Henni Nachtsheim und Bodo Bach verzichten auf Gage

Benefiz im Offenbacher Capitol: Profis blödeln, um Depressiven zu helfen

Offenbach - „Lachen gegen Depression – ein ziemlich ungewöhnliches Thema für einen Bühnenabend“, gibt Professor Andreas Reif zu, „aber ein notwendiges.“ Von Harald H. Richter

Der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Frankfurter Uniklinikum, Vorsitzender des Frankfurter Bündnisses gegen Depression, erinnert die mehr als 850 Besucher im ausverkauften Offenbacher Capitol daran, dass die Krankheit in den nächsten Jahren die größten soziodemografischen Folgen für das Gesundheitssystem mit sich bringen dürfte. „Aufklärung tut daher not, zumal viele Menschen wenig über Depression wissen, selbst wenn es in ihrem Umfeld Betroffene gibt. “

Vor ausverkauftem Haus treten Henni Nachtsheim, eine Hälfte des Badesalz-Duos, und Robert Treutel alias Bodo Bach ins Rampenlicht. „Wir treiben keine Späße mit der Erkrankung“, stellt Comedian Nachtsheim zu Beginn des mehr als zwei stündigen Programms klar. Er ist Schirmherr des Bündnisses und verzichtet mit seinem Spaßmacherkollegen auf jegliche Gage. Sämtliche Einnahmen aus diesem Abend kommen der Weiterentwicklung der Vereinsarbeit zu Gute. Deshalb ist an einem der Informationsstände im Foyer eine Spendenbüchse aufgestellt, die sich sukzessive füllt.

Die beiden hessischen Schlappmäuler kommen gänzlich ohne Showtreppe, langbeinige Glamourgirls und Pyrotechnik aus, „auch wenn ich mich nach spektakulären Bühneneffekten sehne“, gibt Nachtsheim augenzwinkernd zu verstehen. So präsentieren der 60-Jährige und sein Künstlerkollege vor spärlicher Sessel- und Stehlampenkulisse jeweils Auszüge aus ihren Soloprogrammen, spielen einander in verbalem Schlagabtausch die Bälle zu und flechten gänzlich unernste Lesungen in den Programmablauf ein.

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So erfährt das Publikum, dass Goethes „Werther“-Roman eigentlich im Altenheim spielt, wo zwei ältere Herren per E-Mail über ihre Zipperlein und über Elefanten mit Zellulitis konferieren. Auch die Ursache des Klosterbrands am Ende von Umberto Ecos Buch „Der Name der Rose“ erfährt – in hessischer Mundart – eine vollkommen neue Deutung.

Über Glück und Pech, Jugend und Alter „vielosophierend“, strapazieren Nachtsheim und Bach die Lachmuskulatur ihrer Zuhörer, reihen Gag an Gag. Den Jüngeren im Publikum fehle ein Zusammenhang zwischen Musikkassette und Bleistift, blödelt Bach. Den Hang von Helikoptereltern zur Rundumüberwachung ihrer Zöglinge habe es in seiner Jugend nicht gegeben.

In ihrer persönlichen Bilanz erinnern Nachtsheim und Treutel noch einmal an das gemeinsame Anliegen, das ihnen bei aller Alberei am wichtigsten gewesen ist.

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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