen Raser. Immer wieder sind die Geräte dafür dem Hass der Täter ausgesetzt. Sie wurden beschossen, angezündet, abgesägt, mit Farbe besprüht - und schnell repariert. Geblitzt zu werden, ist für jeden Autofahrer ärgerlich. Von Peter Schulte-Holtey

Entweder er grollt mit sich selbst oder er ist wütend auf die Behörden. Dort wird der Einsatz von Tempo-Blitzern als immer notwendigere Kontrolle gesehen, um das Rasen einzudämmen, Unfallzahlen zu senken und den Straßenverkehr in geordneten Bahnen zu halten.

Dass die fest installierten Starenkästen weiterhin für enormen Ärger sorgen, zeigt die große Resonanz auf eine Statistik, die zu dem Ergebnis kommt: Hessen - Land der Blitzer. Mit 448 Starenkästen bekam das Bundesland jetzt von Kontrolleuren der Website http://www.scdb.info/, einer europaweiten Datenbank für Radarfallen, die Bronzemedaille in einer „Blitzer-Hitliste“. Die meisten Geschwindigkeitsmessgeräte stehen demnach in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Insgesamt gibt es nach Angaben des privaten Internetdienstes „Speed Camera Database“ in Deutschland derzeit 3402 Blitzer, 1,8 je 1 Million Einwohner (Europa-Spitzenreiter ist Finnland mit 158,9 Blitzern je 1 Mio. Einwohner).

Auffallend: In der Rangliste der zehn Kreise und kreisfreien Städte in den Deutschland mit den meisten Blitzern kommt die Region in und um Offenbach laut „Spiegel-Online“ auf Platz vier, hinter Leverkusen und Karlsruhe. In Wuppertal (Platz 1) sollten die Autofahrer besonders genau aufs Tempo achten, denn dort gibt es, gemessen an der Größe der Stadt, die meisten fest installierten Blitzanlagen.

Im Rathaus in Offenbach reagiert man unwirsch. „Die Zahl der Radargeräte wurde ins Verhältnis zur Fläche einer Stadt gesetzt. Eine solche Relation ist Nonsens. Unlogisch. Falsch. Das wäre so, als ob man aus der Zahl der Hühner pro Einwohner auf die Tierliebe einer Stadt schließen könnte. Frankfurt und Offenbach pfui, Emsland hui“, heißt es. Offenbach habe ein extrem kleines Stadtgebiet für seine 118 000 Einwohner. „Es fällt auf, dass auch die meisten der anderen Städte, die in dem Bericht als vermeintliche Abkassierer genannt werden, ein kleines Stadtgebiet haben und viele Einwohner“, erläutert Stadt-Pressesprecher Matthias Müller: „Durch Offenbach läuft ebenso wie durch den Kreis Offenbach ein Großteil des Verkehrs aus dem Osten Richtung Frankfurt, also sehr dichtes Straßennetz, vierspurige Durchgangsstraßen.“ Der Kreis Offenbach sei flächenmäßig der Zweitkleinste in Hessen und nach Einwohnern der Zweitgrößte mit einer extrem hohen Kfz-Dichte; da fließe ein Vielfaches mehr an Verkehr als in der riesigen Rhön, fügt Müller hinzu, der deutlich erzürnt ist über Vorwürfe wie „Offenbach - Stadt der Blitzer“. Mit einer Aussage „Blitzgeräte pro Einwohner oder pro Verkehrsteilnehmer oder nach Verkehrsdichte“ setze sich die Stadt Offenbach gerne auseinander. Eine Abwägung zwischen Kontrolle und Sicherheit von Verkehrsteilnehmern sei immer eine Gratwanderung.

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