„Blitz-Marathon“ zeigt Wirkung

Primärziel Verkehrserziehung

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Fest im Visier: Beamte sind Temposündern mit Lasertechnik auf der Spur, wie hier am Brunnenweg in Tempelsee, in unmittelbarer Nähe zur Waldschule.

Offenbach - Eigentlich hätte es gestern wirklich jeder wissen müssen. Eigentlich. Doch trotz zahlreicher Hinweise durch Presse, Funk und Fernsehen erwischte es am Ende doch den einen oder anderen. Ob’s Gedankenlosigkeit oder notorischer Bleifuß war? Man weiß es nicht. Von J. Bieniek und C. Wachter 

Dabei war es keinesfalls das Hauptanliegen der Polizei, die Temposünder um einige Euro zu erleichtern. Vielmehr habe man bewusst so intensiv auf die Kontrollen hingewiesen, um die Fahrer für das Thema Geschwindigkeit zu sensibilisieren, betont Polizeihauptkommissar Andreas Sattler. „Tempoverstöße gehören zu den größten Gefahren im Straßenverkehr. Und betroffen sind meist die in diesem Moment schwächeren: Fußgänger oder Radfahrer zum Beispiel. Unser Primärziel ist die Verkehrserziehung“, so der Beamte vom 2. Revier.

Sowohl die Beamten der Polizei als auch die des Ordnungsamts positionierten sich gestern vor allem vor Schulen und Kindergärten. Dabei waren die Beamten vom frühen Morgen bis zum Abend an insgesamt 14 Messstationen im gesamten Stadtgebiet im Einsatz.

Zwar hielt sich nach den Ankündigungen der Kontrollpunkte der Großteil der Fahrer an das zulässige Tempo. Allein an den sechs Stationen des Ordnungsamts kamen bis 15.30 Uhr aber doch immerhin 117 Temposünder zusammen. Die meisten Erwischten reagierten jedoch verhältnismäßig gelassen. Gerade jene Autofahrer, die von den Tempokontrollen wussten, hätten die Beamten teils sogar freundlich gegrüßt und gewunken, berichtet Sattler.

Bilder vom Blitz-Marathon in Hessen

Bilder vom Blitz-Marathon in Hessen

An der Schillerschule erwischte es binnen anderthalb Stunden lediglich einen Mercedesfahrer aus Mannheim. Drei weitere Fahrer werden jedoch wegen Handy- und Gurtverstößen Post bekommen. Am Gravenbruchweg ging es da schon heftiger zu: Fünf Tempoverstöße binnen einer halben Stunde, wenn auch alle mit eher geringen Überschreitungen. „Alles in allem aber sehr, sehr löblich“, lautet dann auch eine erste vorsichtige Bilanz der Polizei. Zum Vergleich: In Hanau fuhr in einer 30er-Zone vor einer Schule jeder Zehnte schneller als erlaubt. Detaillierte Zahlen folgen.

Welch schwerwiegende Auswirkungen selbst solche Verstöße allerdings haben können, zeigt Polizeihauptkommissar Sattler anhand einer Statistik: „Wenn ein Fußgänger von einem Auto mit 50 Stundenkilometern angefahren wird, endet dieser Unfall mit 20-prozentiger Wahrscheinlichkeit tödlich. Fährt ein Auto aber 65 Sachen, steigt sie gleich auf 80 Prozent.“

Wie ein Blick auf die Bußgeldtabellen in anderen europäischen Staaten zeigt, sind solche Tempoverstöße hierzulande relativ günstig: Los geht’s bei läppischen zehn Euro. In Belgien sind bei einer Überschreitung von bis zu zehn Kilometern pro Stunde schon 50 Euro fällig. Zur Kasse gebeten werden aber nicht nur Autofahrer. Wie die Polizei verrät, stehen auch Fahrradfahrer im Fokus der mobilen Messgeräte, die Tempoverstöße aus bis zu 1000 Metern Entfernung erfassen können.

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